Einwegplastik verschmutzt die Umwelt. Darum wird in der Europäischen Union durchgegriffen
+
Einwegplastik verschmutzt die Umwelt. Darum wird in der Europäischen Union durchgegriffen.

„Vermute, das ist das neue Schlupfloch“

„Reine Heuchelei“: Edeka mit dreister Plastik-Masche? Supermarkt-Angebot erzeugt wütende Kunden-Reaktionen

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
    schließen

Mitte 2021 wird Einwegplastik verboten. Edeka versucht offenbar, einfach die Bezeichnung der Ware zu ändern. Oder steckt mehr dahinter? Der Supermarkt nimmt Stellung.

München - Viele Erzeugnisse aus Einwegplastik sollen ab Juli 2021 EU-weit aus dem Handel verschwinden. Dazu gehören zum Beispiel Strohhalme oder auch Plastikbesteck. Weitere Produkte, die mangels ökologischer Alternativen nicht verboten werden können, sollen ein spezielles Label erhalten, das Verbraucher auf die nicht mögliche Wiederverwertbarkeit hinweist. Des Weiteren wird die Umweltverschmutzung in der EU mit einer neuen Plastiksteuer bekämpft.

Bis zur Einführung der Richtlinien für den Handel dauert es jedoch noch einige Monate. Edeka sieht sich dem Vorwurf einer irreführenden Manipulation ausgesetzt: Die Aufnahme aus einer Filiale zeigt, wie Plastikbesteck mit der Bezeichnung „Mehrweg“ versehen wurde, erhältlich für knapp zwei Euro das Zehnerpack.

Edeka mit vermeintlichem Plastik-Trick - Wütende Kommentare folgen

Dabei haben sich die Supermarkt eigentlich dem Kampf gegen die Plastikflut verschrieben. Haben wir es hier etwa mit einem Fall von geschönter Produktbeschreibung zu tun, welche die Umweltschädlichkeit des Artikels verschleiern soll? Schnell sammeln sich unter den entsprechenden Facebook-Posts wütende Kommentare:

  • „Dreist. Man gibt sich allgemein nachhaltig und unweltfreundlich. Und dann macht man genau das Gegenteil von dem was man sagt... Verantwortung? - Fehlanzeige!“
  • „Das ist typisches Verhalten und solange die Politik nicht konsequent durchgreift, wird sich nichts ändern“

Jedoch gibt es in diesem Fall offenbar eine Kehrseite der Medaille: Könnte es vielleicht sein, dass der Supermarkt hier gar keine falsche Behauptung tätigt? Manche Facebook-Nutzer machen darauf aufmerksam, dass es durchaus Plastikbesteck und -geschirr gibt, das eine mehrfache Verwendung ermöglicht: „Es gibt tatsächlich sehr stabile Varianten von Plastikgeschirr. Ich vermute, das ist das neue Schlupfloch“ mutmaßt eine Userin.

Edeka: Einwegplastik als Mehrweg deklariert? Supermarkt verteidigt sich

In der Tat scheint es sich bei dem Besteck-Angebot von Edeka um stabileres Plastik zu handeln, das nach einmaliger Benutzung nicht in den Müll geworfen werden muss. Stattdessen soll es abwaschbar und wiederverwendbar sein. Die Marketingabteilung des Supermarkts hat Stellung bezogen und verteidigt sich gegen die Anschuldigung einer Nutzerin mit einer Erklärung: „Der Artikel hebt sich qualitativ deutlich von einem Einwegartikel ab. Der Kunststoff ist dicker und bruchsicherer und kann sogar in der Spülmaschine gereinigt werden. Der Artikel ist nicht mit einem Einwegartikel vergleichbar.“

Mit diesem Hinweis geben sich die Kritiker jedoch nicht zufrieden. Der Vorwurf lautet: Kunden, die solch ein Plastikbesteck kaufen, würden es trotzdem wie Einwegplastik behandeln und es dann wiederum wegwerfen, statt abzuwaschen: „Es ist reine Heuchelei, sich in der TV-Werbung als umweltbewusst darzustellen und in der Wirklichkeit Plastikeinwegartikel unter neuem Deckmantel zu verkaufen“, lautet ein erboster Kommentar.

Wird gegen die Plastikflut weltweit nichts unternommen, droht ein bitteres Szenario Realität zu werden - dass es in den Meeren irgendwann mehr Plastik gibt, als Fische:

Abnehmen und endlich gesund essen? Eine gute Idee, doch es gibt einige Lebensmittel, die als gesund gelten, aber eigentlich Mogelpackungen sind. (PF)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare