Supermarkt, Kasse, Kassenband mit Lebensmitteln (Symbolbild)
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Supermarkt-Kasse (Symboldbild)

#MeToo

Kassiererin berichtet von krasser Albtraum-Erfahrungen bei Netto: „Es kommt zu Übergriffen“

  • vonJulia Schöneseiffen
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Im Arbeitsalltag von Kassier:innen ist sexuelle Belästigung keine Seltenheit. Maurike Maaßen berichtet nun von bitteren Erfahrungen.

Köln - Sexuelle Belästigung ist in Deutschland trauriger Alltag - auch am Arbeitsplatz. Das zeigen Studien und Social-Media-Aktionen wie #Aufschrei oder #MeToo. Davon nicht ausgenommen: die deutschen Supermärkte. Dies bestätigt auch Maurike Maaßen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Maurike Maaßen arbeitet bei Netto in Altenessen als Kassiererin und ist als Betriebsrätin tätig. Im Arbeitsalltag haben Kassierer:innen immer wieder mit sexueller Belästigung von Kund:innen zu kämpfen, so Maaßen. Durch das Kassenband und die seit Corona installierten Trennwände bestehe aber zumindest an der Kasse ein relativer Schutz vor sexueller Belästigung. Ganz anders sieht es auf der Ladenfläche aus. „Da kommt es schon immer wieder zu Übergriffen“, berichtet Maurike Maaßen dem Deutschlandfunk.

Sexuelle Belästigung bei Netto: Viele Mitarbeiter:innen wehren sich nicht

Auch das Ausnutzen von Machtverhältnissen spiele immer wieder eine Rolle. Denn viele Mitarbeiter:innen wehren sich aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht. So unterstreicht auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dass Beschäftigte immer das Recht haben, sich gegen sexuelle Belästigung zu wehren. Die Schuld sollte dabei vor allem nicht bei den Betroffenen gesucht werden. Dass Kunden oft sexuell anzügliche Witze gegenüber Kassierer:innen reißen stellt keine Seltenheit dar. Maaßen verhindert dies an ihrer Kasse mit einem selbstbewussten Auftreten, wie sie sagt. Und sollte doch mal ein Spruch kommen, wehrt sie sich verbal. Aber sie habe Kolleg:innen, die in solchen Moment nicht wüssten was sie tun sollen. Und so geht es vielen Betroffenen, dass einfach nicht wissen wie sie auf sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz reagieren sollen.

Neben verbaler sexueller Belästigung kommt es auch zu körperlicher Belästigung. „Letztens hat eine Kollegin Regale gepackt. Da hat ein Kunde, anstatt zu sagen: ‚Können Sie bitte mal kurz an die Seite gehen. Ich möchte an das Regal‘ – sich regelrecht an sie gedrückt und sich dann von oben was aus dem Regal gegriffen“, erzählt die Kassiererin im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Netto-Kassiererin: Aufklärungsarbeit und Bewusstsein schaffen

Umfrage: Häufigkeit der Arten von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz (Archivbild)

Um sexuelle Belästigung zu verhindern brauche es Aufklärungsarbeit. Man müsse das Bewusstsein schärfen, diese zu erkennen und sich dementsprechend zu wehren. Denn oft würden verbale Angriffe klein geredet werden. Und dies obwohl auch die verbale Belästigung durch Witze oder Sprüche darüber sexuelle Belästigung ist.

Die fehlende Aufklärung stellt auch die Antidiskriminierungsstelle fest: „Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon einmal erlebt oder beobachtet – über ihre Rechte sind viele aber nur unzureichend informiert.“ Um Mitarbeiter, Betroffene und Arbeitgeber zu informieren formulierte die Antidiskriminierungsstelle den Leitfaden „Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?“ Aktuell seien Übergriffe immer noch ein Tabuthema, so Maaßen. Ihrer Meinung nach müsste viel mehr darüber gesprochen werden. Zudem sieht sie einen Handelsbedarf in der Politik, „denn von da komme überhaupt nichts“.

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