Ein Kunde geht in einem Rewe-Supermarkt mit einem Einkaufskorb am Kühlregal entlang.
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Als eine Kundin ihm kein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht zeigen möchte, verweist der Rewe-Filialleiter in Cremlingen sie des Marktes. (Symbolbild)

Ungerechtigkeit und Diskriminierung?

Rewe setzt Kundin vor die Tür - Häme bei Facebook-Nutzern: „Wie kann man nur so einen unnötigen Aufstand machen?“

  • vonCornelia Schramm
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Weil eine Rewe-Kundin ihr Attest für die Befreiung von der Maskenpflicht nicht vorzeigen will, erhält sie Hausverbot. Jetzt berichtet sie von einem arroganten Filialleiter und Kunden mit „Blockwart-Mentalität“.

  • Monatelang gilt bereits Maskenpflicht in Supermärkten und der Gastronomie - jetzt wird sie generell wieder verschärft.
  • Zunehmend fühlen sich Menschen diskriminiert, die von ihr befreit sind.
  • Ein Rewe-Filialleiter erteilte einer Kundin jetzt Hausverbot - viele Facebook-Nutzer pflichten ihm bei.

Cremlingen - Völlig fassungslos verließ eine Kundin vergangene Woche den Rewe-Markt in Cremlingen bei Hannover. Auf Facebook berichtet sie jetzt in einem langen Beitrag von einem für sie „sehr unschönen Erlebnis“ in ihrem Stamm-Supermarkt - die Facebook-Community bringt jedoch nur wenig Mitleid für ihre Erschütterung auf. Stattdessen erntet die Rewe-Kundin in zahlreichen Kommentaren Spott und Häme. „Wie kann man nur so einen unnötigen Aufstand machen?“, rügt sie sogar das Gros der Facebook-Nutzer.

Im Rewe-Markt in Cremlingen hat sich vergangene Woche wohl eine Szene abgespielt, wie sie derzeit in ganz Deutschland immer wieder zu beobachten ist. In Bau- und Supermärkten und in Modegeschäften herrscht, genauso wie in Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln, Maskenpflicht - gerade in Anbetracht der rasant steigenden Coronavirus-Fallzahlen, erachten sie Gesundheitsexperten und Politiker als unabdingbar für die weitere Eindämmung der Pandemie. Sowohl die Nerven der Dienstleister als auch die der Kunden liegen nach monatelangem Ausnahmezustand inzwischen blank.

Video: Wie die Maske auch im Herbst bei Kälte und Regen vor dem Coronavirus schützt

So eskaliert die Situation zwischen denen, die die Maskenpflicht durchzusetzen und denen, die sie zu befolgen haben, immer wieder. Auch die Kundin geriet offenbar mit Rewe-Mitarbeitern aneinander, als es um das Maskengebot im Supermarkt ging: „Ich bin vom Tragen einer Alltagsmaske befreit und habe auch ein gültiges Attest. Jedoch muss ich laut Gesetzeslage dieses Attest nur berechtigten Personen vorzeigen. Das sind das Ordnungsamt und die Polizei“, schreibt sie auf Facebook. Den Verkäufern und auch dem Geschäftsinhaber wollte sie das Attest deshalb offenbar nicht zeigen, woraufhin diese ihr den Zutritt zum Supermarkt untersagten.

Die Frau fühlt sich jetzt diskriminiert und macht ihrer Wut auf Facebook Luft: „Laut Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen sind Inhaber von Geschäften nur verpflichtet, die Kunden auf die Pflicht zum Tragen einer Maske hinzuweisen. Dies geschieht durch ein Hinweisschild im Eingangsbereich.“ Und dies sei, so die Rewe-Kundin, auch völlig ausreichend. „Leider hatte der Ladeninhaber kein Bewusstsein dafür, dass ich diskriminiert werde, wenn ich ständig auf die Maske angesprochen werde und er gegen den Datenschutz verstößt, wenn er mein Attest sehen möchte“, führt sie weiter aus.

Eine Rewe-Kundin berichtet auf Facebook von einem „sehr unschönen Erlebnis“.

Es ist ein bundesweites Dilemma: Der Inhaber des Cremlinger Rewes berief sich gegenüber der Kundin offenbar auf sein Hausrecht und verbot ihr - ohne Maske - den Zutritt zum Supermarkt. Wie Rewe auf der Homepage schreibt, werden für den Einkauf neben einer Alltagsmaske auch ein Gesichtsschutz, ein Mundschutz oder auch ein herkömmlicher Schal akzeptiert. Bei der momentan geltenden Maskenpflicht handele es sich um eine „behördlich angeordnete lokale, temporäre Zugangsbeschränkung“. Die Frau war vor Ort jedoch nicht bereit, Mund und Nase zu bedecken. Auf Facebook meint sie, dass Rewe nicht dazu berechtigt sei, ihr ein Hausverbot zu erteilen. Hätte der Ladeninhaber die Polizei gerufen, hätte sie dieser ihr Attest gezeigt.

Video: Befreiung von der Maskenpflicht - Durchgreifen bei falschen Attesten

Die Kundin sieht sich nun zwar im Recht, den Rewe-Inhaber wegen Diskriminierung anzuzeigen, will jedoch darauf verzichten. Stattdessen stellt sie sich die Frage: „Wie kann es sein, dass Geschäftsinhaber immer noch nicht den Inhalt der Corona-Verordnungen kennen, sich nicht mit dem Datenschutz oder dem Anti-Diskriminierungsgesetz auseinandergesetzt haben?“ Doch die aktuelle Situation ist auch für Supermarkt-Dienstleister oder etwa Servicepersonal in der Gastronomie nicht leicht: Hohe Bußen werden fällig, wenn die Maskenpflicht hier nicht befolgt wird; und zu undurchsichtig ist die Rechtslage, was Atteste - sowie Fälschungen - angeht. Jedes Mal die Polizei zu rufen, um ein Attest prüfen zu lassen, kommt für viele offenbar nicht infrage.

Supermarkt-Zutritt nur mit Maske: Diskussion über Diskriminierung

Bundesweit gibt es für den Einzelhandel keine einheitlichen Regelungen, weshalb die Diskussionen um das Hausrecht in Zeiten der Coronavirus-Pandemie weiterhin mehr als diffus bleiben. So heißt es in den Ausführungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Von Fall zu Fall müsse genau abgewogen werden, ob die Maskenpflicht durchgesetzt oder ob eine Ausnahme gemacht werden könne. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Kunden zwar davor, wegen einer Behinderung benachteiligt zu werden, im Zusammenhang mit der Maskenpflicht können sich aber nur diejenigen darauf berufen, denen das Tragen einer Maske wegen einer Behinderung nicht möglich ist.

Eine Behinderung liegt bei langfristigen körperlichen, seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen vor, welche die Betroffenen in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern. Wenn Kunden wegen einer vorübergehenden Erkrankung keine Maske tragen können oder wegen einer chronischen Erkrankung, die sie normalerweise nicht an der gesellschaftlichen Teilhabe hindert, können sie sich nicht auf das AGG berufen. 

Homepage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

„Mittlerweile wird jeder Hinz und Kunz telefonisch von der Maske vom Arzt befreit“, schreibt ein Facebook-Nutzer unter den Beitrag und kritisiert wie viele andere, das Attest nicht einfach vorgezeigt zu haben. Viele Facebook-Nutzer brechen zudem eine Lanze für den Rewe-Filialleiter. Die „gesetzliche Lücke“ solle vorübergehend „gestopft“ werden, damit die Atteste kurz kontrolliert werden dürften: „Die machen auch nur ihren Job und man kann, was das angeht niemandem mehr trauen. Ich kann auch behaupten, ich hätte eine Befreiung - nur, weil ich keinen Bock habe dieses Scheißding zu tragen“, schreibt ein User.

Facebook-Community befürwortet die Maskenpflicht im Supermarkt

„Ich habe auch ein Attest und trage trotzdem Maske“, schreibt eine weitere Userin. Durch Menschen wie die Kundin fühle sie sich in „ein schlechtes Licht gerückt“ - und verstehe zudem nicht, wie die Frau zwar aus Datenschutzgründen ihr Attest nicht vorzeigen wollte, aber jetzt einen so persönlichen Beitrag auf Facebook verfassen könne. Eine andere Rewe-Kundin berichtet davon, dass sie schon oft unaufgefordert ihr Attest vorgezeigt habe, denn genau dafür sei es da.

Die „Blockwart-Mentatlität“, die die Frau bereits seitens einiger Kunden im Creminger Rewe-Markt erfahren hat, schlägt ihr also auch in den Sozialen Netzwerken entgegen. Zu verfahren sind die Positionen inzwischen. Die Kundin wünscht sich einen Alltag ohne Maske und „Diskriminierung“, während die Facebook-Community sich größtenteils für „gleiches Recht“ für alle ausspricht und sich mit Rewe solidarisiert, schützt die Maskenpflicht doch nicht nur Mitarbeiter, sondern auch die anderen Kunden. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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