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Krankenkassen zahlen ab Oktober mehr Leistungen: Das ist neu

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Von: Dominik Stallein

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Ein Arzt testet den Puls eines Rentners.
Mehr Leistungen vom Arzt: Die Krankenkassen zahlen seit Oktober mehr. © photothek/IMAGO

Ab Oktober können Versicherte mehr Leistungen auf Kosten ihrer Kasse in Anspruch nehmen. Dazu zählen Vorsorge-Untersuchungen, aber auch die Psychotherapie

München - Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherungsnehmern künftig deutlich mehr Leistungen. Viele Untersuchungen und Behandlungen, die bislang kostenpflichtig waren, werden künftig erstattet. Vor allem handelt es sich bei den Leistungen um Untersuchungen und Check-Ups. Aber in der Psychotherapie gibt es neue Behandlungen, für die man künftig nicht mehr selber zahlen muss.

Krankenkassen zahlen seit Oktober mehr Leistungen: Das ist neu

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) teilte kürzlich mit, was sich künftig für gesetzlich Versicherte ändert. Vor allem werdende Eltern werden sich über Neuerungen bei der Untersuchung von Babys freuen. Zusätzliche Gesundheits-Check-Ups werden künftig auch von der Kasse bezahlt. Und in der Psychotherapie stehen ebenfalls Neuerungen an.

Ab Oktober: Krankenkassen bezahlen aufwändigere Baby-Untersuchungen

Bislang wurden Babys beim Neugeborenen-Screening auf 14 angeborene Störungen untersucht. Kinder- und Jugendärzte sind sich einig: Durch eine frühzeitige Behandlung könnte man Behinderungen und sogar Todesfälle verhindern. Deshalb wird nun das Screening erweitert. Bei dieser Untersuchung wird dem Neugeborenen etwas Blut entnommen, das dann im Labor untersucht wird. Meist nehmen die Ärzte ein paar Tropfen Blut aus der Ferse des Kindes. Anderthalb bis drei Tage nach der Geburt steht dieser Test an, die Teilnahme ist für die Eltern freiwillig. Künftig kommen neue Tests hinzu: Statt 14 werden seit Oktober 16 Gendefekte untersucht.

Neu ist in der Blutuntersuchung ein Test auf die Sichelzellkrankheit sowie die spinale Muskelatrophie. Bei beiden Krankheiten handelt es sich um seltene angeborene Störungen. Pro Jahr kommen nur rund 80 bis 120 Kinder mit einer spinalen Muskelatrophie auf die Welt. Diese genetisch ausgelöste Erkrankung führt dazu, dass motorische Nervenzellen im Rückenmark schrittweise absterben. Die Patienten leiden unter Muskelschwäche und einer Verformung des Skeletts. Wird die spinale Muskelatrophie nicht behandelt, kann sie sogar zum Tode führen. Der G-BA erklärt, dass Kinder mit der Erkrankung, wenn der Defekt früh erkannt wird, ihre motorischen Fähigkeiten besser ausbilden können.

Baby-Screening: Krankenkassen bezahlen mehr Leistungen

Auch die Sichelzellkrankheit wird von einem Gendefekt ausgelöst. Jedes Jahr erkranken rund 150 Kinder in Deutschland an der Krankheit. Sie lässt die roten Blutkörperchen der Erkrankten verkrümmen, die daraufhin die Form einer Sichel annehmen, was namensgebend für die Krankheit ist. Wird die Sichelzellkrankheit nicht beim Screening entdeckt, erkennen Ärzte diese Krankheit oft erst Jahre nach der Geburt, wie die G-BA erläutert. Der Vorteil, den sie sich von der Aufnahme der Tests im Screening erhoffen: Wird die Krankheit schon so früh nach der Geburt entdeckt, kann man sie überwachen und behandeln. Schwere Komplikationen in Zusammenhang mit dem Gendefekt kann man so effektiv vermeiden.

Für Erwachsene: Kassen zahlen Hepatitis-Check

Wer älter als 35 Jahre alt ist, kann alle drei Jahre ein Check-up, in Anspruch nehmen. Es handelt sich dabei um eine umfassende Gesundheitsuntersuchung, die viele verschiedene Krankheiten abdeckt. Wer das möchte, kann sich ab Oktober einmalig auf Hepatits B und Hepatits C testen lassen. Die Ärzte erhoffen sich dadurch, dass Infektionen mit dem Virus künftig rechtzeitig entdeckt werden. Einige Infektionen laufen nämlich symptomlos. Wohin solche unentdeckten Infektionen führen können, wurde uns während der Corona-Pandemie vor Augen geführt. Für die Patienten selbst ist eine Erkrankung gefährlich, auch wenn sie anfangs keine Symptome bemerken sollten: Unbehandelt drohen Spätfolgen wie Leberkrebs, wie die G-BA erklärt. Es gibt zwar Vorsorge-Tipps, sicheren Schutz vor dem Virus jedoch nicht.

Krankenkassen zahlen ab Oktober für mehr Leistungen in der Psychotherapie

Eine weitere Behandlung, die künftig von der Kasse übernommen wird, klingt unhandlich, ist aber wichtig: Die sogenannte gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung ist ein relativ neues, niedrigschwelliges Angebot für psychisch kranke Menschen. Bei diesem können Kassenpatienten erste Erfahrungen in der Gruppentherapie sammeln. Es dient als Entscheidungshilfe bei der Frage, ob eine gruppentherapeutische Behandlung eine gute Option für die Patienten wäre. Die Kasse zahlt vier 100-Minuten- beziehungsweise 8 50-Minuten-Sitzungen für die Versicherungsnehmer.

Die Teilnehmer werden über Therapieangebote aufgeklärt und es gibt im Rahmen der Stunden eine erste Linderung der Symptome. Künftig möchte die Kasse auch Probesitzungen bezahlen, die in einer Gruppe stattfinden. Während der Corona-Pandemie haben viele Therapeuten außerdem Online-Therapien angeboten.

Corona-Tests werden nicht mehr bezahlt: Versicherte zahlen dafür selbst

Eine große finanzielle Last fällt demnächst von den Krankenkassen ab - und die Versicherten müssen selbst bezahlen: Die Corona-Selbsttests werden ab 11. Oktober kostenpflichtig und könnten teuer werden.

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