Das Lidl-Logo an einer Filiale.
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Lidl weiß, wie man Kunden Geld abknöpft.

Tricks des Discounters

Ex-Angestellte, Experten und Psychologe enthüllen: Wie Lidl den Kunden das Geld aus der Tasche zieht

  • Momir Takac
    vonMomir Takac
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Wer hat es nicht schon einmal erlebt? Man will nur ein paar Sachen einkaufen und steht am Ende mit einem vollen Wagen an der Kasse. Bei Lidl soll das Masche sein.

Lidl und Aldi* gelten als Prototypen eines Discounters. Viel Ware für verhältnismäßig wenig Geld. Doch dieses Credo mag vielleicht früher uneingeschränkt gegolten haben, heute sieht es doch anders aus. Die Märkte setzen nicht mehr nur auf billig. Um die Kunden noch besser anzusprechen, wanderten immer mehr Markenprodukte in die Regale. Dass dann der Einkauf letztlich teurer war, liegt aber nicht nur daran. Die Discounter arbeiten noch mit anderen Tricks, damit an der Kasse der Betrag plötzlich höher als eigentlich gedacht ist.

Lidl: Branchenkenner lüften Tricks des Discounter-Riesen

Ehemalige Mitarbeiter von Lidl* und Branchenexperten haben jetzt in einer Dokumentation verborgene Geheimnisse gelüftet*. Über die Sendung, die im britischen TV auf Channel 5 lief, berichtete der Mirror. Die Enthüllungen beziehen sich auf Filialen in Großbritannien. Doch was dort gilt, zählt auch in Deutschland. Lidl ist eben Lidl. In der Doku wird aufgedeckt, wie es der Discounter schafft, mehr Menschen in seine Filialen zu locken und sie auch noch mehr kaufen, als sie eigentlich wollten.

Dazu muss man ein wenig zurückblicken. Der frühere CEO von Lidl UK, Ronny Gottschlich, wollte den Discounter vom Schmuddel-und Billig-Image befreien. Ein Einkauf bei Lidl, das sich in der Corona-Pandemie ebenfalls einen Trick zunutze macht, sollte nicht mehr peinlich sein. Eine Maßnahme war, neben Konserven und Tiefkühlkost mehr frische Produkte anzubieten. Dazu die Idee, eine Bäckerei vorne im Laden statt hinten versteckt zu haben. Der Duft der frischen Backwaren sollte Kunden als Willkommenskarte dienen.

Lidl: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Preise beim Discounter drüber stehen?

Natürlich sollten die Menschen nicht nur Backwaren kaufen, sondern möglichst viel Geld ausgeben. Hier kommt ein weiterer Trick zur Anwendung. In Großbritannien ist es üblich, dass die Preise unter einem Produkt stehen. Bei Lidl ist das anders. In Deutschland sehen wir übrigens das gleiche Phänomen. Bei Rewe* etwa steht der Preis unter der Ware, bei Lidl, das kürzlich einen Snack wegen eines Gesundheitsrisikos zurückgerufen* hat, darüber. Kunden, die gewohnt sind, den Preis eines Produktes wie bei anderen Supermärkten darunter zu finden, erkennen dann oft erst an der Kasse oder nach dem Einkauf den eigentlichen Preis. „Man muss vorsichtig sein, da man sonst möglicherweise mehr ausgibt, als man denkt“, warnte auch Verbraucherpsychologe Phil Adcock im Mirror.

Lidl: Discounter trickst bei Eigenmarken

Lidl schaffe es darüber hinaus, durch vertrauenserweckende Marken mehr Geld zu generieren, schreibt der Mirror weiter. Der Trick: Der Discounter Waren, die in ihrem Aussehen großen Marken sehr ähnlich sind. Der Preis ist aber viel günstiger. Die eigenen Produkte kommen dem Original im Aussehen gerade so nah, dass nicht gegen Markenrechte verstoßen wird. Ähnliches Design und vertraute Farben vermitteln den Lidl-Kunden den Eindruck, dass man das teure Markenprodukt kauft. Als Beispiel seien an dieser Stelle die Kekse „Neo“ genannt. Name und Farbe der Verpackung kommen dem Original „Oreo“ sehr nahe.

Doch damit nicht genug. Neben Einkaufswagen setzt Lidl auf tiefe Plastikkörbe auf Rollen. Der Discounter verzichtet auf Tragekörbe. Mit gutem Grund, erklärt Adcock: „Man zieht dieses Ding auf seinen Rädern herum und merkt gar nicht, wie schwer es geworden ist. An der Kasse angekommen merkt man dann, dass man möglicherweise doppelt so viel Geld ausgegeben hat.“ (mt) *Merkur.de und wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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