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Ab heute ist Einweg-Plastik verboten: Das Aus für Strohhalme - aber auch Zigaretten sind betroffen

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Bunte Strohhalme in der Draufsicht
Einweg-Plastik ist ab 3. Juli verboten: Das EU-Verbot gilt für Strohhalme, Wegwerfgeschirr, Wattestäbchen und andere Kunststoffprodukte. © IMAGO / Frank Sorge / Sabine Brose

Eine neue EU-Verordnung tritt am 3. Juli in Kraft: Ab sofort dürfen Strohhalme, Wattestäbchen und Co. nicht mehr produziert werden, die Gastronomie darf Restbestände aber weiter ausgeben. 

Nur zehn Einweg-Plastikprodukte machen 70 Prozent des Mülls im Meer aus. Das geht aus einer Untersuchung des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland hervor. Der Kunststoff zerfällt im Meer nach und nach, wird zu Mikroplastik und landet so auch in der Nahrungskette. Aus Umweltschutzgründen beschloss die EU deshalb 2019 ein Verbot von Einweg-Plastik, am Samstag (3. Juli) trat die Verordnung nun in Kraft. Es ändern sich zwei Dinge: Bestimmte Plastik-Artikel werden nicht mehr produziert, andere sind mit einer Kennzeichnung versehen.

Plastik-Verbot: Diese Artikel gibt es bald nicht mehr

Pro Stunde gehen rund 320 000 Einwegbecher für Kaffee und Co. über die Ladentheke, wie aus Angaben des Umweltministeriums Deutschland hervorgeht. Damit ist bald Schluss: Wegwerfkunststoffartikel wie Strohhalme, Plastikgeschirr- und besteck, Luftballonstäbe, Rührstäbchen und Wattestäbchen dürfen ab sofort EU-weit nicht mehr produziert werden. Ebenso verboten sind Getränkebecher aus Styropor.

Die Gastronomie darf Restbestände aber weiter ausgeben, bis sie aufgebraucht sind. Das soll verhindern, dass die umweltschädlichen Produkte ungenutzt im Müll landen. Ein Umgehen der Richtlinie, etwa durch Import aus dem Ausland, ist jedoch untersagt. Wie voll die Lager der Händler aktuell noch sind, ist nicht genau bekannt. Der Handelsverband Deutschland geht laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nicht davon aus, dass noch größere Restbestände vorhanden sind.

Plastik-Verbot: Das sind die Alternativen

Als Alternative sollen Händler Mehrwegbehältnisse anbieten und langfristig andere Materialen verwenden, die sich einfacher recyceln lassen – etwa Glas- oder Metallbehältnisse oder Holzbesteck. Allerdings gibt es auch hier Hürden: Plastik einfach durch Papier zu ersetzen, trage zur Abholzung von Wäldern, die für den Klimaschutz eine Schlüsselrolle einnehmen, so die Verbraucherzentrale Bundesverband auf ihrer Webseite. Auch Aluminiumschalen stellen wegen des hohen Energieverbrauchs keine gute Alternative dar. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung habe außerdem ergeben, dass auch plastikfreies Einweggeschirr aus Pappe, Palmenblättern oder Zuckerrohr häufig gesundheitsgefährdende Stoffe enthalte, so die Verbraucherzentrale weiter.

Für Verbraucher selbst gibt es aus Sicht der Verbraucherzentrale einfache aber wichtige Schritte: Obst und Gemüse unverpackt kaufen hilft genauso Plastikmüll zu vermeiden wie eine eigene Trinkflasche, einen Becher oder eine Mehrwegdose dabeizuhaben. Als Alternative zum Strohhalm bieten sich Trinkhalme aus Glas, Edelstahl oder Silikon – oder einfach Nudeln.

EU entscheidet: Kennzeichnungspflicht für bestimmte Plastik-Produkte

Artikel wie etwa Zigaretten, Feuchttücher oder Damenhygieneartikel sind künftig zwar nicht verboten, müssen jedoch eine spezielle Kennzeichnung tragen. Diese soll darüber aufklären, wie viel Kunststoff das Produkt enthält und welche Folgen eine unsachgemäße Entsorgung für die Umwelt hat.

Doch selbst eine richtige Entsorgung löst das Problem nicht nahhaltig: Nicht alles könne auf „magische Weise“ recycelt werden, wenn Plastikmüll richtig getrennt werde, gibt etwa die Wissenschaftlerin Mine Tekman vom Alfred-Wegener-Institut zu Bedenken. „Technologisch gesehen hat das Recycling von Plastik viele Einschränkungen, und Länder, die über eine gute Infrastruktur verfügen, exportieren ihren Plastikmüll in Länder mit schlechteren Einrichtungen.“

Plastik-Verbot: FDP und Handelsverband äußern sich kritisch

Umweltschützer sehen das Plastik-Verbot positiv. Für Sandy Schmidt vom „Forum Augsburg plastikfrei“ ist das EU-Verbot ein Erfolg. „Man muss [...] aus seiner Komfortzone raus, aber dann fällt die Umstellung nicht schwer“, sagt Schmidt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Auch die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hält die Änderungen für „einen wichtigen Schritt aus der Wegwerfgesellschaft“, wie die dpa berichtet. Das Verbot werde schon bald zu besseren, innovativen und umweltfreundlichen Produkten und Lösungen führen, so Schulze weiter.

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Der Handelsverband Deutschland hatte sich im Vorfeld gegen ein generelles Plastikverbot ausgesprochen. Auch die FDP sieht die Entwicklung kritisch: „Die FDP hält das pauschale Plastik-Bashing und die Plastikverbotspolitik für den falschen Weg“, sagte die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung. „Kein anderes Material hat in jüngster Zeit so viele Produkte mit fantastischen Eigenschaften hervorgebracht und zugleich negative Schlagzeilen gemacht.“ Das Problem sei nicht das Material an sich, sondern der verantwortungslose Umgang damit.

Die einfachste Lösung des Plastikproblems liegt auf der Hand: „Grundsätzlich ist der Verzicht auf Einwegplastik immer am besten“, rät der Bundesverband der Verbraucherzentrale.

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