Einkaufswagen mit „Lidl“-Schriftzug vor einer Filiale.
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Bei Lidl kann man sich jetzt das Gesicht scannen lassen.

Innovation beim Discounter

Lidl führt „Omüse“-Gesichtsscan ein: Was lustig klingt, könnte ernsten Hintergedanken haben

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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  • Julia Hanigk
    Julia Hanigk
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Bei Lidl kann man sich jetzt sein Gesicht scannen und ermitteln lassen, welche Mischung aus Obst und Gemüse am besten zu einem passt. Was lustig klingt, könnte bedenklich sein.

Neckarsulm - Haben Sie schon einmal etwas von „Omüse“ gehört? Nicht? Dann müssen Sie eine neu kreierte Website von Lidl aufsuchen. Beim Discounter ist „Omüse“ nämlich der neueste Schrei. Wenn Sie die URL ar.lidl.com/de auf ihrem Smartphone eintippen - und das funktioniert ausschließlich auf einem mobilen Endgerät - gelangen Sie auf eine Seite, die ihr Gesicht scannt.

Mit dieser angeblich auf Künstlicher Intelligenz basierenden Innovation - auch Rivale Aldi wartete mit einer Neuerung an der Kasse auf - will Lidl herausfinden, welches Omüse - eine Mischung aus Obst und Gemüse - am besten zu Ihnen passt. Dazu vermisst eine Software das Gesicht, zählt Wimpern und analysiert die Wangenknochen. Zum Schluss wird aufgelistet, welches Omüse zum individuellen Gesicht der User:innen passen soll. Das klingt nach einem Aufheller nach der schockierenden Nachricht um eine Briefbombe in der Lidl-Zentrale.

Lidl führt Gesichtserkennung ein - für „Omüse“

Beispiele für ermitteltes Omüse sind etwa eine „Papricujaree“ (Paprika, Maracuja, Porree) oder eine „Bohbroccanas“ (Bohnen, Brokkoli, Ananas). Nutzer:innen berichten auf Instagram auch über ihre persönlichen Ergebnisse wie einer „Rubarotte“ (Rucola, Banane, Karotte).

Um sich seinen perfekten Vitaminmix anzeigen zu lassen, benötigt die kleine Website Zugriff auf die Frontkamera des Handys, dazu müssen zwei Haken gesetzt werden: zur Kenntnisnahme der Datenschutzhinweise und zur Einwilligung der Verarbeitung der persönlichen Daten.

Omüse-Scan bei Lidl: Lustiges Gimmick oder ernster Hintergedanke?

Lidl schreibt zwar, dass einem mit dieser Neuerung „auf einfache und unterhaltsame Weise“ verraten wird, „in welcher Obst- und Gemüsekombination dein perfekter Vitaminmix steckt“, doch man wird den Verdacht nicht los, dass der Discounter mit dem Gimmick andere Ziele verfolgt. Womöglich ist es auch nur ein Werbegag.

Tatsächlich finden sich auf der Facebook-Seite von Lidl viele begeisterte Nutzer, die sich über den „Omüse Scan“* amüsieren, doch es gibt auch kritische Stimmen. „Klar ich lass mein Gesicht bei Lidl scannen. Das ist dann etwas zu viel des Guten“, schreibt etwa ein User. Eine andere Nutzerin spottet über „absolut sinnfreie Werbung“.

Lidl: Datenschutz-Bedenken bei neuer Gesichtserkennung

Die Bedenken scheinen nicht unbegründet zu sein. Die Lebensmittelzeitung vermutet, dass Lidl, das im vergangenen Jahr möglicherweise krebserregende Sesam-Produkte zurückgerufen hatte, Daten darüber erhalten könnte, wie die Einstellung der jungen Zielgruppe beim Thema Datenschutz ist. Die Tatsache, dass man zur Nutzung bestätigen muss, die Datenschutzhinweise gelesen zu haben und dass persönliche Daten verarbeitet werden dürfen, hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Ähnlich dürfte es sich bei der Lidl-Plus-App verhalten, welche der Discounter im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hatte. Ebenfalls im vergangenen Jahr hatte Lidl möglicherweise krebserregende Sesam-Produkte zurückrufen müssen. Mit unserem brandneuen Verbraucher-Newsletter bleiben Sie immer auf dem neusten Stand in Sachen Verbraucherinformationen und Produktrückrufe. (mt) *Merkur.de und Heidelberg24 .de sind Angebote des Ippen Digital Netzwerks

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