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Lebensmittelpreise explodieren: So drehen Supermärkte an der Preisschraube

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Von: Nadja Zinsmeister

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Die Lebensmittelpreise in deutschen Supermärkten steigen weiter an. Eine Besserung ist nicht in Sicht – viel mehr wird ein weiterer Kostenanstieg erwartet.

München - Ein Besuch im Supermarkt kann aktuell schnell frustrierend sein. Kostenexplosionen und Mogelpackungen von Lebensmitteln stehen im Kontrast zu Konsumenten, die aufgrund steigender Lebensunterhaltskosten in vielen Lebensbereichen zunehmend sparen wollen. Doch Supermärkte interessiert das offenbar nur bedingt. Die verschiedenen Gründe, Entwicklungen und Prognosen im Überblick.

Lebensmittelpreise in Deutschland explodieren: Ende noch nicht erreicht

Das Statistische Bundesamt hat im Oktober Preisanstiege im Großhandel untersucht. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete es dabei „erheblich höhere“ Preise bei Milcherzeugnissen, Eiern und Speiseölen. Knapp 40 Prozent teurer waren die Produkte im Vergleich zu Oktober letzten Jahres. Auch der Großhandelsverkaufspreis für Getreide ist um etwa 28 Prozent gestiegen.

Ein Ende ist dabei voraussichtlich noch nicht erreicht. „Die Hersteller sind an längerfristige Verträge gebunden – teilweise noch zu Spottpreisen“, sagte Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg, dem Spiegel. Und genau diese Verträge, in denen Lieferpreise festgehalten werden, müssten jetzt neu verhandelt werden.

Einkaufen im Supermarkt
Eine Kunde an der Supermarktkasse. (Symbolfoto) © Sven Hoppe/DPA

Lebensmittelpreise steigen: Viele Faktoren spielen eine Rolle

Angesichts der aktuellen Krise dürften Gespräche über Lebensmittelpreise beiden Seiten – Herstellern und Händlern – wenig Freude bereiten und zu noch höheren Preisen führen. Zu viel Unruhe herrscht aktuell im Land. Die Inflation in Deutschland befindet sich auf Rekordniveau, was unter anderem auf Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist, da die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung zurückgenommen wurde. Und seitdem durch den Ukraine-Krieg die Energiepreise in Deutschland verstärkt gestiegen sind, kämpfen auch Erzeuger mit höheren Herstellungskosten für ihre Produkte.

Hinzu kommen Schwierigkeiten in der Lieferkette, die auf Corona gleichermaßen wie auf den Krieg zurückzuführen sind: Laut dem Bundesamt für Statistik waren im Oktober über die Hälfte der Unternehmen, die mit Lebensmitteln zu tun haben, von „Produktionsbehinderungen durch Knappheit bei Rohstoffen beziehungsweise Vorprodukten“ betroffen.

Energiekrise und Lieferschwierigkeiten: So drehen Supermärkte an der Preisschraube

Die höheren Preise beginnen beim Erzeuger und ziehen sich bis zum Verbraucher durch. Doch gerechtfertigt durch die Inflation scheinen die Preise aktuell trotzdem nicht immer. Ein Beispiel hierfür zeigt der Spiegel: Sonnenblumenöl wurde in Deutschland zwischenzeitlich sehr viel teurer, weil es zu Lieferausfällen aus der Ukraine kam. Mittlerweile ist der Import des Speiseöls aber wieder möglich und die Preise am globalen Markt seien so gesunken, dass sie sich ungefähr auf dem Niveau von Ende letzten Jahres befänden.

Trotzdem sei das Öl der Marke Thomy zum Beispiel trotz der Senkung nun insgesamt immer noch rund 1,50 Euro teurer als im Dezember letzten Jahres. Rewe würde deshalb mit Thomy „intensiv verhandeln“, heißt es weiter. Edeka beteuere, notfalls selbst auf Gewinn zu verzichten. Trotzdem stellt sich die Frage: Nutzen Edeka, Aldi, Lidl und Co. die Situation, um die Preise grundlos für Verbraucher zu erhöhen?

Hohe Preise in den Supermärkten: „Wir werden lernen müssen, damit zu leben“

Offensichtliche Preisanstiege sind dabei zumindest noch eine Entwicklung, die der Verbraucher im Supermarkt aktiv beobachten kann. Anders sieht es mit Mogelpackungen aus, die ebenfalls zunehmen. Hierbei bleibt der Preis bei einem Produkt im Supermarkt zwar gleich, die Füllmenge wird jedoch vom Hersteller reduziert. Der Preisanstieg findet somit versteckt statt und ist nicht immer gleich ersichtlich. Zuletzt deckte die Verbraucherzentrale Hamburg derartige Mogelpackungen bei einem großen Chips-Hersteller auf. Immer mehr Hersteller greifen zu der Methode, wie die vergangenen Monate gezeigt haben.

Je mehr Hersteller sich den Preiserhöhungen anschließen, desto schwieriger wird es logischerweise für Verbraucher, im Zweifelsfall auf günstigere Konkurrenz-Produkte umzusteigen. Hinsichtlich des Preiswahnsinns gab Robert Kecskes vom Marktforschungsinstitut GfK gegenüber dem Spiegel eine traurige Prognose ab. Er rechne demnach nicht damit, dass sich die Preise demnächst wieder erholen. „Wir werden lernen müssen, mit den höheren Preisen zu leben.“ (nz)

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