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Minimal zu lange auf Lidl-Parkplatz: Dienstleister beharrt auf Bußgeld für Senior – Discounter reagiert

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Parkplatz von Lidl in . Wer länger als 60 Minuten bei Lidl parkt, muss mit einer sogenannten Vertragsstrafe rechnen.
Wer länger als 60 Minuten bei Lidl parkt, muss mit einer sogenannten Vertragsstrafe rechnen. © Arnulf Hettrich/imago-images

Der 73-jährige Wolfgang E. parkte wenige Sekunden zu lange auf einem Lidl-Parkplatz. Nun kämpft er gegen den Dienstleister, der ihm ein Bußgeld aufbrummte.

Düsseldorf - Mehr als 48 Millionen Personenkraftwagen sind in Deutschland gemeldet, vielerorts sind Parkplätze knapp. Vor allem Langzeitparker machen anderen Pkw-Fahrern die Suche nach der geeigneten Lücke besonders schwer. Um dies zu verhindern, arbeitet etwa die Discounterkette Lidl mit einer Sensoren-Technik, die die Parkdauer der Kunden misst. Allerdings kann es bei der maschinellen Kontrolle auch zu Ungerechtigkeiten kommen, wie ein Fall aus Düsseldorf zeigt.

Lidl: 73-Jähriger parkte 68 Sekunden zu lange - Parkplatz-Dienstleister besteht auf Vertragsstrafe

Weil er sein Gefährt etwas zu lange auf einem Lidl-Parkplatz in Düsseldorf-Flingern abstellte, wurde Wolfgang E. prompt zu einer Strafe von 24,90 Euro verdonnert. Dabei hatte er die Höchstparkdauer von 60 Minuten nur um wenige Sekunden überschritten. „Nach exakt 68 Sekunden wurde mir das Ticket ausgestellt. Das ist schon eine Sauerei und Abzocke für mich“, beschwerte sich der 73-Jährige gegenüber der Rheinischen Post.

E. unternahm daraufhin den Versuch, gegen die fällige Vertragsstrafe vorzugehen. Doch Lidl selbst betreibt die Parkplatzbewachung nicht selbst, sondern ein Dienstleister namens ‚Safe Place‘. „Bei einer Überschreitung der Höchstparkdauer wird der externe Dienstleister automatisch über das System informiert“, erläutert ein Sprecher der Kette im Bericht. ‚Safe Place‘ weist auf den Parkplätzen in den gesamten Bundesrepublik auf die maximale Parkdauer hin, die Schilder sind außerdem mit einer Art Motto versehen: „Einfach kundenfreundlich“.

Geht es nach E., würde dieser Spruch wohl übermalt werden. Denn ‚Safe Place‘ verlangte trotz mehrfacher schriftlicher Beschwerde weiterhin den Betrag. Obendrein wurden dem Düsseldorfer Mehrkosten angedroht, sollte er die Summe nicht innerhalb von 14 Tagen überwiesen haben. „Das ist Nötigung und überhaupt gar nicht erlaubt“, entgegnet E., der sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 18. Dezember 2015 (VZR 160/14) beruft. Von der Verbraucherzentrale NRW bekommt er Rückendeckung, die Androhung sei „rechtswidrig“, manhält die Kostenandrohung ebenfalls für Nötigung.

Lidl: Verbraucherzentrale gibt Wolfgang E. Recht - Discounter empfiehlt Einforderung genauer Park-Zeiten

Der Discounter reagierte auf die Beschwerden des minimalen Parksünders mit einer entgegenkommenden Aktion und ließ ihm einen Einkaufsgutschein über 25 Euro zukommen. „Wir haben Ihr Anliegen durch unseren Fachbereich prüfen lassen. (…) Die Kosten möchten wir Ihnen selbstverständlich erstatten“, heißt es in einem Schreiben an Wolfgang E. 

Das Geld wird E. jedoch nicht mehr wieder sehen, eine Rücküberweisung durch ‚Safe Place‘ sei nicht möglich. Eine Lidl-Sprecherin stellt klar: „Die vollständige Abwicklung aller im Zusammenhang mit dem Verwarnungsgeld stehenden Modalitäten erfolgt dabei ausschließlich durch den Dienstleister. Lidl profitiert nicht von dem Verwarnungsgeld“. Der Discounter rät allen Betroffenen zudem, die exakten Parkzeiten einzufordern und gegebenenfalls bei Lidl „um Kulanz zu bitten“. (ajr)

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