Eine nach Brand-Rodung mit Asche bedeckte Fläche in Argentinien ist durch eine Straße von einem bestehenden Wald getrennt.
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Wälder werden zerstört, um Anbauflächen zu schaffen

Irreführende Gütesiegel

Greenpeace-Studie: Nachhaltigkeits-Label führen Verbraucher hinters Licht - zertifizierte Firma rodet Wald

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Eine Greenpeace-Studie zeigt, dass Nachhaltigkeitssiegel Verbraucher oft täuschen. Eine zertifizierte Firma soll eine große Fläche Regenwald zerstört haben.

München - Verbraucher wollen der Umwelt oft etwas Gutes tun und kaufen deswegen Produkte, die mit einem Nachhaltigkeitssiegel versehen sind. Sie greifen zu Schulheften, die das FSC-Siegel tragen. Das Label soll Holz aus ökologischer Forstwirtschaft garantieren. Bei Schokocremes wie Nutella oder Haarwaschmittel muss es das Siegel RSPO sein, das für nachhaltig angebautes Palmöl steht.

Greenpeace-Studie: FSC-zertifiziertes Unternehmen zerstört Regenwald

Doch viele Nachhaltigkeitssiegel scheinen die Verbraucher in die Irre zu führen. Der Greenpeace-Report „Destruction: Certified“ zeigt, dass hinter den Versprechungen in vielen Fällen Schwindel steckt. So soll eine FSC-zertifizierte Firma zwischen 2013 und 2017 in Indonesien über 30.000 Hektar Regenwald gerodet haben. Zertifizierte Unternehmen könnten auch Rohstoffe von Lieferanten beziehen, die dafür Wälder zerstören.

Die Zahl der Gütesiegel scheint gefühlt täglich zu wachsen. Sei es Kaffee, Tee, Fleisch oder Fisch, in den Regalen von Supermärkten, Discountern oder Drogerien wird man bei der Suche nach nachhaltigen Produkten schnell fündig. Immer mehr Unternehmen lassen sich ihre Erzeugnisse zertifizieren. Das liegt daran, dass die Hersteller davon profitieren. Eine Zertifizierung kostet zwar Geld, doch da in den Märkten eben bewusst danach gegriffen wird, lohnt sich die Investition.

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Greenpeace-Studie zu Nachhaltigkeits-Siegeln: Zertifizierungen oft unwirksam

Greenpeace wirft den Zertifizierern vor, den Eindruck zu erwecken, dass ein von ihnen geprüftes Produkt grün, nachhaltig und fair sei. Doch die selbst laut Greenpeace gesetzten Standards sind oft zu niedrig sowie schlecht umgesetzt und kontrolliert. „Nach drei Jahrzehnten ist es Zertifizierungsystemen nicht gelungen, der Zerstörung von Ökosystemen und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion von Palmöl, Soja und Holz wirksam entgegenzutreten”, sagt Grant Rosoman, Greenpeace-Waldexperte und Co-Autor der Studie.

Rosoman fordert deswegen, den Nachweis einer nachhaltigen Herstellung nicht privaten Zertifizieren zu überlassen. Die EU sollte ein starkes Waldschutzgesetz beschließen, das den Ausschluss von Produkten aus Waldzerstörungen sicherstellt. Unternehmen müssten zu transparenten Rückverfolgungssystemen und Einhaltung sozialer Standards verpflichtet werden.

Nachhaltigkeits-Siegel ungenügend - Greenpeace-Experte: Verbraucher sollen Konsum hinterfragen

Der Greenpeace-Experte sieht aber auch die Verbraucher in der Pflicht. „Sie entscheiden mit ihrem Konsum, welche Art der Landwirtschaft und welche Produktion sie fördern wollen“, so Rosoman. So sollte man sich fragen, ob wirklich neue Möbel angeschafft werden müssten. Oft erfülle Gebrauchtes ästhetisch als auch funktional den Zweck. 

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