Ein Mann träufelt CBD-Öl im CBD-Café „Canna“ in einen Cappuccino.
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CBD-Produkte im Test: Stiftung Warentest untersucht 17 Produkte und kommt zu einem kritischen Schluss. (Symbolbild)

„Wunderwaffe“ aus der Drogerie

Stiftung Warentest fällt vernichtendes Urteil: „Diese Beruhigungsmittel-Präparate sind nicht sicher“

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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CBD-Produkte aus Hanf feiern einen Siegeszug. Mehr als jeder Zehnte nutzt sie zur Entspannung. Die Stiftung Warentest sieht das mehr als kritisch.

München - CBD steht für Cannabidiol, ein Hanfprodukt, dem eine entspannende Wirkung nachgesagt wird – und über das viel und gerne diskutiert wird. Ist CBD legal? Wirkt es wirklich? Gibt es Nebenwirkungen? Die Stiftung Warentest hat sich jetzt der „Hanf-Wunderwaffe“ angenommen und 16 CBD-Öle, CBD-Kapseln, Aromaöle und einen Verdampfer untersucht. Das Test-Fazit fällt mehr als kritisch aus – aus vielen Gründen.

CBD-Produkte boomen in Deutschland, seit Corona noch mehr als vorher. Sie sind im Biomarkt, in der Drogerie oder online erhältlich und werden meist in Kapselform oder tröpfchenweise eingenommen. In einer Umfrage der Stiftung Warentest gab mehr als jeder Zehnte an, CBD zu nutzen. Das Hanfprodukt soll zum Wohl­befinden beitragen und entspannen. Das lassen sich CBD-Nutzer einiges kosten: Das Öl von Canobo mit 2,75 Prozent CBD kostet für 10 Milliliter im Test 20 Euro, das 10-prozentige von Canitat M rund 80 Euro.

CBD-Öle im Test: „Kritische THC-Mengen sind nicht auszuschließen“

Aber Vorsicht: Nicht immer sei auf den ausgelobten CBD-Gehalt Verlass, so der erste Befund der Stiftung Warentest. Er könne nied­riger ausfallen – oder lasse sich zumindest nicht immer eindeutig aus den Zutaten ableiten. „Auch fanden wir unerwünschte Mineral­ölgehalte, die sich durch verbesserte Produktions­abläufe vermeiden ließen“, heißt es.

Wird über CBD diskutiert, dauert es meist nicht lange, bis der Vergleich zu Cannabis und THC gezogen wird, die berauschende und deshalb illegale Hanf-Substanz. Alle Produkte im Test enthielten auch THC, meist nur Spuren davon. In den Ölen von Canobo und Duowell sowie den Kapseln von Hempamed und Natcan wies die Stiftung Warentest allerdings mehr THC nach, als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit für unbe­denk­lich hält. „Diese Präparate sind nicht sicher, psycho­gene Effekte wie eine verminderte Reaktions­fähig­keit können nicht ausgeschlossen werden. Kritische THC-Mengen sind nicht auszuschließen“, lautet ein erstes Fazit.

Viele CBD-Produkte laut Stiftung Warentest „nicht sinnvoll“, „gesundheitlich riskant“

Für eine berauschende Wirkung reichen die THC-Mengen in den getesteten CBD-Ölen aber bei Weitem nicht – mit einem Joint haben sie nichts am Hut. Aber wie wirkt Cannabidiol dann? Erwiesen ist unter anderem, dass es ins körper­eigene Endocannabinoid-System eingreift und so Erregung abbremsen kann.

Fünf der getesteten Produkte (Canea, Cantitat M, CBD Vital, Dr. Loges und GreenDoc) erachtet die Stiftung Warentest als „nicht sinnvoll“, „gesundheitlich riskant“ und „nicht verkehrsfähig“. Auch von CBD-Verdampfern zum Inhalieren rät die Stiftung Warentest ab. Ob die restlichen der CBD-Öle und -Kapseln von Healthy-Herbs, Hempamed, Medihemp, Reformhaus, Vaay, Alpinols Zero und Nutree“ ihre beworbene Wirkung entfalten, hänge laut Stiftung Warentest vor allem mit ihrer Dosierung zusammen.

CBD-Öle im Test: Nebenwirkungen und rechtliche Lage unklar

Die Ergebnisse sind ernüchtern. CBD-Nutzer schwören trotzdem auf die beruhigende und einschläfernde Wirkung, auch wenn sie umstritten ist. „Es könnte aber auch gegen­sätzlich wirken. Viele Fragen sind noch offen, etwa zu Wechsel­wirkungen mit Medikamenten“, gibt die Stiftung Warentest allerdings zu bedenken und rät deshalb Schwangeren, Stillenden und Menschen, die Medikamente einnehmen müssen, von CBD ab. Fundierte Studien seien Mangelware, Sicherheit und Wirkung nicht belegt.

Wenig stichhaltig ist derzeit auch die rechtliche Einordnung von CBD-Produkten. Die Hersteller bewegen sich in einer Grauzone. Cannabidiol-Produkte, die verzehrt werden, sind illegal. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verbietet aktuell ihren Verkauf. Im Dezember 2020 hat die EU-Kommission allerdings mitgeteilt, dass CBD künftig als Lebens­mittel angesehen werden könnte. Zulassungs­anträge der Hersteller werden aktuell geprüft. Ob sie genehmigt werden, bleibt nach dem Test wie so viele Fragen offen.

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