Eine Mitarbeiterin des Schokoladenherstellers Ritter Sport prüft Schokoladentafeln.
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Schokolade ist nicht gleich Schokolade - zumindest eine neue Ritter Sport-Sorte darf nicht als solche bezeichnet werden (Symbolbild)

Verbraucherzentrale bezieht Stellung

Neue Ritter-Sport-Sorte darf nicht Schokolade heißen - „Das ist die neue Realität“

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
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Eine neue Sorte von Ritter-Sport darf nicht Schokolade genannt werden - und liegt deshalb nun unter einer ganz anderen Bezeichnung in den Supermarkt-Regalen.

  • Eine neue Ritter Sport-Sorte sorgt aktuell für Wirbel.
  • Die Sorte „Cacao y Nada“ darf offiziell nicht als Schokolade bezeichnet werden.
  • Grund dafür ist eine fehlende Zutat - und die Vorschriften der deutschen Kakao-Verordnung.

München - Weiße Schokolade, Zartbitterschokolade, Nuss - oder doch ganz klassisch Vollmilch? Was Schokolade angeht, sind die Geschmäcker definitiv verschieden.

Kurios wird es allerdings, wenn die Lieblingsschokolade nicht „Schokolade“ heißen darf - so wie derzeit ein neues Produkt der Marke Ritter Sport. Konkret geht es dabei um die Sorte „Cacao y Nada“ - übersetzt bedeutet das in etwa „Kakao und Nichts“.

Ritter Sport: Neue Sorte darf nicht Schokolade heißen - Süße kommt von besonderer Frucht

In diesem „Nichts“ liegt auch bereits das Problem. Da die quadratische Schokoladentafel zu hundert Prozent aus Kakao besteht und darin kein Zucker enthalten ist, darf sie nicht als Schokolade bezeichnet werden. Denn um als „echte“ Schokolade zu gelten, muss das Produkt aus Zutaten wie Kakaomasse, Kakaopulver, Kakaobutter und Zucker hergestellt werden - das sagt die deutsche Kakao-Verordnung.

Diese Rechtsvorschrift - auch KakaoV - regelt in Deutschland Zutaten und die Kennzeichnung von Kakao- und Schokoladenprodukten. Da die Ritter Sport-Sorte „Cacao y Nada“ nun allerdings ohne Zucker auskommt, muss ihr laut der Vorschrift der Name „Schokolade“ verwehrt bleiben. Gesüßt wird das Produkt mit Kakaosaft.

Laut Ritter Sport steht dahinter auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. Bei der Schokoladenherstellung wird normalerweise nur die Kakaobohne verwendet. Für die neue Sorte soll allerdings auch das Fruchtfleisch der Kakaofrucht genutzt werden, um daraus den Saft zu filtern. Zugelassen ist das Produkt in der EU bereits seit einem Jahr als Lebensmittel - aber eben nur unter dem Label „Kakaofruchttafel“.

Schokoladen-Streit im Video: Ritter Sport erregte bereits aus einem anderen Grund aufsehen

Ritter Sport: Wirbel um neue Sorte, die nicht Schokolade heißen darf - „Das ist die neue Realität“

Ritter Sport-Chef Andreas Ronken findet die Regelung absurd. „„Unser Lebensmittelrecht muss mit Innovationen dieser Art Schritt halten. Wenn Wurst aus Erbsen sein darf, braucht Schokolade auch keinen Zucker. Aufwachen! Das ist die neue Realität“, zitiert ihn die Bild. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezog Stellung. Dort sieht man die Sache jedoch anders. „Zum einen müssen sich Hersteller an das geltende Lebensmittelrecht halten. Zum anderen könnte der Begriff Schokolade einige Verbraucher verwirren oder täuschen, weil sie bestimmte Zutaten erwarten. Wir sind daher immer dafür, dass Produkte mit maximaler Klarheit für den Verbraucher deklariert werden“, so die Zentrale laut der Bild.

Doch egal ob Schokolade oder „Kakaofruchttafel“ - vielen Verbrauchern kommt es letztendlich wohl weniger auf die Bezeichnung, als auf den Geschmack an. Wen dieser bei „Cacao y Nada“ in den Regalen von Lidl, Kaufland, Edeka oder anderen Supermärkten überzeugt, wird sich wohl kaum vom fehlenden Aufdruck „Schokolade“ aufhalten lassen. (nema)

Wirbel um Produkt-Namen: Verbraucher reagieren auf Namensänderungen

Zwiegespalten reagierten Verbraucher vor einiger Zeit auf die Umbenennung der „Knorr Zigeneuersoße“. Als auch der Name „Zigeneuerschnitzel“ verschwinden sollte, wehrte sich ein Wirt.

Nach Rassismus-Vorwürfen dachte auch ein Keks-Konzern über die Änderung eines Produktnamens nach - im Internet gab es einen Shitstorm für den bekannten Hersteller.

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