Junger Mann sitzt am Laptop und arbeitet von zuhause aus im Homeoffice
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Beim Homeoffice gehen die Meinungen auseinander: Die einen lieben es, die anderen vermissen den sozialen Kontakt. Eine Microsoft-Studie liefert nun weitere Erkenntnisse (Symbolbild).

Untersuchung von Microsoft

Negative Folgen für Unternehmen möglich? Studie zu Homeoffice mit überraschendem Ergebnis

Schon vor Corona nutzte bei Microsoft jeder fünfte Mitarbeiter regelmäßig Homeoffice. Doch zu viel der Heimarbeit wirkt sich negativ auf die Kommunikation und Zusammenarbeit aus, so eine neue Studie.

Redmond, USA - In Deutschland ist die Arbeit von zuhause sehr beliebt: Rund jeder Fünfte will auch nach Corona nicht mehr ins Büro. Auch die Anzahl der Homeoffice-Stellenanzeigen hat sich verdreifacht.

Bei dem Technologie-Riesen Microsoft gab es während der Corona-Pandemie die Pflicht zum Homeoffice. Doch schon vor Corona arbeiteten 20 Prozent der Microsoft-Angestellten in den eigenen vier Wänden. Die ideale Datenlage für eine Studie: Das Technologieunternehmen mit Sitz in Redmond in den USA wollte nun herausfinden, wie sich die Heimarbeit auf die Kommunikation und Kollaboration im Unternehmen auswirkt. Die Studie von Longqi Yang und Kollegen entstand in Zusammenarbeit mit David Holtz, der am MIT sowie an der University of California forscht.

Microsoft-Studie: Homeoffice erschwert Kommunikationsfluss

Vor der Corona-Pandemie arbeiteten fünf Prozent der US-Amerikaner im Homeoffice, im April 2020 waren es bereits 37 Prozent. Viele Technologiekonzerne wie etwa Twitter, Facebook, Slack oder Quora kündigten an, Homeoffice auch nach der Pandemie in weiten Teilen beibehalten zu wollen. Doch ist das eine gute Idee?

Die Struktur von Netzwerken habe einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg von Individuen und Organisationen, so die Forschenden. Bei der Kommunikation im Unternehmen unterscheiden die Studienautoren zwischen starken und schwachen Verbindungen zwischen Angestellten. Mitarbeiter mit engen Beziehungen können Informationen einfacher austauschen und kooperieren mehr. Sie legen auch mehr Wert darauf, dass die ausgetauschte Information für die Kollegen verständlich ist und wirklich angewendet werden kann. Das Aufrechterhalten von schwache Verbindungen erfordern hingegen weniger Zeit. Und es gibt einen weiteren entscheidenden Vorteil: Denn durch schwache Bindungen erhalten Mitarbeitern häufiger Zugang zu neuen Informationen.

Die Untersuchung der Forschenden basiert auf den Daten von über 60.000 Mitarbeitern, die in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 erhoben wurden. Die Daten zeigen, dass die Mitarbeiter im Homeoffice weniger vernetzt waren und insgesamt weniger Zeit darauf verwendeten, mit ihren bestehenden Netzwerken zusammenzuarbeiten. Die Angestellten kommunizierten mehr mit ihren ohnehin engen Verbindungen, sodass sie weniger Zugang zu neuen Informationen hatten.

Microsoft-Studie: Langfristig leidet die Innovation im Unternehmen

Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass das beobachtete Verhalten der Mitarbeiter auch auf veränderte Rahmenbedingungen während der Pandemie zurückzuführen sein könnte. Beispielsweise könnte es sein, dass Mitarbeiter generell weniger fokussiert waren, da die globale Pandemie Stress verursacht habe. Ein weiterer Störfaktor könnte auch die Tatsache sein, dass viele Angestellte beispielsweise ihre Kinder beaufsichtigen mussten. Im Ergebnis halten die Autoren aber fest, dass sich Mitarbeiter in der Heimarbeit mehr abschotten. Kommunikationswege über offizielle Geschäftseinheiten werden weniger. Auch zeitversetzte Arten der Kommunikation wie etwa E-Mail nahmen zu, wodurch es schwieriger wurde, komplexe Informationen auszutauschen.

Eine mögliche Schlussfolgerung könnte sein, dass diese Änderungen sich negativ auf den Austausch von Informationen auswirken und daher auch den Output der Angestellten negativ beeinflussen. Langfristig könnte das einen Einfluss auf die Innovation im Unternehmen haben. Doch die Studienautoren deuten an, dass weitere Untersuchung nötig sind, um den wahren Effekt von Homeoffice auf die Produktivität und Kommunikation beziffern zu können.

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