Ryanair-Flugzeuge stehen in Reih und Glied am Flughafen Bergamo in Italien.
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Die Airlines rüsten sich für den Sommerurlaub. Macht Corona einen Strich durch die Rechnung, haben Frühbucher ein Recht auf Rückerstattung.

Sommerurlaub trotz Corona

Stiftung Warentest: Flug storniert? So bekommen Sie Ihr Geld zurück

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Wird ein Flug storniert, zahlen Airlines den Ticketpreis oft nicht zurück, obwohl sie müssen. Ein Jurist der Stiftung Warentest erklärt, mit welchem Trick Betroffene ihr Geld zurückbekommen.

Berlin – Klappt es heuer mit dem Sommerurlaub? Optimisten haben längst gebucht. Seit Beginn der Coronakrise müssen Airlines allerdings immer wieder spontan Flüge streichen. Wer schon gebucht hat, bekommt dann sein Geld zurück – muss die Rückerstattung allerdings beantragen und wartet nicht selten monatelang auf die Überweisung. „Beharrlich sein!“, rät Michael Sittig von der Stiftung Warentest. Er ist Jurist, Experte für Fluggastrecht und erklärt, wie Betroffene gegen die Masche von Airlines vorgehen sollten.

Bekomme man im Storno-Fall sein Geld nicht gleich zurück, solle man in einem ersten Schritt die Airline kontaktieren und per E-Mail die Erstattung des Ticketpreises fordern, erklärt Sittig in einem Interview mit dem Spiegel. „Wenn das nichts bringt, das Gleiche noch mal als Brief, ganz formell mit Einschreiben und Rückschein. Darin sollte man eine Frist setzen und nach Ablauf die Einleitung rechtlicher Schritte ankündigen“, rät er.

Stiftung Warentest: Mit diesem Trick bekommen Betroffene ihr Geld zurück, wenn ihr Flug storniert wurde

Wenn eine Airline darauf immer noch nicht reagiert, rät die Stiftung Warentest, die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr (söp) einzuschalten. Die privatrechtlich organisierte Stelle kontaktiert dann kostenlos die Airline, holt eine Stellungnahme ein und spricht dann eine Schlichtungsempfehlung aus.

Meldet sich die söp, überweisen die Airlines das ausstehende Geld in den meisten Fällen. Denn sollten die Juristen der söp feststellen, dass der Anspruch des Fluggastes berechtigt ist, wird es nur noch teurer für die Airline, wenn sie nicht zahlt. In einem Gerichtsverfahren würde sie schließlich unterliegen, erklärt Sittig im Spiegel.

Stiftung Warentest: Billigairlines zahlen bei Flug-Stornos ungern Geld zurück

Und trotzdem: Michael Sittig von der Stiftung Warentest berichtet von Fällen, in denen Airlines selbst nach der Schlichtung noch nicht zahlen. „Dann muss man schwereres Geschütz auffahren. Das heißt, einen Anwalt einschalten oder ein gerichtliches Mahnverfahren anstrengen“, sagt er. Ersteres sei wegen des hohen Kostenrisikos allerdings nur mit Rechtsschutzversicherung zu empfehlen.

Besonders Billigairlines gelten als schwarze Schafe, wenn es um Rückerstattungen geht. Doch auch die Lufthansa hat aufgrund von Liquiditätsproblemen im vergangenen Jahr zahlreiche Kunden auf ihre Rückerstattungen warten lassen. Auch innerhalb der Billigairlines es gibt Unterschiede: Beispielsweise verfügt die ungarische Fluggesellschaft Wizz Air laut Fluggastrecht-Experte Sittig über einen zweifelhaften Ruf. Bei Ryanair dagegen funktioniere die Abwicklung über die söp meistens reibungslos. Eines haben die beiden Airlines aber gemein: „Wenn man auf eigene Faust sein Geld fordert, kommt man bei Billigairlines aber nicht weit“, erklärt Sittig im Spiegel-Interview. Schon die Kontaktdaten seien auf den Websites gut versteckt.

Flug storniert? Stiftung Warentest rät von Fluggastportalen im Internet ab

Die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr bietet ihren Dienst kostenlos an. Daneben finden sich online diverse Fluggastportale, die für eine Provision schlichten wollen. Diese Firmen seien laut Sittig zwar seriös, aber teuer. Er rät Betroffenen deshalb, auf eigene Faust gegen zahlungsfaule Airlines vorzugehen.

Auch wenn man seinen Flug über ein Portal wie Opodo gebucht hat und deshalb im Storno-Fall zwischen beiden Vertragspartnern hin- und herverwiesen wird, hat man immer bei der Airline Anspruch auf Erstattung. „Wo Ihr Geld gerade liegt, beim Portal oder der Fluggesellschaft, muss Sie als Fluggast nicht interessieren“, erklärt der Jurist der Stiftung Warentest.

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