1. Startseite
  2. Verbraucher

Energiekrise in Deutschland: Weihnachten im Dunkeln? Zahlreiche Städte beschließen erste Maßnahmen

Erstellt:

Kommentare

Die Inflation zwingt die Verbraucher zum Energiesparen. Dabei sorgen gerade bunte Lichterketten, Kerzenlichter an Bäumen und ein wohliger Duft für Stimmung zur Weihnachtszeit.

Berlin/Oberhausen ‒ Es könnte weit weniger gemütlich als in den Vorjahren für viele Verbraucher werden. Denn schon jetzt fürchten viele Menschen die hohen Preise für Strom und Gas. Es ist also gut möglich, dass die Lichter während der Weihnachtszeit aufgrund der Energiekrise ausgehen. Dirk van Acken und seine Frau Barbara aus Oberhausen zeigen sich davon bislang unbeeindruckt. Sie wollen ihr Haus und den Garten trotzdem wieder in ein Winter-Glitzer-Paradies verwandeln. Das Ehepaar verfällt Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit in einen Licht- und Deko-Rausch mit zahllosen Lichterketten, leuchtenden Schneemännern, Engelchen und Weihnachtsmusik in Dauerschleife.

Daran wird auch die aktuelle Energiekrise nichts ändern, versichert der 44-jährige Dirk. „Wir werden jedes Jahr von so vielen Leuten angesprochen, die vorbeikommen wollen. Da hat man auch eine Verpflichtung. Wir bleiben am Start.“ Nun beginnt die wochenlange Deko-Arbeit für die beiden - mit Tausenden Weihnachtsartikeln.

Feiern im Dunkeln: Ein beleuchteter Baum pro Stadt und Gemeinde

So entspannt wie Dirk und Barbara sehen das nicht alle. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte zum Beispiel angesichts der akuten Energiekrise, auf Weihnachtsbeleuchtung in Städten und in Privathaushalten zu verzichten.

In diesem Winter sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten, wie auch die der Häuser und Wohnungen verzichtet wird.

Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe

„Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der Energieknappheit, aber auch aus Gründen des Klimaschutzes sollten wir einmal innehalten“, so Resch. Der Geschäftsführer schlägt daher einen beleuchteten Baum pro Stadt und Gemeinde vor. „Hier bewusst zu verzichten, zu sparen und solidarisch zu sein, das könnte diese Weihnachtszeit sogar zu einer ganz besonderen machen.“

Feiern im Dunkeln: Facebook-Nutzer haben entschieden

Jörg Meißel hat mithilfe einer Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook entscheiden lassen, ob sein Weihnachtshaus erstrahlen soll. „Auf alle Fälle“, schrieb eine Nutzerin, „Weihnachten ist das Fest der Liebe, und das Leuchten gehört dazu.“ Nach zwei Jahren Corona-Pause will Meißel das Haus in Lichtenstein nun wieder dekorieren: mit 80 000 LED-Lichtern und bis zu 180 Figuren. Thorsten Grüger, der seit Jahren sein Haus in Karlsruhe-Neureut im Advent beleuchtet, will den Diskussionen in diesem Jahr aus dem Weg gehen.

Grüger rennt mit seiner Entscheidung bei Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sicher offene Türen ein. Denn seiner Meinung nach könnte eine Reduzierung der Weihnachtsbeleuchtung zur entscheidenden Energiesparmaßnahme gehören. Allerdings könnten „die Abwägungsentscheidung zwischen der notwendigen Energieeinsparung auf der einen Seite und der Erhaltung der Innenstadtbeleuchtung oder der Durchführung von Weihnachtsmärkten auf der anderen Seite“ die Städte und Gemeinden nur vor Ort treffen, so Handschuh. Dabei gehe es sowohl um die Frage, wie hoch das zu erzielende Einsparpotenzial ist, als auch um die wirtschaftlichen Folgen des Verzichts etwa für den Einzelhandel.

Der Vorschlag der Deutschen Umwelthilfe ist in der Pauschalität nicht zielführend.

Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund

Weihnachten im Dunkeln: Öko-Strom und LED-Beleuchtung

Das wird zum Beispiel im Südwesten ähnlich gesehen. So sollen in Stuttgart die mit Öko-Strom betriebenen Lichterketten nur noch 240 statt 450 Stunden an Tannenbäumen leuchten, wie die Stadt mitteilte. Das Rathaus selbst verzichtet sogar ganz auf Beleuchtung.

Im Weihnachtsdorf Waldbreitbach in Rheinland-Pfalz, das jedes Jahr Besucher aus ganz Deutschland anzieht, bleibt die Beleuchtung diesmal morgens aus. „Die Beleuchtung wird etwas verkürzt auf sechs Stunden täglich von 14 bis 20 Uhr, da in dieser Zeit auch die meisten Besucher anwesend sind“, sagt Sprecher Florian Fark. In den vergangenen Jahren habe man bereits auf LED umgestellt. Laut Betreiber werde der Stromverbrauch für die acht Wochen bei rund 3000 Kilowatt stehen. „Der Verbrauch ist vergleichbar dem, was ein Einfamilienhaus mit vier Personen im Jahr verbraucht“, so Fark weiter. Bei rund 30.000 Besuchern seien das Stromkosten von unter 600 Euro.

Weihnachten im Dunkeln: Keine Absagen in Dresden und Nürnberg

In vielen Kommunen droht eine Weihnachtszeit mit weniger Beleuchtung als in früheren Jahren - es wird ein fahleres Fest, auch wenn keine großen Absagen in berühmten Weihnachtsstädten wie Dresden, Nürnberg, Heidelberg oder Frankfurt am Main anzustehen scheinen. Dennoch kündigten viele Städte bereits an, weniger Weihnachtsbeleuchtung aufzubauen, sie seltener anzuschalten oder Öffnungszeiten zu verringern. Beim Essener Weihnachtsmarkt soll gut 20 Prozent weniger Strom verbraucht werden. In Mainz will man den mit der Landesregierung abgestimmten Beschluss umsetzen, 15 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. In Berlin sind die großen Adventsbeleuchtungen an Einkaufsstraßen wie dem Kurfürstendamm in Gefahr.

Das Bild zeigt die Kölner Innenstadt im Dunkeln.
Städte und Kommunen sparen Energie. Die Innenstädte liegen im Dunkeln. (Symbolbild) © Mika Volkmann / imago

Und auch viele Kirchen verzichten hierzulande bereits seit einiger Zeit auf eine aufwendige Außenbeleuchtung. Die vorweihnachtlichen Lichter, die in den Kirchen die Geburt Jesu ankündigten, seien „keine grellen Gigawatt-Lichter - sondern flackernde Hoffnungszeichen“, heißt es vonseiten der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Laut EKD transportieren sie die himmlische Botschaft vom Frieden auf Erden. „Dieses Hoffnungslicht wird gerade in diesem Jahr dringender denn je gebraucht.“ dpa

Auch interessant

Kommentare