Das Logo von "Kaufland" an einer Filiale der Supermarktkette.
+
Die Supermarktkette Kaufland ist in ganz Deutschland vertreten.

Der Eigentümer: Der reichste Deutsche

Kaufland: Geschichte der Supermärkte, Sortiment und Filialen

Kaufland gehört wie Lidl zur Unternehmensgruppe von Dieter Schwarz, dessen persönliches Vermögen 2019 auf mehr als 40 Milliarden Euro geschätzt wurde.

  • Mit Kaufland und Lidl besitzt die als Stiftung organisierte Unternehmensgruppe der Familie Schwarz Europas größte Lebensmitteleinzelhändler.
  • Kaufland beschäftigt über 130.000 Mitarbeiter in den Filialen, der Produktion, der Logistik und der Verwaltung. 670 der insgesamt über 1.300 Märkte befinden sich in Deutschland.
  • Kaufland ist ein sogenannter Vollsortimenter. Das Angebot der Filialen umfasst grundsätzlich erheblich mehr Artikel als das eines Discounters.

Die Unternehmensgeschichte von Kaufland begann mit Josef Schwarz, der sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in den Lidl-Konzern einkaufte und das Geschäft in den Nachkriegsjahren von Heilbronn in Baden-Württemberg aus neu aufbaute. 1968 eröffnete er den ersten Supermarkt nach dem Selbstbedienungsprinzip mit dem Namen Handelshof. Sein Sohn Dieter gründete nach seinem Tod die Kaufland-Kette mit der ersten Filiale im nahegelegenen Neckarsulm. Dort befindet sich bis heute die Zentrale der Schwarz-Gruppe.

Das damals neue Konzept des Supermarkts, in dem sich Endkunden mit Lebensmitteln versorgten, ging auf. Mit dem deutschen Wirtschaftswunder wuchs die Nachfrage nach Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs kontinuierlich. Als das schwäbische Familienunternehmen im Jahr 2018 sein fünfzigstes Jubiläum feierte, freuten sich die Beteiligten über einen Jahresumsatz von mehr als zwanzig Milliarden Euro.

Doch damit begnügt sich die Geschäftsführung nicht. Das Unternehmen hat ständig Expansionspläne und erweitert gleichzeitig die konzerneigene Produktion und Logistik. Die geplante Übernahme von Real-Filialen durch Kaufland beschäftigte im Jahr 2020 sogar das Kartellamt, weil Kaufland dadurch eine marktbeherrschende Position einnehmen könnte.

Die Organisation der Gesellschaften der Schwarz-Gruppe und die Dieter-Schwarz-Stiftung

Die Supermarktkette Kaufland ist Teil eines Wirtschaftsimperiums. Die gesamte Schwarz-Gruppe erwirtschaftete 2018 mit allen Tochterunternehmen einen Jahresumsatz von über einhundert Milliarden Euro und wurde damit größter Handelskonzern Europas. Diese Dimensionen verlangen auch von einem Familienbetrieb, sich rechtlich und wirtschaftlich sinnvoll zu organisieren.

Dieter Schwarz hat sich inzwischen aus der aktiven Geschäftsführung zurückgezogen. Seine Unternehmensanteile hat er fast vollständig an die Dieter Schwarz Stiftung übertragen. Die gemeinnützige GmbH darf nach deutschem Recht keine Gewinne erwirtschaften, zahlt folglich kaum Steuern und finanziert mit ihren Einnahmen Bildungs- und Wissenschaftsprojekte.

Die Anteile an der Schwarz-Gruppe, die sich in der Hand der Dieter-Schwarz-Stiftung befinden, verfügen jedoch über keinerlei Stimmrecht. Die Stimmrechte der Unternehmensanteile liegen bei einer anderen Gesellschaft, die – steuerlich sehr günstig – nicht die Unternehmensanteile, also kein Kapital oder Vermögen innehat. Damit hat Dieter Schwarz die Kontrolle über seinen Anteil am gesamten Konzern behalten, als er den Posten des Geschäftsführers räumte.

Der Umsatz und die Anzahl der Filialen sind rasant angestiegen – ein Ende ist nicht in Sicht

Zum Konzept von Kaufland gehört nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel. Der Erfolg des Unternehmens beruht auch darauf, dass die Geschäftsführung sich stets bemühte, notwendige Aufgaben außerhalb eines Supermarktes nicht externen Dienstleistern zu überlassen. Viele Teilbereiche der Produktion und der Logistik von Kaufland übernehmen konzerneigene Tochterunternehmen. Dazu gehören allein sieben Logistikzentren in Deutschland, in denen rund 2.700 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren der Eigenmarken von Kaufland erledigen vier Produktionsstätten. Eine davon befindet sich sogar in Tschechien, um die osteuropäischen Filialen zu beliefern. Das Netz der Filialen von Kaufland vergrößerte sich von Süddeutschland aus zunächst in eher mäßigem Tempo und nahm mit dem Mauerfall eine bemerkenswerte Geschwindigkeit auf.

Dieter Schwarz erkannte, dass keine Zeit zu verlieren war, und verkaufte Lebensmittel aus provisorischen Zelthallen, während in den östlichen Bundesländern neue Filialen gebaut wurden. Im September 1989 verfügte Kaufland über 51 Filialen, im April 1993 hatte sich die Anzahl verdoppelt. Mit der Erschließung von Kroatien, Polen, Bulgarien, Rumänien und der Slowakei stieg sie auf über 1.000 Filialen bis 2018, doch neue Expansionspläne sind in Arbeit.

Das Sortiment von Kaufland zeichnet sich durch Vielfalt zu günstigen Preisen aus

Die Hauptidee hinter jedem Supermarkt der Kaufland-Kette ist, dem Kunden den kompletten Wochenendeinkauf zu bieten. Dabei sucht der Kunde idealerweise nur ein Geschäft auf, in dem er frische und haltbare Lebensmittel bekommt, aber auch andere Artikel wie Haushaltswaren, Kleinelektrogeräte, Spielzeug und sämtlichen Drogeriebedarf. Daher finden sich in den Filialen immer Non-Food-Abteilungen, die nicht viel kleiner sind als der Food-Bereich.

Die Unternehmensphilosophie von Kaufland geht weiter davon aus, dass die Lebensqualität der Kunden steigt, wenn der Wochenendeinkauf zu einem besonders günstigen Preis stattfindet. Das Sortiment jedes Marktes umfasst mehr als 30.000 Artikel und muss sich ständig wechselnden Kundenbedürfnissen anpassen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch regionale Produkte. Als die Kundschaft der Filialen in den neuen Bundesländern beispielsweise begann, typische „Ost-Marken“ zu vermissen, nahm Kaufland einige davon in das Sortiment auf. Der Verkauf lief so erfolgreich, dass die Artikel inzwischen bundesweit erhältlich sind. Andere regionale Erzeugnisse gehören aber auch zum Alltag in den jeweils lokal ausgerichteten Märkten.

Das Angebot in den Filialen von Kaufland besteht aus zahlreichen Eigen- und vielen Herstellermarken

Aus der Geschichte der Kaufland-Märkte ist eine Warengruppe kaum wegzudenken: Die Eigenmarken von Kaufland sind integraler Bestandteil des Sortiments. Besonders günstige Preise, mit denen der Kunde einen bestimmten Qualitätsstandard verbindet, geben den Ausschlag für großes Interesse an diesen Artikeln, die Kaufland nicht nur unter den Lebensmitteln anbietet. Im Non-Food-Bereich finden sich allein über zehn eigene Produktlinien. Die Eigenmarke K-classic ist die bekannteste, aber bei den Lebensmitteln nur eine unter vielen. Es gibt zum Beispiel auch:

  • K-bio
  • K-free
  • K-take it veggie
  • K-Puland
  • Cultura Vini
  • Exquisit

Mit „Stephansbräu“ unterhält Kaufland sogar eine eigene Biermarke. Sonderangebote und Aktionen zu den Handelsmarken von Kaufland veröffentlicht das Unternehmen auf seiner Facebookseite, wo Kunden sich über die Artikel informieren und rege untereinander austauschen. Ein breites Angebot an Herstellermarken rundet das Warenangebot ab und folgt wiederum dem Grundsatz, dass der Kunde kein anderes Geschäft aufsuchen soll, um seinen Einkauf vollständig zu erledigen. Herstellermarken sind bei Kaufland oft sehr günstig, weil sie sich im Angebot neben den erfolgreichen Eigenmarken behaupten müssen.

Die Filialen sind modern und großzügig gehalten – jeder Supermarkt hat seinen eigenen Parkplatz

Die Köpfe hinter der Schwarz-Gruppe haben sich dem Grundsatz, dass der Kunde möglichst nicht anderswo für seinen alltäglichen Bedarf einkaufen soll, im Laufe der Unternehmensgeschichte ausführlich gewidmet und ihn konsequent durchdacht. Wenn der Kunde seinen gesamten Bedarf für eine Woche mit einem Wochenendeinkauf erledigt, dann kauft er viel ein und hat demzufolge auch viel zu transportieren.

Seit den Wirtschaftswunderjahren beobachteten die Verantwortlichen in der Konzernzentrale in Neckarsulm stets genau, wie viele Kunden mit dem Auto kamen und achteten penibel darauf, dass jeder Supermarkt genügend Parkplätze bekam. Dort sollen in Zukunft sogar Ladestationen für die Elektroautos der Kunden zur Verfügung stehen.

Kaufland hat 2017 begonnen, ein einheitliches Modernisierungskonzept für seine Filialen umzusetzen. Neben einem attraktiven Ambiente ist ein weiteres Ziel der Modernisierungsmaßnahmen, die Übersichtlichkeit jedes Marktes zu verbessern. Dafür sorgen unter anderem niedrigere Regalreihen, über die hinweg der Kunde die nun klar gekennzeichneten Abteilungen schnell erkennen kann. Außerdem soll künftig das Angebot an frischen Lebensmitteln im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Dazu gehören im Selbstbedienungsbereich die Verkaufsflächen für Obst, Gemüse und der Backshop sowie die Theken mit Bedienung für Feinkost, Fleisch, Wurst und Käse. Viele der größeren Filialen weisen außerdem eine kleine Ladenzeile mit Bäckerei oder Café, Lotterieannahmestelle und Tabakhandlung im Eingangsbereich auf.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare