Chaos an den Kassen

Wut über Kassenbon-Pflicht in Deutschland - Nachbarland Frankreich reagiert konsequent

Wut an den Kassen: In Deutschland gilt die Bonpflicht. Dagegen haben die Franzosen ein ähnliches Gesetz jetzt schon verändert. 

  • 2020 wurde eine Kassenbon-Pflicht eingeführt - die „Belegerteilungspflicht“ verpflichtet Händler zum Drucken von Kassenbons.
  • Das Gesetz ist umstritten und sorgt bei Unternehmern und Kunden für großen Unmut.
  • In Frankreich wurde eine ähnliche Kassenbon-Pflicht nun verändert.

Update 31. Januar 2020: Während die Wut über die neue Kassenbon-Pflicht in Deutschland noch groß ist, haben unsere Nachbarn in Frankreich reagiert. Dort wurde die Bonpflicht bei kleinen Beiträgen wieder abgeschafft. Belege über Beiträge bis 30 Euro müssen ab 2022 nicht mehr automatisch ausgedruckt werden. Es sei denn, der Kunde wünscht einen Bon ausdrücklich. Schon ab September 2020 werden Bons für Beträge bis 10 Euro nicht mehr ausgedruckt. 

Kassenbon-Pflicht: Bäckerei flippt per Zettel aus - und hat für Kunden einen Ratschlag

Schlecht für die Umwelt, für die Kunden und vor allem für Verkäufer: Kassenbons sorgen für großen Unmut, besonders bei kleinen Unternehmen wie Bäckereien. Grund für die neue Pflicht: Sie soll als Teil der Kassensicherungsverordnung Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern. Demnach sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. 

Für eine Bäckerei ist die kommende Kassenbon-Pflicht anscheinend lästiger als verbrannte Brötchen - und sie tut ihren Unmut auf Facebook kund.

Gegen die Kassenbon-Pflicht: Bäckerei teilt aus

Dabei wendet sich die Bäckerei mit einem Brief an ihre Kunden. Zuerst erklärt sie, dass sie zu der Bonerstellung verpflichtet ist - auch wenn sie (und die Kunden) keinen Bon wollen. Dann macht sie auf die Umweltbelastung aufmerksam: „Noch unverständlicher wird es, wenn man feststellt, dass in Zeiten des Klimawandels für die Papierproduktion dieser Bons umgerechnet pro Stunde eine Fichte gefällt werden muss.“

Der Clou kommt am Ende: Da schlägt die Bäckerei vor, die Kunden sollen die Bons sammeln - „Und wenn Sie genügend Bons angesammelt haben, stecken Sie diese doch bitte bei einem Abendspaziergang einfach in den Briefkasten des örtlichen Finanzamtes. Der ist groß genug.“

Kassenbon-Pflicht: Kunden feiern Bäckerei für kreativen Vorschlag

Was dann folgt, damit hat die Bäckerei nicht gerechnet: Der Post wird über 2.500 mal geliket und 21.134 mal geteilt (Stand 20.10.2019, 13.30) - eine überwältigende Reaktion. Die Facebook-Fans sind begeistert von der Bäckerei Frick. „Super Text“, kommentieren die Fans. „Und einfach so wahr! So viel zum Thema Umwelt.“

Die Bäckerei Frick zeigt sich gerührt über so viel Anteilnahme und veröffentlicht gleich den nächsten Brief.

Darin bedanken die Betreiber sie sich und erklärt gleichzeitig, dass sie weder „altmodische Technikverweigerer“ noch  „militante Umweltschützer“ sein wollen. Zudem erklären sie, dass sie „nur ihren Job machen möchten: Tagtäglich leckeres Brot und Brötchen für ihre Kunden produzieren“.

Die Kunden freut's - das Finanzamt im nächsten Jahr wohl eher weniger, wenn Kunden dem Vorschlag der Bäckerei tatsächlich nachkommen sollten. 

Kassenbon-Pflicht: Die Händler schlagen zurück

Doch die Bäckerei Frick ist nicht alleine, wenn es darum geht, sich gegen die Kassenbon-Pflicht zu wehren. Die Umweltbelastung durch die „Belegerteilungspflicht“ möchten Edeka und Netto durch neue Kassenbons eindämmen - für die Kunden bedeutet das eine spürbare Änderung.

Auch in Bäckereien in München wird über hohe Kosten und Umweltbelastung der Bonpflicht geschimpft - das könnte großen Ärger geben. Auch aus der Politik hagelt es Kritik. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) verteidigte nun das neue Gesetz - und stellt sich drastischen Vorwürfen.  

Mit Zuckermasse und Himbeermarmelade macht ein Bäcker aus dem Landkreis Erding auf die eingeführte Kassenbon-Pflicht aufmerksam. Die Kunden finden die Idee toll. Auch das „Coating“ revolutioniert gerade die Konsumwelt.

cw

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Marijan Murat

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