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Pfingst-Bilanz zum 9-Euro-Ticket: 400 überfüllte Züge, 700 Problemfälle und Tausende Überstunden

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Von: Ines Baur

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Reisende, Kinderwagen, Zug, Koffer Bahnsteig, überfüllt
Wenn einer eine Reise macht, kann er was erleben. 9-Euro-Ticket, Sonnenschein und Feiertage sorgen für Stress(test) bei der Bahn. © Gottfried Czepluch / imago

Sonnenschein, Reiselust und das 9-Euro-Ticket bescherten der Deutschen Bahn, ihrer Belegschaft und den Passagieren unvergessliche Pfingst-Tage.

München - Das Pfingst-Wochenende war Stress(test) für die Belegschaft der Deutschen Bahn und die Passagiere. Die ersten Ferientage mit 9-Euro-Ticket sorgten für überfüllte Züge und wesentlich mehr Meldungen als gewöhnlich, was Überlastungen, Störungen oder Probleme von und mit Passagieren angeht. Das zumindest sagten die Eisenbahngewerkschaft und die Personalvertretung der Bahn gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die 9-Euro-Aktion hat erwartungsgemäß einen großen Ansturm auf die Regionalzüge ausgelöst, der bundesweit zu deutlich mehr Fällen von Überlastung geführt hat“, so Vize-Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio, Ralf Damde, am Montagabend nach Gesprächen mit Bahn-Betriebsräten aus ganz Deutschland.

Pfingst-Bilanz zum 9-Euro-Ticket: Lob an die Fahrgäste

Ausdrückliches Lob bekamen die Fahrgäste vom Bahn-Betriebsrat. Appelle zur Rücksichtnahme und Geduld seien meist ernst genommen worden, so Damde. Und das, obwohl Konfliktpotential vorhanden war. Denn trotz vieler zusätzlich eingesetzter Fahrzeuge sei man nicht drumherum gekommen, Passagiere abzuweisen, so der Vize-Vorsitzende weiter. „Überall in Deutschland waren die Bahnsteige und die Züge voll, in mehreren Fällen mussten überfüllte Züge geräumt werden – aber zum Glück keine Bahnhöfe.“

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9-Euro-Ticket an den Feiertagen - Aggressionen, wenn das Fahrrad nicht mitdurfte

Wegen der stark überfüllten Züge konnten viele Fahrgäste ihre Fahrräder nicht mit in den Waggon nehmen. „Es kam zwar zu Aggressionen, etwa wenn ein Fahrrad draußen bleiben musste oder Menschen nicht mehr in Zug kamen, aber diese blieben verbal“, so Damde. Insgesamt gab es pro Tag rund 700 Meldungen von Überlastung, Problemen mit Passagieren oder Störungen an die Einsatzzentrale. Das sei wesentlich mehr gewesen als an einem durchschnittlichen Wochenende und als am Pfingstwochenende vor Corona, so das RND.

Nach dem Pfingst-Wochenende: „Bahn-Angestellte gehen auf dem Zahnfleisch“

Nicht nur die Fahrgäste waren kooperativ, sondern auch die Belegschaft. Das Personal habe die zusätzlichen Aufgaben sehr engagiert ausgeübt, so Damde und gibt gleichzeitig zu bedenken. „Im Ausnahmefall ist das möglich, aber dauerhaft nicht. Viele Bahn-Angestellte gehen schon jetzt auf dem Zahnfleisch.“

9-Euro-Ticket - Fahrgastverband sieht sich in seiner Kritik bestätigt

In seiner anfänglichen Kritik bestätigt sieht sich der Fahrgastverband Pro Bahn. „In den Hauptreisezeiten war die Nachfrage auf den Hauptstrecken so stark, dass Züge nicht abfahren konnten. Und einige Bahngesellschaften – etwa die Metronom in Norddeutschland – haben die Fahrradbeförderung ausgeschlossen, weil sie dem Ansturm nicht Herr wurden“, sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn am Montag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Chaos sei vorhersehbar gewesen und Folge eines politischen Angebots, ohne dafür über die nötigen Kapazitäten im Bahnverkehr zu verfügen.

Für Neun Euro einen ganzen Monat „die Öffentlichen“ nutzen

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste jeweils einen Monat lang bundesweit den Nahverkehr nutzen. Das Ticket ist für Juni, Juli und Augst erhältlich. Hintergrund ist unter anderem, Pendler in Hinblick auf die gestiegenen Sprit-Preise zu unterstützen und neue Nutzer dauerhaft zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen.

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