Versteckte Preiserhöhungen

„Mogelpackung des Monats“: Nestlé räumt gleich mit sechs Produkten ab

  • VonJulia Schöneseiffen
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Insgesamt sechs Produkte des Nestlé-Konzerns bekommen den Titel „Mogelpackung des Monats Mai“. Dabei wendet das Unternehmen eine altbekannte Masche an.

Hamburg - Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt monatlich die „Mogelpackung des Monats“. Im Mai hat es jedoch nicht nur ein Produkt getroffen, „sondern das ‚halbe‘ Süßwarensortiment von Nestlé“, das verkündet die Verbraucherzentrale. In den letzten Wochen soll die Verbraucherzentrale jede Menge Beschwerden zu den Süßigkeiten des Nestlé-Konzerns erhalten haben. Diese bezogen sich auf Produkte der Marken Kitkat, Smarties und Lion. Der Grund: versteckte Preiserhöhungen durch reduzierte Füllmengen. Die Verbraucherzentrale bestätigte diese Verdachtsfälle durch eigene Recherchen.

Laut der Verbraucherzentrale Hamburg sind nach derzeitigem Kenntnisstand folgende Produkte betroffen:

  • Kitkat Sammelpack
  • Kitkat Minis
  • Lion Sammelpack
  • Lion Minis
  • Smarties Sammelpack
  • Smarties Minis

Die größte Preiserhöhung wurde bei Kitkat verzeichnet. Mit einer Füllmenge von vier Riegeln, anstatt fünf wie bisher, kostet das Kitkat Sammelpack trotzdem meist weiterhin 1,99 Euro. Dadurch sind die Schokoriegel um 25 Prozent teurer geworden. Ähnlich sieht es mit den Kitkat Minis aus. Für 2,99 Euro enthält das Produkt 217 Gramm, also 13 Packungen. Zuvor konnte man für den selben Preis 15 Packungen (250 Gramm) erwerben.

Nestlé, Nivea und Co.: Gleicher Preis, weniger drin

Diese Masche ist nicht neu. Da Hersteller die Verkaufspreise nicht festlegen dürfen, verändern sie einfach die Füllmenge ihrer Produkte. Bei einem gleichbleibenden Preis, kommt es also zu einer versteckten Preiserhöhung. Mit diesem Trick hat auch Nivea die Preise erhöht.

Nach der selben Vorgehensweise ist der Preis für die Minis von Lion um 15,4 Prozent, für den Lion Sammelpack sogar um 20 Prozent erhöht worden.
Laut Verbraucherzentrale Hamburg blieben auch die Smarties von Nestlé nicht verschont. Während das Sammelpack eine Preiserhöhung von knapp zwölf Prozent erfahren musste, wurden die Minis von Smarties über 15 Prozent teurer.

Verdeckte Preiserhöhung der Kitkat Sammelpackung.

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Nestlé hat eine Erklärung für die Preiserhöhungen

Nach Infromationen der Verbraucherzentrale, begründet Nestlé die Preisanstiege vor allem mit höheren Produktionskosten.
In einer Stellungnahme erklärt der Konzern die ansteigenden Kosten mit ihren Investitionen in Produktionsanlagen, „etwa um die Waffelqualität bei KitKat weiter zu erhöhen.“ Zudem gebe es „kontinuierlich Kosten durch Initiativen und Kooperationen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, beispielsweise im Kakaoanbau“. Unterdessen ist ein internes Dokument durchgesickert, in dem Manager des Konzerns ihr eigenes Sortiment größtenteils für ungesund halten.

Insbesondere die höheren Kosten beim Kakao verwundere die Verbraucherzentrale. Denn „seit letztem Jahr muss der geerntete Nestlé-Kakao sogar nicht mehr Fairtrade sein, sondern lediglich die Standards von Rainforest Alliance erfüllen.“ Diese Vorgaben seien weniger streng. Außerdem spare sich das Unternehmen Fairtrade-Prämien, die Nestlé zuvor an die Bauern zahlen musste.

Smarties: Preiserhöhung von über 60 Prozent in weniger als 10 Jahren

Allerdings sei dies nicht das erste Mal, dass sich Nestlé der Masche der versteckten Preiserhöhung bedient. „Fasst man die Preisanstiege der letzten Jahre zusammen, so sind die Teuerungsraten enorm.“ So zeigt die Verbraucherzentrale erschreckende Preiserhöhungen:

ProduktPreisanstieg
Kitkat Sammelpack+36% (2016-2021)
Kitkat Minis+49% (2014-2021)
Lion Sammelpack+50% (2012-2021)
Lion Minis+39% (2014-2021)
Smarties Minis +62% (2014-2021)

Dabei geht die Verbraucherzentrale davon aus, „dass die regelmäßigen Preiserhöhungen unabhängig von den Herstellungskosten geplant und umgesetzt werden.“ Insbesondere durch die Corona-Krise erfahren Lebensmittel eine deutliche Preissteigerung. (jsch)

Rubriklistenbild: © Jean-Christophe Bott/dpa

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