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Auch das Internet wird angesichts der aktuellen Corona-Krise auf eine Belastungsprobe gestellt. 

Datennetz überlastet

Mitten in der Coronavirus-Pandemie: Kommt jetzt der Zwangs-Stopp für Netflix?

Zu Zeiten der Corona-Isolation wird das Internet noch mehr genutzt als ohnehin. Den Schweizern könnte nun bald ein behördlich verordnetes Netflix-Stopp drohen. 

  • Wegen der Corona-Pandemie* ist uns angeraten, die eigenen vier Wände möglichst selten zu verlassen.
  • Zur Ablenkung nutzen zu Hause viele das Internet und Streamingdienste wie „Netflix“. 
  • Den Schweizern droht daher bereits ein Stopp des Anbieters. 

Zürich/Bern - Was soll man machen, wenn man gezwungen ist, den ganzen Tag zu Hause herumzusitzen? Wegen der aktuellen Coronakrise dürfen oder können einige Menschen zum Infektionsschutz ihre eigenen vier Wände derzeit nicht mehr verlassen. Doch irgendwann ist auch die letzte Ecke geputzt oder das letzte Buch ausgelesen und es droht einem die Decke auf den Kopf zu fallen. 

Das Internet kann da Abhilfe schaffen - doch wenn sich alle gleichzeitig für die Ablenkung im Worldwideweb entscheiden, stößt das Datennetz da nicht schnell an seine Grenzen? Den Schweizern zumindest könnte schon bald einbehördlich verordneter Netflix-Stopp drohen.

Mehr Datenverkehr durch Corona-Isolation

Durchschnittlich zehn Prozent mehr Datenverkehr - das ist laut der Betreiber des weltgrößten Internet-Knotens DE-CIX zuletzt verzeichnet worden. Der Datenverkehr durch Videokonferenz soll binnen sieben Tagen sogar um die Hälfte gestiegen sein. Zu erklären ist das wohl in erster Linie durch den aus Gründen des Infektionsschutzes* vor Corona in einigen Betrieben durchgeführten Wechsel ins Homeoffice. 

Doch auch die Nutzung von Videostreaming-Diensten könnte, so die Sorge mancher, das Internet bald verstopfen. Wie die dpa meldet, hat sich die EU-Kommission aus diesem Grund bereits an Netflix gewandt. EU-Kommissar Thierry Breton soll dabei mit Netflix-Chef Reed Hastings über Wege, die Belastung zu senken, gesprochen haben. Denkbar wäre beispielsweise eine automatische Anpassung der Bildqualität. In der Schweiz soll es unlängst sogar schon zu massiven Störungen in den Kommunikationsnetzen gekommen sein. 

In der Corona-Krise: Störungen in Schweizer Kommunikationsnetzen

Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, ist es nach Home-Office-Start und Schulschließungen im Swisscom-Netz bei Mobil- und Festnetzanrufen immer wieder zu Unterbrechungen gekommen. Den Grund dafür sieht die größte Telekomfirma des Landes durch die enorm gesteigerte Belastung. Zwar heißt es, momentan gebe es noch Reserven im Datennetz, doch da das Nutzungsverhalten der Kunden nicht vorhersehbar sei, könne man eine punktuelle Überlastung nicht ausschließen. 

Swisscom appeliert an Schweizer Kunden

„Wir arbeiten intensiv an einer Kapazitätserweiterung und bitten unsere Kunden um eine vernünftige und verantwortungsvolle Nutzung der Telekommunikationsnetze“, appellierte Swisscom bereits an seine Kunden. Priorität hätten im Moment die Bedürfnisse „systemrelevant[er]“ Geschäftskunden, die „einen zentralen Dienst in der Landesversorgung“ wahrnähmen. 

Außerdem heißt es aus dem Generalsekretariat des Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), insbesondere datenintensive Dienste wie die Übertragung von Video-Dateien seien „zurückhaltend“ zu nutzen. Übersetzt soll das wohl heißen: Wer den ganzen Tag auf Netflix rumhängt, behindert die Arbeit größerer Konzerne oder Unternehmen, weil er ihnen die Datenkapazitäten wegnehmen könnte. 

Droht der Schweiz ein Netflix-Stopp?

Womöglich könnten die Behörden im äußersten Fall sogar die Reißleine ziehen. „Sollten gravierende Engpässe entstehen, hat der Bund die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren“, wird der Schweizer Bundesrat bereits zitiert. 

Wer in der Schweiz also verhindern will, dass es irgendwann tatsächlich zu einem gezwungenen Netflix-Stopp kommt, der sollte sich in nächster Zeit wohl doch lieber auch ein paar andere Beschäftigungsmöglichkeiten überlegen. Vielleicht findet sich ja doch noch noch das ein oder andere ungelesene Buch oder die ein oder andere Wollmaus, die man noch beseitigen könnte. 

Das Coronavirus hat allerdings nicht nur unsere Nachbarn in der Schweiz, sondern schon längst ganz Europa erreicht. In Deutschland hat sich Kanzlerin Merkel in der aktuellen Krise bereits per Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt. 

lros

*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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