Ikea in der Kritik: Nutzt das Möbelhaus illegales Holz? Die Vorwürfe sind schwer
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Ikea in der Kritik: Nutzt das Möbelhaus illegales Holz? Die Vorwürfe sind schwer

Geschützte Bäume aus Russland

Schwere Vorwürfe gegen Ikea: Kindermöbel aus illegalem Holz?

  • Felix Herz
    VonFelix Herz
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Die Vorwürfe der Umweltschutzorganisation Earthsight sind groß: Ikea verwende für seine Kindermöbel illegales Holz aus geschützten Wäldern Russlands.

Delft/Sibirien – Ikea* wirbt gerne und oft für die Unternehmensphilosophie, die sich auch um Nachhaltigkeit dreht. Umso schwerer wiegen nun die Vorwürfe der Umweltschutzorganisation Earthsight. Einem Bericht des Spiegel zufolge wirft sie dem schwedischen Möbelgiganten vor, bei der Produktion seiner Waren auch auf Holz zurückzugreifen, das geschützten Wäldern und zwielichtigen Rodungen in Russland* entstammt. Würden sich die Vorwürfe bewahrheiten, stünde Ikea vor einem Imageschaden, der wie Spiegel berichtet, auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Nachhaltigkeitslabels FSC (Forest Stewardship Council) aufkommen lassen würde. Doch der Reihe nach.

Ikea: Illegales Holz aus Russland? Die Vorwürfe von Earthsight

Die Umweltschutzorganisation Earthsight stammt aus London und verfolgt Lieferketten großer Unternehmen. Schon im vergangenen Jahr hatte sie für reichlich Wirbel gesorgt, als sie Ikea vorwarfen, illegales Holz aus den Karpaten (Ukraine) zu verwenden – auch in Deutschland war das Medienecho zu dem Vorfall groß. Heute steht der Vorwurf im Raum, Ikea empfange Holzlieferungen aus Russland, die geschützten Wäldern entstammen oder nicht rechtskonform abgeholzt worden waren. Ikea verneint dies und verweist laut Spiegel darauf, dass man zertifiziertes Holz aus Russland nutze und bei Unstimmigkeiten sofort handle. Doch genau hier liegt das Problem – denn die russische Zertifizierung macht alles andere als einen astreinen Eindruck.

Russland: Ikea empfängt zertifiziertes Holz – doch ist auch drin, was draufsteht?

Zentrale Figur in den Vorwürfen von Earthsight ist den berichten des Spiegel zufolge der 44-jährige Unternehmer Evgeny Bakurov aus Russland. Er scheint mit seinen Holz-Unternehmen die Schutzbestimmungen und Abholzregelungen zumindest zu dehnen, wenn nicht sogar gänzlich zu ignorieren. Vor allem die Grenzen der Sanitär-Fällungen in der sibirischen Region Irkutsk, bei denen kranke Waldstücke zum Schutz des restlichen Waldes gefällt werden, scheinen für Bakurov und seine Unternehmen nicht wirklich zu gelten. Der Spiegel schreibt, mithilfe zwielichtiger Deals mit ansässigen Forstbehörden seien diese so gnadenlos ausgeweitet worden, dass rund 689.000 Kubikmeter mehr Holz gefällt wurde als erlaubt. Ein Umstand, der inzwischen auch Ikea dazu trieb, das russische Holz Bakurovs aus Sanitär-Fällungen abzubestellen. Schon vor dem Öffentlichwerden der Earthsight-Berichte zwar, es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass Ikea schon seit Längerem von den Ermittlungen der NGO wusste, schreibt der Spiegel.

Schwere Vorwürfe der NGO Earthsight: Ikea soll illegales Holz aus Russland beziehen

Ikea mit Holz aus Russland: Zwielichtige Deals, Verhaftungen und ein Nachhaltigkeitslabel mit Problemen

Earthsight konzentriert sich nicht grundlos auf Russland. Wie der Spiegel berichtet, entstammt doch nahezu ein Viertel des weltweit gehandelten Holzes aus Russland. Die Europäische Holzhandelsrichtlinie stuft das Land als Risikoland ein, das sehr genau beobachtet werden sollte. Vor allem in Sibirien scheint es zweifelhafte Rodungen zu geben. Immer wieder gab es Ermittlungen zu illegal gefällten Holz, das geschützten Waldgebieten entstammt, oder Sanitär-Fällungen entstammt, die gar nicht ausreichend genehmigt worden sind. Und doch verfügt zum Beispiel Bakurovs Firma Vilis über ein FSC-Zertifikat. Pikant: Vor allem Ikea gilt laut Spiegel als Nutzer des Nachhaltigkeitslabels. Nachdem 2019 dann erst verschiedene Forstbeamte verhaftet worden waren, musste anschließend auch der Irkutsker Forstminister und Gouverneur seinen Hut nehmen. Den Fragen, warum etwa die zwielichtigen Praktiken von Vilis so lange ohne Konsequenzen geblieben waren, weicht FSC dem Spiegel zufolge aus – die Forstgesetzgebung sei sehr komplex.

Ikea: Earthsight-Direktor begrüßt Handeln, aber...

Dass Ikea nun handle, findet Earthsight-Direktor Sam Lawson gut, schreibt der Spiegel abschließend. Damit sich aber wirklich etwas verändern könne, seien die Regierungen gefragt: Sie müssten aktiv, die Europäische Holzhandelsrichtlinie konsequent umgesetzt werden. Und: Der FSC habe inzwischen einen vertraglich vereinbarten Aufschub für Holz aus Sanitär-Fällungen aus Sibirien verhängt und man prüfe nun die Zertifizierer von Vilis, schreibt der Spiegel. Dem Unternehmen das Zertifikat entziehen muss der FSC übrigens nicht – dem ist Vilis bereits zuvorgekommen. (fh)

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