Verbrauchern drohen Einschnitte

Bei Lidl, Edeka und Co. bahnen sich höhere Preise an: Warum Einkaufen bald teurer werden könnte

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Zahlreiche Nahrungsmittel des täglichen Gebrauchs könnten teurer werden. Verschiedene Hersteller erwarten Preissteigerungen in den Supermärkten. Corona ist nur ein Grund.

München - Wer künftig bei den Handelsunternehmen der Nation einkaufen geht, der wird aller Voraussicht nach um Preiserhöhungen in vielen Angebotsbereichen nicht drum herumkommen. Die Entwicklung auf den globalen Märkten dürfte dafür sorgen, dass auch hierzulande Verbraucher bei Supermärkten und Discountern wie Edeka, Lidl und Co. bald tiefer in die Tasche greifen.

So gibt es bei Getreide, Mais und Ölsaaten derzeit „historische Preisausschläge“. „Wenn sich die Preise noch eine Weile so halten für Pflanzenöle und für Getreide, dann wird sich das innerhalb einiger Monate sicherlich in den Lebensmittelpreisen auch im Supermarkt niederschlagen“, schildert Thorsten Tiedemann, Vorstandsvorsitzende des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, der dpa. Sojabohnen haben sich beispielsweise laut Lebensmittelzeitung.net innerhalb eines Jahres um rund 80 Prozent verteuert.

Edeka, Lidl und Co.: Kunden drohen höhere Preise - Auch Fleisch könnte teurer werden

Höhere Kosten bei den genannten Rohstoffen wirken sich dann auch indirekt auf Preise für Fleischwaren aus*: Die Fleischproduktion würde sich verteuern, weil gleiches für das Futter gilt, mit dem Tiere bis zur Schlachtung genährt werden. Ähnliches bahnt sich offenbar für Süßigkeiten an: Zucker sei innerhalb von zwölf Monaten um etwa 77 Prozent teurer geworden, führt t-online.de aus. Bedeutet, dass auch für etliche gesüßte Nahrungsmittel mehr Geld fällig werden könnte. Ganz zu schweigen davon, dass manche Hersteller das immer mal auch über Umwege tun.

Die Gründe für den rapiden Anstieg der Rohstoffpreise sind wohl vielfältiger Natur. Maßgeblich erscheinen drei Faktoren:

  • Schlechte Ernten wie zum Beispiel in Brasilien.
  • Corona-Pandemie, infolge dessen Engpässe und Mangel an Arbeitskräften.
  • Gestiegene Nachfrage aus China.

Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, erklärt zum letzten Punkt: „China spielt hier eine wichtige Rolle. 80 Prozent des Bedarfs an Sojabohnen importiert China, ähnlich hoch ist die Quote bei Mais.“ Der stetig steigende Wohlstand würde im Reich der Mitte zu einem immer höheren Bedarf an Rohstoffen führen.

Preiserhöhungen in Supermärkten: Auch Verpackungen kosten mehr Geld

Von den zu erwartenden Preiserhöhungen sind mutmaßlich nicht nur Nahrungsmittel betroffen, sondern auch Verpackungen: Bei Tensiden, Kunststoffen oder auch Papier habe eine Inflationsrate stattgefunden habe, die teilweise im „hohen zweistelligen Bereich“ liege, zititert die LZ den Putzmittelhersteller Fit. Da passt es zumindest, dass ab 2022 auch in Deutschland neue Regeln bezüglich Kunststoff-Verpackungen und Pfand umgesetzt werden.

Die Plastiksorte PET sei gegenüber dem Vorjahr um ganze 75 Prozent gestiegen, was dementsprechend die Kosten der Verarbeitung erhöht. Mitentscheidend für diese Entwicklung seien ebenfalls Engpässe, bei denen - der Verdacht liegt nahe - eine erhöhte Nachfrage aus wirtschaftlichen Boomländern einhergeht. Wer für die daraus resultierenden Preissteigerungen letztlich aufkommt: der Endkunde. Die größten Preissteigerungen gibt es derzeit im Energiesektor - das bekommen Autofahrer auch an den Tankstellen zu spüren.

Bei Rohstoffen wie Getreide kommt es zu historischen Preisausschlägen.

Aldi, REWE und Co.: Hartes Feilschen beim Einkauf der Produkte bahnt sich an

Gegenüber Lebensmittelzeitung.net ließ Paolo Leschiutta von der Ratingagentur Moody’s wissen: „Aufgrund der deutlich gestiegenen Rohstoffkosten dürften die Jahresgespräche 2021 mit besonders harten Bandagen geführt werden.“ Der Konsumgüterexperte erklärte, im ersten Corona-Jahr 2020 seien die Preise kaum erhöht worden, im laufenden Jahr würden sich jedoch zahlreiche Hersteller zu diesem Schritt gezwungen sehen.

Das wird unweigerlich zu hitzigen Preisverhandlungen führen, wenn es darum geht, dass große Supermarktketten wie Aldi, REWE und Co. ihre Marktmacht dazu nutzen, um für sie gute Bedingungen herauszuholen. „Der Handel übt auf uns Produzenten einen riesigen Druck aus“, lässt ein großer Lebensmittelhersteller wissen. Doch winkt den Erzeugern bei Durchsetzung der höheren Preise ein angenehmer Nebeneffekt: Wenn die Rohstoffkosten wieder sinken, könnten Unternehmen bei gleich bleibenden Endpreisen ihre Gewinne in die Höhe treiben.

Viele Experten erwarten hierzulande also Preissteigerungen im Sektor der Konsumgüter. So kommt es auch auf dem Holzmarkt zu Preisexplosionen. Das droht auch in anderen Bereichen des Lebens: Wird eine ähnliche Entwicklung stattfinden wie in den USA?

Dazu wird der Wettbewerb für die Handelsunternehmen härter: Lieferando will künftig auch Lebensmittel und Supermarkt-Artikel liefern. Bis Ende des Jahres soll dieser Service für zwölf Millionen Menschen verfügbar sein. (PF) Merkur.de und hna.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sascha Steinach/imago-images

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