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Gasspeicher voll: Was heißt das für die Verbraucher? Sinken bald die Preise?

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Von: Stella Henrich

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Derzeit sind die Gasspeicher in Deutschland zu fast 100 Prozent voll. Auch das Wetter ist bislang mild. Die Verbraucher müssen nicht oder nur wenig heizen. Könnten daher schon bald die Preise wieder sinken?

München ‒ Eigentlich eine gute Nachricht: Die Gasspeicher sind fast randvoll, das Wetter spielt den Verbrauchern mit seinen milden Temperaturen in die Karten. Die Heizungen bleiben vielerorts noch aus. Nur beim Blick auf die Preise für Gas und Strom wird es den meisten Verbrauchern mulmig. Doch dafür hat die Ampel-Koalition ja auch bereits die ersten Entlastungen als Soforthilfe für Dezember auf den Weg gebracht.

Spätere - wie die Strom- und Gaspreisbremse - sollen schon bald für die Verbraucher hierzulande folgen. Etliche Einmalzahlungen und Zuschüsse für Familien, Mieter und Eigentümer hat das Parlament auch bereits durchgewunken. Da fragt sich der ein und andere mit Sicherheit: Sollten jetzt nicht auch die Preise für Energie bei vollen Tanks und gutem Wetter wieder sinken?

Doch ganz so einfach ist die Rechnung offenbar nicht. Denn schon bald werde es kalt und Flüssiggas könnte knapp werden, befürchtet Fabian Huneke von Beratungsunternehmen Energy Brainpool mit Blick auf die Preise. Dabei zeigt sich, dass der Erdgaspreis für Verbraucher in diesem Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 109,8 Prozent laut Statistischen Bundesamt geklettert ist.

Volle Gasspeicher: Wetter und Speichervorrat entscheidend für den Preis

Etwas optimistischer in seiner Einschätzung ist Andreas Fischer, Energie-Ökonom vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Er glaubt, dass zusätzliche Gasmengen, die in diesem Winter nach Deutschland fließen sollen, einen Preis dämpfenden Effekt hätten. Doch auch er weiß, dass die Preisentwicklung vom Bedarf in den Wintermonaten und den Temperaturen abhängt.

Zwar hat Deutschland dank des guten Wetters seit Anfang Oktober deutlich weniger Gas als üblich verbraucht. „Der tägliche Verbrauch lag in den vergangenen Wochen permanent unter dem Nettogaszufluss nach Deutschland“, wie der Spiegel mit Bezug auf die Bundesnetzagentur berichtet. In Belgien, Portugal und Frankreich sind die Gasspeicher sogar schon deutlich über 100 Prozent voll. Und die Preise für Energie sind - zumindest in Frankreich - wesentlich günstiger als für den Verbraucher hierzulande.

Fotomontage für Gasspeicher - voll - leer.
Volle Gasspeicher. Eigentlich gut für die Preise - und die Verbraucher. (Symbolbild) © Christian Ohde/imago

Volle Gasspeicher: Verbraucher sind nicht vor extrem hohen Preisen geschützt, kritisieren Verbraucherschützer

Doch nun kommt schon wieder eine erneute Ankündigung vonseiten der Politik auf die Verbraucher zu. Mit dem sogenannten Energiesicherungsgesetz dürfen Versorger ihre Preise im Versorgungsengpass auf ein „angemessenes Niveau“ erhöhen. Dieses Niveau sei nach oben nicht gedeckelt, sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Thomas Engelke. „Die privaten Haushalte wären dann auch vor extrem hohen Gaspreisen nicht geschützt.“ Er betont, dass von der Regelung auch Kunden betroffen wären, die eine sogenannte Preisgarantie haben.

Deutsche nutzen Erdgas immer weniger zum Heizen

Für private Haushalte ist Erdgas nach wie vor der mit Abstand wichtigste Energieträger in Deutschland. Im Jahr 2019 lag der durchschnittliche Jahresverbrauch von Wohnenergie – also für Heizen, Warmwasserbereitung, Kochen, den Betrieb von Elektrogeräten etc. – bei gut 8800 Kilowattstunden pro Person. 41,2 Prozent dieses Energiebedarfs wurden durch Erdgas gedeckt.

In Neubauten kamen Gasheizungen laut Statistischem Bundesamt zuletzt immer seltener zum Einsatz. So wird bei den im Jahr 2021 fertiggestellten Wohngebäuden Gas nur in 34,3 Prozent der Fälle als primäre Heizung genutzt – 2020 lag der Anteil noch bei knapp 39 Prozent.

Für die Stromerzeugung ist Erdgas nach wie vor bedeutsam, wenn dessen Anteil auch zurückgeht. Im 1. Quartal 2022 waren 13 Prozent des in Deutschland erzeugten und in das Stromnetz eingespeisten Stroms aus Erdgas erzeugt worden. Wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemeldung mitteilt, entspricht das rund 18,7 Milliarden Kilowattstunden.

Der größte Teil des in Deutschland eingespeisten Erdgases stammt aus dem Ausland. Bisher war die Russische Föderation wichtiges Herkunftsland für Erdgas. Inzwischen hat das Land die Lieferungen nach Deutschland mit der Begründung von Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 eingestellt.

Diese angespannte Versorgungslage mit Erdgas und die Unsicherheit auf den Energiemärkten haben zu hohen Energiepreissteigerungen und explodierenden Preisen für die Verbraucher hierzulande beigetragen.

Angesichts der Lage am Markt, die Preisentwicklung für Energie nicht exakt vorhersagen zu können, wird ein Ausbau von regenerativen Energiequellen immer dringlicher. Windkraft und Sonnenstrom sind allerdings extrem wetterabhängig und lassen sich kaum speichern. Da kommt die Erfindung eines Tüftlers aus Bayern gerade im richtigen Moment. Georg Tränkl hat einen Druckluftspeicher entwickelt, mit dem er Solarstrom gewinnen und speichern will, um die Energie bei schlechtem Wetter zu nutzen. Immerhin - zumindest ist die Sonne zum Nulltarif verfügbar.

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