Plagiate sind nicht ungefährlich

Die dreisteste Produktfälschung des Jahres - Bereits acht Gerichtsverfahren gegen den Hersteller

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Immer häufiger landen Plagiate im Markt - vor allem über das Internet. Fälschungen sind dabei meist nicht harmlos. Die dreisteste Nachmache 2021 wurde bereits mehrfach vor Gericht diskutiert.

Frankfurt am Main - Täuschend echt und doch nicht das Original - Plagiate gelangen in allen Lebensbereichen auf den Markt. Nicht nur hochwertige Konsumgüter werden kopiert. Selbst Medikamente oder Auto-Ersatzteile landen gefälscht auf dem Markt.

Besonders dreist sind dabei 1:1 Nachahmungen, so der Verein „Aktion Plagiarius“, der jedes Jahr die dreistesten Produktfälscher kürt. Dieses Jahr geht der Schmähpreis, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase, an einen chinesischen Hersteller.

Dreisteste Produktfälscher: Schmähpreis für Motorsäge - Sie sieht dem Original täuschend ähnlich

Gleiche Farbe, ähnliche Markenbeschriftung: Bei der ausgezeichneten Produktfälschung handelt es sich um eine Motorsäge mit dem Namen „STIHL MS 250“, die neben der unverfälschten Ware täuschend echt aussieht. Das Original der Firma Andreas Stihl AG & Co. KG aus Waiblingen in Deutschland produziert Motorsägen in der geschützten Farb-Kombi orange/hellgrau. Damit verletzt „die Fälschung die Wortmarke ‚STIHL‘, sowie die in über 100 Ländern geschützte Farbmarke“, gibt Plagiarius an. Der chinesische Hersteller Guley ist „einer der TOP3-Fälscher von Stihl Produkten in China mit Abnehmern in Südostasien, Afrika und Südamerika.“

Nicht ohne Folgen: Die schwäbischen Hersteller gingen bereits in acht Gerichtsverfahren gegen die Fälscher vor. Mit Erfolg. 170 000 Euro Schadensersatz und acht gewonnene Verfahren verzeichnet der Kampf zwischen Original und Plagiat.

Das obere Bild zeigt die originale Motorsäge von Stihl. Unten ist das Plagiat der chinesischen Firma zu sehen.

Dreisteste Produktfälscher: Plagiate sind nicht ungefährlich - doch Verbraucher können die Unterschiede erkennen

Das Ziel der Preisverleihung, die in diesem Jahr online stattfinden musste, ist es „die fragwürdigen Geschäftsmethoden von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, heißt es in der Pressemitteilung. „Plagiate und Fälschungen sind rücksichtslos, vernichten Arbeitsplätze und bedeuten Stillstand statt Fortschritt.“ Oft werden sie „unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen hergestellt“. Besonders die Globalisierung, Digitalisierung und Social Media würden zur weiteren Verbreitung von Produktfälschungen beitragen. Auch bei Amazon wurden bereits gefälschte Produkte entdeckt.

Ganz ungefährlich sind die Plagiate eben auch nicht. Besondere Risiken entstehen für Kunden bei gefälschten Medizingeräten, Auto-Ersatzteilen oder Medikamenten, informiert die dpa. Die Polizeiorganisation Interpol warnt daher beispielsweise keinen Corona-Impfstoff im Internet zu bestellen - dieser ist eine Fälschung. Der Impfstoff wird derzeit nicht über das Internet vertrieben.

Aber auch die Motorsäge birgt Risiken: „Gefälschte Motorsägen erfüllen in der Regel weder gesetzliche Vorschriften noch sicherheitsrelevante Parameter, wie Abgaswerte, Kettenbremszeiten oder Materialfestigkeit“, so Plagiarius. „Daher der Appell der Produktwächter: „Nicht vorbehaltlos jeder ‚Empfehlung‘ folgen oder ‚Kaufen‘ anklicken.“ Denn „Fälschungen sind dem Original meist nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich.“(chd mit dpa)

Rubriklistenbild: © Aktion Plagiarius e.V./dpa

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