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DHL erhebt ab sofort 6-Euro-Pauschale - und warnt vor „bösen Überraschungen“

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Zwei Paketboten sortieren Pakete vor ihrem Lieferwagen
Ab 1. Juli fällt die Freigrenze von 22 Euro für Pakete aus dem Nicht-EU-Ausland weg. © IMAGO / Panthermedia / AndreyPopov

Die Umsatzsteuerreform sorgt dafür, dass Pakete aus dem Ausland künftig teurer werden. DHL erhebt ab sofort eine Servicepauschale.

Brüssel - Eine der größten Änderungen seit dem Vertrag über die Europäische Union im Jahr 1993 hat jetzt konkrete Auswirkungen auf Verbraucher. Denn neben anderen Änderungen gilt seit 1. Juli 2021 auch die Umsatzsteuerreform. Diese betrifft alle Händler, die ihre Produkte über Grenzen hinweg verkaufen. Indirekt kann das künftig für höhere Preise bei Paketen aus dem Nicht-EU-Ausland sorgen – pro Jahr sind etwa 100 Millionen Pakete betroffen.

Post/DHL: Was bringt die Umsatzsteuerreform?

„Das Erschleichen von Wettbewerbsvorteilen durch nicht gezahlte Umsatzsteuern soll damit unterbunden werden“, erklärt André Schwarz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA) einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge. Künftig geht jedes Paket durch den Zoll, das von außerhalb in die Europäische Union geliefert wird. Der Inhalt kann dadurch weniger leicht falsch deklariert werden. Bislang waren teurere Produkte von Händlern oft als günstigere deklariert worden, um Umsatzsteuern zu sparen. 

Teurere Pakete: Das ändert sich für DHL-Kunden ab 1. Juli

Bislang galt für Sendungen mit einem Warenwert von bis zu 22 Euro (ohne Versandkosten) eine Freigrenze. Diese fällt ab 1. Juli weg. Woher das Paket kommt, entscheidet künftig darüber, welcher Steuersatz für die Einfuhr fällig wird. Für Händler aus der Europäischen Union sind das gute Nachrichten: Sie hatten durch den steuerlichen Sonderweg bislang Wettbewerbsnachteile gegenüber Firmen aus anderen Staaten.

Für Kunden bedeutet diese Änderung bei den Paketlieferdiensten UPS und DHL, dass sie mit einer Servicepauschale von sechs Euro extra rechnen müssen. Die Paketdienste strecken die Gebühr vor, Verbraucher zahlen sie im Anschluss entweder direkt an den Paketdienst an der Haustür oder in der Postfiliale. Einfach nicht zahlen hilft nicht: Liegt ein Paket zu lange beim Zoll, werden Lagerkosten in Höhe von 0,50 Euro pro Kalendertag fällig. Erhoben werden sie laut DHL erst ab dem zehnten Tag.

Zusätzlich zu der Servicepauschale werden außerdem 19 Prozent oder ermäßigt sieben Prozent Einfuhrumsatzsteuer fällig. Das gilt für Waren im Wert von bis zu 150 Euro. Bei einem Warenwert von über 150 Euro werden zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer und der Servicepauschale auch Zollgebühren erhoben. Die Preise hierfür können variieren. Zollkosten für Textilien aus Fernost könnten beispielsweise zwölf bis 13 Prozent des Warenwertes betragen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. 

DHL erwartet für Kunden „böse Überraschungen“

Böse Überraschungen könnte es laut DHL geben, da die neue Regelung nicht vom Bestelldatum der Ware abhängt. Kunden, die noch vor dem 1. Juli bestellt haben, müssen die Gebühr ebenfalls entrichten, wenn das Paket am oder nach dem 1. Juli beim Zoll landet. Dies berichtet unter anderem Focus Online.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Sendungen zwischen Privatpersonen bleiben bis zu einem Warenwert von 45 Euro steuerbefreit. Wenn ein Onlineshop bereits in der EU registriert ist, fällt ebenfalls keine Gebühr an. Gleiches gilt, wenn der Online-Shop die Mehrwertsteuer in einem Land bezahlt, das in der Europäischen Union liegt. Das funktioniert über ein One-Stop-Shop (OSS) genanntes Portal. Damit führen Händler die Mehrwertsteuer für alle EU-Länder zentral ab. Bei großen Shops wie Amazon, Asos und H&M fällt daher in der Regel keine extra Gebühr für Kunden an.

EU-Kommission: „Mehr Transparenz für Kunden“

Durch die Regelung sollen laut EU-Kommission auch versteckte Zusatzkosten wegfallen und die Transparenz für Kunden erhöht werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Bei einer Bestellung in Drittstaaten, mussten Verbraucher bislang teilweise mit Extrakosten für die Anmeldung beim Zoll durch das Transportunternehmen bezahlen. Ab sofort soll der angegebene Preis der Endpreis sein.

Ob die neue Regelung es schafft, das Erschleichen von Wettbewerbsvorteilen zu unterbinden, ist nicht unumstritten. „Ein Versäumnis liegt ganz klar im Fehlen einer EU-weiten Datenbank auf Basis der Zolltarifnummern und dem Ausweis der nationalen Steuersatzzuweisung“, gibt Schwarz vom BGA gegenüber der Süddeutschen Zeitung zu bedenken. Der Branchenverband für Online- und Versandhandel sieht die Regelung trotzdem als „Schritt nach vorn“.

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