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9-Euro-Ticket: Preisschock könnte erwünschten „Klebeeffekt“ im ÖPNV einschränken

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Von: Yasina Hipp

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Für nur neun Euro einen ganzen Monat durch‘s Land mit der Bahn. Die Rabattaktion des Bundes klingt gut, doch wie geht es danach mit den Preisen fürs Bahnfahren weiter?

München - In wenigen Tagen könnte das 9-Euro-Ticket bereits bundesweit erhältlich sein. Ganz sicher ist das allerdings noch nicht. Denn: Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg wollen sich wegen der geplanten Finanzierung bei der Abstimmung im Bundesrat quer legen. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) bezeichnet das Ticket sogar als „dreimonatiges Trostpflaster“ und „Strohfeuer“ des Bundes.

Bevor das 9-Euro-Ticket also im Bundesrat abgesegnet werden kann, scheint es als müssten zunächst einige Gemüter besänftigt werden. Möglicherweise könnte die Rabattaktion, die eigentlich als Werbung für den öffentlichen Personennahverkehr gedacht war, also auch ganz schön nach hinten losgehen.

9-Euro-Ticket: Im Optimalfall soll es zu einem „Klebeeffekt“ kommen

Angesichts steigender Energiekosten, wird auch die Fahrt zur Tankstelle für viele immer unangenehmer. Deswegen sollen die Menschen, die bisher das Auto bevorzugt haben, durch das Billigticket vom ÖPNV überzeugt werden. Wenn alles optimal läuft, solle es nach der 9-Euro-Phase zu einem so genannten „Klebeeffekt“ kommen, wie Jan Schilling, Geschäftsführer des Verbandes der Verkehrsunternehmen (VDV) gegenüber Welt berichtet. Entscheidend wird also sein, wie viele Menschen nach August auch weiterhin am ÖPNV „kleben“ bleiben und Busse und Bahnen weiterhin nutzen. Der VDV rechnet mit knapp 30 Millionen Menschen, die monatlich das 9-Euro-Ticket in Anspruch nehmen werden. Davon sollen möglichst viele auch danach auf ihr Auto verzichten.

ÖPNV in Köln.
Durch das 9-Euro-Ticket sollen Menschen vom Auto nachhaltig in Busse und Bahnen gelockt werden. © picture alliance/dpa/Henning Kaiser

Jedoch besonders ein Faktor könnte den Klebeeffekt deutlich minimieren: Nach August könnte es laut Experten nicht nur zu einer Rückkehr zu alten ÖPNV-Preisen, sondern gar zu einer starken Preiserhöhung kommen. Jan Schilling meint, dass auch die Verkehrsunternehmen, wie die Deutsche Bahn, von steigenden Energiepreisen betroffen sind, und im Normalfall deswegen eigentlich jetzt die Preise steigern würden. Durch das 9-Euro-Ticket verschiebt sich diese Erhöhung auf September und könnte damit viele Neu-Bahnfahrer mit voller Wucht treffen.

9-Euro-Ticket wird Bund etwa 2,5 Milliarden kosten - Ansturm auf beliebte Strecken möglich

Bislang hat die Bundesregierung zwar zugesagt, die geschätzten Kosten von 2,5 Milliarden Euro durch Einnahmeausfälle zu decken. Sollten es aber am Ende mehr als 2,5 Milliarden Euro werden, ist nicht geklärt, wer diese Kosten übernimmt. VDV-Geschäftsführer Jan Schilling hebt das „Prognoserisiko“ der Kosten-Schätzungen hervor, welches auch der Bund beachten müsse.

Neben der Finanzierung sieht Schilling eine weitere Gefahr: übervolle Züge auf beliebten Strecken. Wegen des kurzen Vorlaufs, war es Verkehrsbetrieben nicht möglich sich richtig auf den möglichen Ansturm vorzubereiten und gegebenenfalls mehr Züge und Busse einzusetzen. Zusätzlich müssten auch vermehrt Reinigungs- und Wartungsarbeiten durchgeführt werden, wofür aber Personal und Geld fehle.

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