Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hat künftig allein das Sagen bei seiner Billigkette Netto Marken-Discount.
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Markantes Markenzeichen: Ein Netto-Markt ist leicht zu erkennen

Netto Marken Discount aus Bayern

Von Regensburg aus entwickelte sich Netto zum nationalen Anbieter

Netto Marken-Discount ist durch hartes Kalkül und geschickte Taktik zum großen Anbieter in der Lebensmittelbranche gewachsen. 

  • Die Geschichte des Netto Marken-Discounts beginnt in Regensburg in Bayern
  • Heute hat das Unternehmen über 4.000 Filialen
  • Netto gehört seit 2005 zum EDEKA-Verbund

Maxhütte-Haidhof - Das Unternehmen Netto Marken-Discount hat eine traditionsreiche Geschichte, die in der Vorkriegszeit beginnt. 1921 gründete Michael Schels den ersten Lebensmittelhandel in Regensburg. Damals noch als Großhandel und Zulieferer ausgerichtet, ist Netto heute die größte Supermarkt-Kette im Discount-Bereich nach ALDI und LIDL und auch international eine Größe im Lebensmitteleinzelhandel. Bis zum heutigen Status hat der Discounter-Betreiber viele Kooperationen geschlossen.

Der Name Netto wurde erst im Jahre 1983 etabliert. 2005 wurde Netto in den EDEKA-Verbund eingegliedert. Im Jahr 2009 wurden nach Übernahme-Verhandlungen mit Tengelmann 2.300 Filialen der Marke Plus übernommen. Heute umfasst das Netz 4.273 Filialen. Das Sortiment umfasst neben Lebensmitteln und Drogeriewaren auch Aktionswaren und Haushaltsartikel.

Von den Anfängen bis zum Platz drei der Discounter

Das Unternehmen von Michael Schels konnte im Jahr 1953 zum Beginn der Wirtschaftswunderzeit bereits 100 Mitarbeiter beschäftigen. Bis zum Jahr 2018 wuchs die Zahl der Beschäftigten von Netto Marken-Discount auf knapp 75.000. Von den einstigen Anfängen in Bayern hat sich das Verbreitungsgebiet der Supermarkt-Kette vom Freistaat aus stetig erweitert. Während die Geschichte als Lebensmittelgroßhandel beginnt, wurde 1971 zunächst die erste Filiale für den Lebensmitteleinzelhandel in Beilngries unter dem Namen SuDi (Supermarkt Discount) eröffnet. Bis 1983 wurden weitere Filialen von SuDi eröffnet und das Netto-Konzept wurde erarbeitet. 1983 erfolgte dann die sukzessive Umbenennung und später die Integration der SuDi-Discounter in das neue Konzept.

Nach der Wiedervereinigung Start im Osten

Ab 1990 konnte Netto Marken-Discount sein Verbreitungsgebiet auf die neuen Bundesländer ausweiten. Neben vielen neuen Filialen und der Übernahme bestehender Konsum-Märkte wurden auch neue Logistikzentren geschaffen, um dem erhöhten Bedarf gerecht werden zu können. Daneben wurden außerdem zu dieser Zeit 120 Filialen der Kette Prima übernommen. Unter anderem entstand auch eine neue Netto-Niederlassung in Guteborn.

Auf Grund der größten Expansion in der Geschichte des Unternehmens mit der Übernahme der Plus-Märkte ab 2009 über ganz Deutschland hinweg, wurden neuen Niederlassungen und Logistikzentren notwendig. Heute finden sich diese Niederlassungen neben der weiterhin bestehenden Zentrale in Maxhütte-Haidhof in Dettingen, Essen, Ganderkesee, Guteborn, Hodenhagen, Worms, Thiendorf, Coswig/Anhalt, Kitzingen, Bad Wünnenberg, Berlin, Bottrop, Hamm, Kerpen, Tuningen, Wörth am Rhein, Krefeld, Erharting, Erfurt und Henstedt-Ulzburg. Seit 1992 ist Netto in Maxhütte-Haidhof ansässig. Bis dahin hielt das Unternehmen am ursprünglichen Hauptsitz des Gründers Michael Schels in Regensburg die Fäden in der Hand.

Übernahme und Verkauf des Netto-Konzerns

Nach der Geschichte mit vielen eigenen Übernahmen überraschte im Jahr 2004 das französische Unternehmen Les Mousquetaires-ITM Entreprises S. A. mit dem Kauf von Netto Marken-Discount. Der Konzern ging damit vollständig in dem Unternehmen auf, das die damaligen Spar-Supermärkte betrieb und heute noch für Intermarché bekannt ist. 2005 wurde Netto an die EDEKA-Gruppe weiterverkauft. EDEKA (https://verbund.edeka/) konnte damit zur Nummer eins im Lebensmitteleinzelhandel aufsteigen. Die Unternehmenszentrale von Netto verblieb weiterhin in Maxhütte-Haidhof.

Die Struktur von Netto heute

Rund 4.200 Filialen werden heute unter dem Namen Netto Marken-Discount betrieben. Neben den bekannten Discounter-Märkten finden sich in den Innenstädten auch kleine Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels in Bürogebäuden. Auf Grund des kleineren Platzangebots finden sich hier nur Lebensmittel und Haushaltswaren im Sortiment. Netto schließt hiermit eine Versorgungslücke in Innenstädten, die durch den großen Flächenbedarf eines normalen Supermarkts entstehen. Netto etablierte diverse Eigenmarken, wie zum Beispiel Schokoliebe, Gut Ponholz; BioBio und VivaVital.

Neben den bekannten Verkaufsstellen hat Netto einen Online-Handel aufgebaut, der über die Homepage und über die App abgerufen werden kann. Zu dem bekannten Sortiment wurde eine breite Palette aus dem Non-Food-Bereich hinzugefügt. So finden sich im Online-Handel von Netto unter anderem Gartenartikel von der Deko bis zum Gartenhaus, Bauwaren und Möbel bis hin zu eigenen Reiseangeboten. In der Sparte Netto-Reisen bedient man sich mehrerer Reiseanbieter wie der trendtours Touristik GmbH oder 1AVista Reisen GmbH. Hier werden hauptsächlich Rundreisen und Kreuzfahrten angeboten.

Netto in den Sozialen Medien

2011 war Netto Marken-Discount einer der ersten Beteiligten im Lebensmitteleinzelhandel, der eine eigene App auf den Markt brachte. Mit der Netto App können Kunden Sparcoupons einlösen, online bezahlen oder Angebote einsehen. Außerdem kann der Kunde seine Einkaufsliste in der App führen. Seit 2016 betreibt Netto einen eigenen Facebook-Account, auf dem Interessierte regelmäßig zu Aktionen und Neuerungen beim Discounter informiert werden und an Gewinnspielen teilnehmen können.

Seit 2018 ist Netto auf Instagram zu finden. Hier fällt das Unternehmen durch prägnante Sharepics und Statements auf. Auf der Homepage von Netto können Kunden im Blog Wissenswertes rund um die Firmengeschichte, über Gründer Michael Schels und Aktionen im Supermarkt oder über Waren aus dem Sortiment lesen.

Soziales Engagement von Netto

Netto Marken-Discount ist Sponsor des SSV Jahn Regensburg und zeigt damit seine Verbundenheit mit dem ehemaligen Gründungsort. Außerdem sammelt Netto Spenden für „Die Tafeln“ ein. Der Kunde kann am Flaschenpfandautomaten im Supermarkt entscheiden, ob er das Pfandgeld ausgezahlt bekommt, oder ob er das Geld den Tafeln spenden möchte. Des Weiteren kann der Kunde an der Kasse im Discounter seinen Endbetrag aufrunden und die Differenz spenden.

Mit dem Tabaluga-Sortiment unterstützt Netto die Peter Maffay-Stiftung für benachteiligte Kinder. Herzu wurde eine Produktlinie im Obst-, Gemüse und Drogeriesortiment entwickelt, die sich speziell an Kinder richtet. 2011 geriet Netto wegen der Nichteinhaltung der Qualitätsstandards beim Fischfang in die Kritik der Umweltverbände. Daraufhin überarbeitete das Unternehmen seine Richtlinien und ging in Verbindung mit der EDEKA-Gruppe eine Kooperation mit dem WWF ein. Mit der Aktion „Ein Herz für Erzeuger“ will der Discounter der Entwicklung von Dumpingpreisen in der Landwirtschaft entgegentreten.

Netto in der Kritik

In der Geschichte des Discounters wurde das Unternehmen oftmals für seine Mitarbeiter-Politik kritisiert. Zum allgemeinen Problem der Arbeitsbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel kam bei Netto Kritik zum Führungsstil und Betriebsklima zum Tragen. Außerdem wurde das Unternehmen auf Grund seiner Lohnpolitik kritisiert. Vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns führte der Netto Marken-Discount bereits Mindestlöhne und Tariflöhne unter anderem für Aushilfen im Supermarkt ein. Trotzdem wurde 2017 bekannt, dass das Unternehmen über Werksverträge weiterhin wenig Lohn betrieb. Über diese Werksverträge wurden Mitarbeiter zwar wie Festangestellte beschäftigt, die Bezahlung erfolgte allerdings weit unter dem vormals selbst festgesetzten Mindestlohn.
Durch den Fachkräftemangel, der auch den Lebensmitteleinzelhandel betrifft, wurde der Konzern zu einer Änderung seiner Beschäftigungsstrategie gezwungen. Das Unternehmen wirbt nun mit folgenden Benefits:

  • Gute Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten auch für Neu- und Quereinsteiger
  • Transparente Unternehmens- und Entscheidungshierarchie
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Teilzeitausbildungsmodelle
  • Faire Entlohnung

Durch die gebündelten Maßnahmen konnte Netto mehrere Auszeichnungen von Focus Money und der Wirtschaftswoche erlangen. Das Unternehmen hat sich mit der Initiative Fair Company unter anderem verpflichtet, freie Stellen nicht mit Praktikanten, Studenten oder Schülern zu besetzen. Außerdem sollen Hochschulabsolventen nicht mit Praktika hingehalten und Praktikanten wiederum nicht mit der Aussicht auf eine feste Stelle gelockt werden.

Verwechslungsgefahr – Netto mit oder ohne Hund

Der Netto Marken-Discount wird oftmals mit dem dänischen Namenszwilling Netto verwechselt. Die Lebensmittel-Discounter lassen sich für den Kunden am besten durch das Markenzeichen des dänischen Lebensmitteleinzelhändlers, dem Hund mit dem Körbchen, unterscheiden. Die Supermärkte des dänischen Unternehmens sind mit ca. 350 Filialen hauptsächlich im Norden und Nord-Osten Deutschlands vertreten. Bis 2012 war die EDEKA-Gruppe unter anderem auch an diesem Konzern beteiligt.

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