Zahlreiche Banknoten zu 10, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch.
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Sparkasse, Postbank und Co: Viele Geldinstitute müssen Gebühren an die Kunden zurückbezahlen. Das machen sie aber nicht freiwillig.

Bundesgerichtshof sorgt für Klarheit

Zu viel gezahlt? So kriegen Sie unrechtmäßige Bankgebühren zurück - fast jede Bank betroffen

  • VonDominik Stallein
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Viele Geldinstitute müssen Gebühren an die Kunden zurückbezahlen. Das machen sie aber nicht freiwillig. Verbraucher können auf Rückzahlungen hoffen, müssen aber selbst aktiv werden.  

Karlsruhe - Bankgeschäfte sind in den vergangenen Jahren immer wieder teurer geworden - neue Gebühren haben den Geldbeutel zusätzlich belastet. Eine Gute Nachricht für Bankkunden: Der Bundesgerichtshof hat kürzlich klar entschieden, dass Verbraucher einen Teil ihrer Gebühren wieder zurückfordern dürfen.

Sparkasse, Postbank und Co: Kunden können Geld zurückfordern

Der Grund sind sogenannte „fingierte Zustimmungen“. Über viele Jahre hinweg war das gängige Praxis bei Banken und Sparkassen. Bei Änderungen der Geschäftsbedingungen - zum Beispiel erhöhten oder neuen Gebühren für das Girokonto - wurden die Kunden lediglich informiert. Innerhalb einer festgelegten Frist hätten sie widersprechen können. Wer die verstreichen ließ, der galt für die Banken als einverstanden. Sie buchten die Gebühren von seinem Konto ab.

Bankgebühren unrechtmäßig: Kunden dürfen auf Rückzahlung hoffen

Dieser Praxis machte der Bundesgerichtshof ein Ende. Er legte fest: Schweigen ist keine Zustimmung. Die Geldinstitute müssen das Geld zurückzahlen. In vielen Fällen handelt es sich um dreistellige Summen pro Kunde. Experten rechnen damit, dass die Banken Gebühren in Milliardenhöhe zurückerstatten müssen, weil fast alle Geldinstitute von dem Urteil betroffen seien. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bezifferte den Schaden im für die Banken ungünstigsten Fall auf bis zu drei Milliarden Euro.

Sparkasse, Postbank und Co: Banken müssen Geld zurückzahlen - Kunden müssen selbst aktiv werden

Für die vergangenen drei Jahre kann man seine Ansprüche auf jeden Fall geltend machen, teilt der Bundesverband der Verbraucherzentrale auf seiner Internetseite mit. Die Geldinstitute überweisen die Gebühren aber nicht automatisch zurück auf das Kundenkonto. Die Verbraucher sollten sich selbst an die Banken wenden, rät die Verbraucherzentrale. Davor sollten sie sich einen Überblick verschaffen, wie viel Geld ihnen eigentlich zusteht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die AGB der Bank nach bestimmten Klauseln zu überprüfen. Sollte in den Geschäftsbedingungen beispielsweise festgehalten sein, dass der Kunde Vertragsänderungen automatisch zustimmt, wenn nicht innerhalb von zwei Monaten Widerspruch eingelegt wird, ist diese Klausel ungültig. Sollte die Bank eine davon genutzt haben, um eine Preiserhöhung umzusetzen, können Kunden das Geld zurückverlangen.

Online-Banking und Co: Viele Gebühren sind nicht zulässig

Aufschluss darüber gibt die persönliche Korrespondenz mit der Bank. Wer Online-Banking nutzt, erhält Informationen häufig über ein Postfach. Auch der klassische Postweg könnte aber genutzt worden sein. Wer keine Unterlagen mehr findet, kann bei der Bank eine sogenannte Entgeltaufstellung beantragen. Mindestens einmal pro Jahr - so die Gesetzeslage - muss die Bank eine solche zur Verfügung stellen.

Banken stellen sich quer: Verbraucherzentrale klärt auf

Wie David Riechmann von der Verbraucherzentrale in der Süddeutschen Zeitung verrät, zeigen sich die Banken bislang gegenüber den Kunden-Forderungen wenig kooperativ. „Viele Institute lehnen die Rückzahlungen ab“, sagte der Rechtsexperte. „Das geht durch die komplette Bankenlandschaft, von Sparkassen bis Volksbanken.“ Riechmann empfiehlt Kunden, sich bei ihrem Schreiben auf das Urteil des Bundesgerichtshofs zu beziehen. Vereinfacht wird das Verfahren mit einem Musterschreiben, dass unter anderem die Verbraucherzentrale im Internet anbietet. Auch Stiftung Warentest bietet ein solches Schreiben an. Und auch wenn es sich beim BGH-Urteil explizit um das Gebührenmodell der Postbank handle, sollten sich Kunden anderer Banken nicht abschrecken lassen: Die meisten Banken sind bei ihren Gebühren nach demselben Prinzip vorgegangen, das der Postbank nun untersagt wurde.

Ansprüche können verfallen - Schnelligkeit ist wichtig

Es kann sich lohnen, schnell aktiv zu werden, denn einige Forderungen sind nach drei Jahren bereits verjährt. Wer noch in diesem Jahr Ansprüche an zu viel gezahlten Gebühren erhebt, kann also sogar Zahlungen aus dem Jahr 2018 zurückerhalten. Und wenn sich die Banken querstellen? Riechmann empfiehlt, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - kurz: BaFin - einzuschalten. Diese könne, wenn sich viele Kunden melden, den Druck auf Banken und Sparkassen erhöhen, das Geld zurückzuerstatten.

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