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Autonomes Fahren: Rewe startet fahrerloses Snack-Mobil in Köln

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Von: Bettina Menzel

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Rewe Snack-Mobil, das fahrerlos durch Köln fährt
Kölner sollten sich nicht wundern, wenn ihnen demnächst ein fahrerloses Gefährt entgegenkommt: Es ist das Snack-Mobil von Rewe. © Copyright: Vodafone / Rewe

Rewe und Vodafone inszenieren sich mit Europas erstem selbstfahrendem Kiosk als technische Vorreiter. In Köln können Kunden noch bis Ende Oktober dem Snack-Mobil begegnen. Bleibt es bei einer witzigen Idee oder ist der autonome Kiosk ein echter Problemlöser?

Köln - Am Carlswerk in Köln treffen Passanten derzeit auf ein ungewöhnliches Gefährt auf vier Rädern: Dort ist das autonom fahrende Snack-Mobil von Rewe in Zusammenarbeit mit Vodafone unterwegs. Kunden können das Mobil durch Winken zu sich rufen und dann zwischen 32 verschiedenen Snacks und Getränken wählen. Die Bezahlung erfolgt natürlich kontaktlos, einen Fahrer oder Verkäufer gibt es nicht. Sehen so die Lieferdienste der Zukunft aus? Oder löst das Snack-Mobil ein Problem, das gar nicht existiert?

Rewe Snack-Mobil hat schon 200 Test-Kilometer hinter sich

Schon seit zwei Monaten ist das Snack-Mobil immer zwischen 10 und 16 Uhr auf Testfahren im Carlswerk in Köln unterwegs. 200 Kilometer kamen so insgesamt zusammen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt sechs Stundenkilometer.Am 30. August endete die Testphase und der rollende Kiosk ging in den Live-Betrieb über. Rewe teilt mit, dass dieser zunächst bis Ende Oktober dieses Jahres andauern soll. „Mit dem Snack-Mobil testen wir gemeinsam mit unserem Projektpartner Vodafone die Zukunft der autonomen Mobilität“, so Rewe. Über die App „Rewe Snack Mobil“ finden Verbraucher den aktuellen Standort des Gefährts. Die Preise der Snacks entsprechen Supermarktpreisen.

Snack-Mobil-Tester: „Es fuhr einfach an mir vorbei“

Autonomes Fahren basiert auf Machine Learning-Algorithmen. Über Sensoren und Kameras orientiert sich das Gefährt im Raum und leitet die Informationen über ein schnelles Netz an die zentrale Steuereinheit weiter. Diese gleicht den aktuellen Standort immer wieder mit der hinterlegten Strecke ab und führt Korrekturen durch. Ein einfaches Winken soll den rollenden Kiosk zum Stoppen bringen, Kameras und Sensoren erkennen dieses Handzeichen.

Bei einem Tester vom Youtube-Kanal-Signatrix klappte das Anhalten nicht so gut: „Es fuhr einfach [...] an mir vorbei.“ Zum Glück hat das Snack-Mobil auch drei Haltestellen, an denen man den Wagen abpassen kann. Eigentlich sollte die kontaktlose Zahlung per Kreditkarte, Smartwatch oder Smartphone funktionieren, doch auch das klappte nicht: „Netterweise versuchte der Techniker auch mit seiner Uhr zu bezahlen, er machte das Ding nochmal auf und steckte Kabel neu.“ Alles ohne Erfolg, der Tester zog ohne seinen Snack von dannen. Zudem war er enttäuscht, dass er nicht einfach über die„Rewe Snack Mobil“-App bezahlen konnte. Das war allerdings noch im Juli, also zu Beginn der Testphase, die jetzt abgeschlossen ist. Aktuell sollte die Zahlung per Kreditkarte und Smartphone problemlos funktionieren.

Deshalb hat das Snack-Mobil keinen TÜV

In Deutschland dürfen autonome Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer an Board fahren. Am 20. Mai 2021 wurde dieses Gesetz mit den Stimmen der Union, SPD und FDP beschlossen. International hat die Bundesrepublik damit eine Führungsrolle. Allerdings gibt es auch Grenzen: Die autonomen Fahrzeuge dürfen nur auf bestimmten festgelegten Strecken fahren. Eine technische Aufsicht, die eingreifen könnte, muss zudem immer in der Nähe sein. Deshalb hat das Snack-Mobil offiziell keinen TÜV, da es nicht überall am Straßenverkehr teilnehmen darf. Rewe und Vodafone betonen aber, dass das Land Nordrhein-Westfalen und der TÜV die Testfahrten eng begleitet haben.

Auch in den USA läuft ein Pilotprojekt zum autonomen Fahren: In Arizona begann die Testphase für fahrerlose Taxis der Google-Tochter Waymo im letzten Jahr. Im Großen und Ganzen funktioniert das System gut, doch manchmal wird der Computer schon von kleinen Hindernissen aus dem Konzept gebracht. Unterhaltsam war das im Fall einer Testfahrt von Joel Johnson. Als die technischen Mitarbeiter des Unternehmens eingreifen wollten, weil das Auto stillstand, ergriff das selbstfahrende Gefährt plötzlich die Flucht, wie das Video zeigt:

Snack-Mobil: Mobiler Dorfladen der Zukunft?

Auf Twitter gibt es geteilte Meinungen zur Innovation von Rewe und Vodafone. „Stark“ findet etwa die Junge Union Lindenthal. „Die bei REWE haben doch auch schon Packstationen für Lebensmittel. Scheint ein innovatives Unternehmen zu sein. Davon braucht Deutschland mehr. Viel mehr!“ meint ein anderer Nutzer und ein weiterer findet das Gefährt „beeindruckend“. Doch auch kritische Stimmen werden laut. „Braucht niemand“, findet ein Nutzer, „Absurd“, meint ein anderer. „Wer übernimmt die Haftung wenn das Vehikel einen Unfall - gar mit Personenschäden - baut? Ist der Datenschutz gewährleistet?“ fragt ein Twitter-User kritisch nach und fasst damit wohl die Bedenken einiger Kunden gut zusammen. Einem anderen geht der selbstfahrende Kiosk hingegen nicht weit genug: „Wann kommt endlich das Flugtaxi?“, will der Nutzer ironisch wissen.

Dass sich im Fall des Snack-Mobil private Unternehmen an die Spitze gesetzt haben, muss nicht unbedingt schlecht sein. Es kann die Entwicklung vorantreiben und Nachahmer auf den Plan rufen. Kürzlich kaufte etwa DHL die weltweit erste Elektro-Flugzeugflotte. Der Paketlieferdienst will damit eine emissionsfreie Zukunft der Logistik erreichen. Das könnte als Vorbild für andere Branchen dienen und Innovation befeuern. Genau wie das Snack-Mobil von Rewe und Vodafone. Beispielsweise könnte es das Projekt „mobiler Dorfladen“ des Frauenhofer Instituts voranbringen. Dabei handelt es sich um ein Belieferungskonzept für ländliche Regionen, eine Art rollender Supermarkt. Der hat das Ziel, „neben der Verbesserung der Nahversorgung auch Arbeitsplätze zu erhalten oder gar zu schaffen.“ Europas erster selbstfahrender Kiosk hat viel Potenzial, es bleibt abzuwarten, ob er die Erwartungen erfüllen kann.

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