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Ikea-Hammer nach 70 Jahren: Diese Änderung betrifft Millionen Haushalte - „Gehört dazu wie die Köttbullar“

Ikea bricht nach 70 Jahren mit einer Tradition. Millionen von Haushalten sind davon betroffen. Kunden reagieren zum Teil geschockt.

  • Nach 70 Jahren druckt Ikea keine neuen Kataloge mehr.
  • Der Medienkonsum und das Kundenverhalten haben sich in den letzten Jahren zunehmend verändert.
  • Die Kundinnen und Kunden zeigen sich im Netz schockiert über die Nachricht.

Update vom 8. Dezember, 10.30 Uhr: Nicht einmal vierundzwanzig Stunden ist es her, seit Ikea das Ende einer Ära verkündet hat. Seitdem ist vor allem in den sozialen Netzwerken viel passiert. Viele fragen sich was das Jahr 2020 wohl noch für schlechte Nachrichten bereithält. „Er gehört zu Ikea wie die Köttbullar und der Hot Dog. Sehr schade, dass wieder ein Stück gute Tradition abgeschafft wird“, schreibt eine Userin auf Facebook. Viele weitere posten Fotos ihrer Ikea-Kataloge und werden vor allem den Spaß am Sammeln vermissen. „Ikea-Kataloge sind das einzige, was ich wirklich sammle“, kommentiert eine Nutzerin auf Facebook.

Doch nicht alle sind traurig über das Ende der des Kult-Katalogs. Mehrere Postboten und Postbotinnen freuen sich über die Nachricht: „Ich sehe es mal aus meiner beruflichen Sicht als Postbotin! Juchuuuu! Das Wegpüngeln von 1000 Katalogen neben der Post war echt mega anstrengend.“

Auch wenn die meisten traurig über die Abschaffung des Katalogs sind, trifft es eine Gruppe besonders hart: die Druckereien. Wo es nichts zu bedrucken gibt, drohen ganze Druckereien wegzubrechen. Doch wie die FAZ berichtet, sei Ikea bereits im Dialog mit ihren Lieferanten. Für Broschüren oder Geschenkpapier wolle der schwedische Konzern auch weiterhin mit seinen Druckereien zusammenarbeiten.

In Eching bei München eröffnete einst der erste Ikea Deutschlands. Heute gibt es 54 Märkte im ganzen Land. Doch mittlerweile shoppen die meisten Menschen online. Die Ikea-Kataloge werden immer weniger genutzt. Zu besten Zeiten im Jahr 2016 hatte der „möblierte Roman“, wie der Literaturkritiker Hellmuth Karasek in ihn einst nannte, eine Druckauflage von rund 200 Millionen Stück. Er ist in 69 Versionen, 32 Sprachen und in über 50 Ländern der Welt erschienen. Damit lag Statistiken zur Folge die Druckauflage höher als die Bibel. Nicht umsonst wird der Ikea-Katalog auch als „Schweden-Bibel“ bezeichnet.

Ikea-Hammer nach 70 Jahren: Diese Änderung betrifft Millionen Haushalte - „Bin etwas geschockt“

Erstmeldung vom 07. Dezember 2020:

München - Schon immer hat der Ikea-Katalog weltweit inspiriert, zum Blättern, Verweilen und zum Kaufen eingeladen. Jetzt ist nach 70 Jahren Schluss damit. Die zunehmende Digitalisierung und ein neues Umweltbewusstsein sind auch am größten Möbelhändler Europas nicht spurlos vorbeigegangen.

Ikea: Medienkonsum und Kundenverhalten sorgen für Ende des Kult-Katalogs

Der Katalog habe sich „in den vergangenen 70 Jahren zu einem richtigen Erfolgsfaktor für das Unternehmen entwickelt“, so die Pressemitteilung von Ikea. Trotz allem ist auch das Unternehmen zunehmend „digitaler geworden und hat neue Wege gefunden, um die Menschen zu erreichen.“ Da der Medienkonsum und das Kundenverhalten sich in den letzten Jahren immer mehr gewandelt haben, sei der Katalog immer weniger genutzt worden, so Ikea.

Ende des Ikea-Katalogs: Trauer bei Kundinnen und Kunden ist groß

Im Internet fallen die Reaktionen der Kunden und Kundinnen auf die Nachricht sehr unterschiedlich aus. Eine Userin auf Instagram schrieb: „Ich bin grad etwas geschockt!!! Aber es ist besser für unsere Umwelt!!!“ Eine Andere wird vor allem den Geruch vermissen: „Oh nein....ich brauch ihn unbedingt zum dran riechen.“

Auf Twitter befürworten und bedauern es die User gleichermaßen: „Ich habe mich gern inspirieren lassen, dennoch befürworte ich es aus Sicht des Umweltschutzes“, schreibt eine Nutzerin. Doch auch wenn der gedruckte Katalog nie wieder in den Briefkästen landen wird, hoffen viele auf eine Online-Version des Produktes. Ikea-Manager Konrad Grüss teilte mit: „Wir werden die vielen Menschen künftig über neue Wege erreichen, mit ihnen interagieren und sie mit unseren Einrichtungslösungen inspirieren.“ Umweltschutz spiele für das Unternehmen eine wichtige Rolle. Bis 2030 wolle Ikea klimapostiv sein.

Großes Buch statt Ikea-Katalog

Doch natürlich soll die großartige Geschichte des Ikea-Katalogs so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Der Konzern kündigte an, im Herbst 2021 eine Hommage an den Katalog herauszubringen. Dabei soll es sich um ein Buch voller Inspiration und Einrichtunsgwissen handeln.

Ikea-Katalog: 23 Millionen Kataloge im letzten Jahr in Deutschland

Ikea-Kataloge seit man Denken kann: Nach 70 Jahren ist nun Schluss damit.

Der Katalog erschien erstmals 1951 und wurde von Ingvar Kamprad, dem Gründer von Ikea, persönlich zusammengestellt. Seit 1998 ist der Katalog auch im Internet verfügbar. Noch im letzten Jahr wurden rund 23 Millionen Kataloge vertrieben. Der letzte und aktuelle Katalog hat hingegen nur noch eine Auflage von 8,5 Millionen Exemplaren.

Während der Corona-Pandemie* konnte Ikea trotz geschlossener Einrichtungshäuser seinen Online-Umsatz stark steigern. Der im Internet erzielte Umsatz steigerte sich in Deutschland im Geschäftsjahr 2019/2020 von 9,4 auf 16,2 Prozent.

Zuletzt hatte Ikea mit einer weiteren umweltfreundlichen Idee und einem erschreckenden Werbespot auf sich aufmerksam gemacht. (ij) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Pius Koller/imago images

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