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Gaskrise erreicht die Supermärkte: Zahlreiche Produkte könnten schon bald aus den Regalen verschwinden

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Von: Stella Henrich

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Die Gaskrise könnte dazu führen, dass schon bald einige Lebensmittel aus den Regalen von Supermärkten und Discountern verschwinden.

München ‒ Die Gaskrise könnte schon bald dazu führen, dass auch Lebensmittel im Supermarkt nicht mehr wie gewohnt vorrätig sein könnten. Sollte der Rohstoff Gas hierzulande - befeuert durch den Krieg in der Ukraine - tatsächlich zur Mangelware werden, könnten manche Lebensmittel über Monate nicht mehr hergestellt werden. Das betrifft nicht nur Milchprodukte, sondern auch Süßigkeiten oder Backwaren.

Nicht nur die Molkereibranche warnt, dass ein Gas-Lieferstopp die Branche in eine schwere Krise stürzen könnte. Es drohen Produktionsstopps, Pleiten und höhere Preise, die der Verbraucher dann zu spüren bekommt. Milchexperte Ludwig Huber, Vorstandsvorsitzender des Molkereiverbandes Milch Bayern e.V., warnt bei tagesschau.de, dass das Angebot an Milch und Käse dann einbrechen dürfte und Preissteigerungen unausweichlich seien. Und auch Günther Felßner, Vize-Chef vom Bayerischen Bauernverband, bläst ins selbe Horn wie sein Kollege: Sollte das Gas abgedreht werden, dann werde schon zwölf Stunden später die Milch an den Höfen nicht mehr abgeholt, und ein, zwei Tage später gebe es keine Milchprodukte mehr in den Supermarktregalen. Aber „wenn du nichts zu essen hast, dann ist das ein Riesenproblem“, zitiert tagesschau.de den Milchexperten.

Energiekrise im Handel: Leere Regale und höhere Preise sind die Folge

Schon jetzt stehen Verbraucher immer häufiger vor leeren Regalen in Supermärkten und Discountern, suchen nach Mehl, Sonnenblumenöl, Nudeln, Parmesan, Eiern, Reis und Honig. Der Ukraine-Krieg macht deutlich, was es heißt, wenn internationale Handelsrouten blockiert sind und Energielieferant Russland Europa den Gashahn zudreht. Die Sorge der Bauern und Interessenvertreter ist daher nicht unbegründet. Wenn es zu Lücken in der Gasversorgung kommt, ist die komplette Produktionskette in Gefahr, vom Landwirt über die Verpackungsindustrie bis hin zum fertigen Milchprodukt wie Joghurt, Käse oder Sahne.

Bild zeigt Sennerei bei der Käseherstellung.
In der Sennerei wird Milch zu Milchprodukten wie Käse, Butter, Buttermilch und Joghurt weiterverarbeitet. (Symbolbild) © imago

Till Schütte, Sprecher der schwäbischen Molkerei Gropper, plädiert daher für einen Energiemix bei der Produktion. Dieser könne aus einer Photovoltaik-Anlage und einem eigenen Blockheizkraftwerk bestehen, um unabhängiger vom russischen Gas zu werden, so Schütte gegenüber dem BR. Allerdings könne man so schnell die bestehenden Anlagen nicht auf andere Energieträger umstellen, so Schütte weiter.

Gaskrise im Handel: Nicht-systemrelevante Industrie wird abgedreht

Sollte der Rohstoff Gas im Laufe des Jahres zur Mangelware werden, könnte Gas rationiert werden. Ein Plan, wer genau wie viel Gas dann erhalten soll, ist noch in Vorbereitung. Laut Klaus Müller, dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, könnten Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, im Zweifelsfall nicht mit Gas versorgt werden. So der Experte gegenüber kreiszeitung.de. Im Notfall würde die Bundesnetzagentur Gasreduzierungen in der Industrie anordnen, sagte Müller – um einen solchen Druckabfall abzuwehren. Es sei auch denkbar, dass Schwimmbäder ihr Wasser weniger oder gar nicht mehr heizen. Zudem müsste nicht-systemrelevante Industrie vom Netz gehen, warnte Müller bereits Anfang Juli dieses Jahres. Als Beispiel nannte Müller eine Fabrik für Schokoladenkekse.

Das Szenario vom Chef der Bundesnetzagentur schreckt zumindest nicht Nestlé, den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern und das größte Industrieunternehmen der Schweiz. Der Hersteller von Kitkat, Smarties, Lion-Schokoriegel und After Eight hat seine Werke in Deutschland bereits darauf eingestellt, mit dem Mangel an Gas umzugehen, berichtet die Lebensmittelzeitung. Mit der Folge, dass lebensnotwendige Produkte vorrangig produziert würden. Süßes gehört nicht dazu - und würde bei den Händlern dann zur Mangelware. Ob das Regal mit den bunten Goldbären von Haribo am Ende leer steht oder es zu noch höheren Preisen führt, ist offen. Allerdings hat der Konzern bereits im April auf die Energiekrise reagiert und höhere Preise an die Verbraucher weitergeben.

Gaskrise im Handel: Schlüsselwort ist „systemrelevant“

Das Schlüsselwort in der Gaskrise in Deutschland scheint „systemrelevant“ zu sein. Welcher Hersteller das tatsächlich ist, könnte in den kommenden Wochen noch zum Streitthema werden. Die Molkereibetriebe selbst zählen sich jedenfalls zur kritischen Infrastruktur, berichtet tagesschau.de, und müssten mit Gas im Fall der Fälle versorgt werden.

Einigkeit besteht darin, dass zur kritischen Infrastruktur vor allem die Bereiche Gesundheit und Energie gehören. Krankenhäuser und generell die Stromversorgung stehen daher ganz oben auf der Liste schützenswerter Bereiche. Ernährung zählt aber derzeit nicht dazu.

Welche Produkte also künftig im Einkaufswagen der Verbraucher landen oder aus den Regalen von Supermärkten und Discountern rausfliegen, darüber entscheidet am Ende die Politik.

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