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DAZN macht nach Warnschuss ernst: „Wir haben dich an unsere Nutzungsbedingungen erinnert“

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Von: Anna Lorenz

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DAZN steht für Spitzensport im Stream - doch nun gab es für viele User die gelbe Karte: Das „Tech Unicorn“ aus Groß Britannien setzt mit einem Schlag hunderttausende Kundenkonten zurück.

Feltham - „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude“ - dieses Sprichwort lernen wir schon im Kindergarten und tatsächlich dürften „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ selten so nah beieinander liegen wie im Sport. Ob aktiv auf dem Platz oder gemütlich vor dem Fernseher, Fußball und Konsorten sind hierzulande Dauerbrenner auf den Bildschirmen der Nation. Den Luxus, immer live dabei zu sein, lassen sich viele Sport-Fans gerne auch etwas kosten - und nutzen Streaming-Dienste wie den Eurosport-Player, Sky Ticket oder DAZN. Letzterer Anbieter, der auch als „Netflix des Sports“ bekannt ist, zeigt nicht nur Bundesligaspiele und die Begegnungen in der UEFA Champions-League, sondern hat sich beispielsweise auch schon für die French Open 2022 im April - hier schockt gerade das Aus der Spitzenkandidatin die Tenniswelt - diverse Rechte gesichert.

DAZN: Account-Sharing ist gängige Praxis - Streaming-Dienste sind gar nicht begeistert

Dauerhaft nah am Geschehen zu sein, hat jedoch seinen Preis. Erst zum Februar 2022 erhöhte DAZN das monatliche Entgelt für die Nutzung seines Streaming-Dienstes (siehe Video) - Kunden müssen nun bis zu 29,99 Euro für den Sportgenuss bezahlen. Da man das TV-Ereignis ohnehin schon emotional teilt, liegt es nahe, auch die Summe unter mehreren Nutzern aufzuschlüsseln - Account-Sharing (dt.: Konto-Teilung) boomt weltweit.

Mit vielen Knabbereien sitzen zwei Männer auf einer Couch, dahinter steht eine Frau mit Deutschland-Fahne. Alle freuen sich über ein Tor.
Ein gemeinsamer Fußballabend macht Spaß - heutzutage ist das Highlight auch mit getrennten Bildschirmen erlebbar. Account-Sharing ist an der Tagesordnung - doch den Streaming-Anbieter ist die Praxis ein Dorn im Auge. © Westend61 gpointstudio/imago

Den Streaming-Diensten gehen so jedoch natürlich einige Abonnement und damit sehr viel Geld durch die Lappen - kein Wunder also, dass die Anbieter die Konto-Teilung stark reglementieren. Allerdings ist es den Usern oft erlaubt, das TV-Angebot auf mehreren Geräten wahrzunehmen - es wird also schwierig für die Streaming-Dienste, nachzuvollziehen, ob es sich um die erlaubte Nutzung oder aber das, per AGB verbotene, Account-Sharing handelt, wenn ein Konto an mehreren Standorten eingeloggt ist.

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DAZN setzt hunderttausende Accounts zurück, „um dein Konto zu schützen“ - Kunden vermuten mehr

Dass das Vorgehen gegen Account-Sharing der Hintergrund der folgenden Aktion von Sport-Streamer DAZN ist, finden daher viele Kunden mehr als naheliegend: Während beispielsweise Serien-Gigant Netflix das unerlaubte Teilen von Kundenkonten mittels eines technischen Trick zu ermitteln versucht, geht DAZN deutlich aktiver vor: Das britische Unternehmen, das mit einer Firmenbewertung von einer Milliarde US-Dollar vor Börsengang zu den seltenen, sogenannten Tech-Unicorns gehört, setzte nun nämlich kurzerhand weltweit hunderttausende Accounts von Nutzern zurück. Betroffene erhielten via E-Mail diese Nachricht von DAZN:

„Wir haben dich vor kurzem an unsere Nutzungsbedingungen und die Nutzung deines DAZN-Kontos erinnert. Wir haben ein Nutzungsverhalten festgestellt, das möglicherweise nicht mit unseren AGBs übereinstimmt. Um dein Konto zu schützen, haben wir dich vorübergehend von allen Geräten abgemeldet und bitten dich dein Passwort zurückzusetzen.“

Auszug aus der Benachrichtigungs-E-Mail von DAZN gegenüber den betroffenen Kunden

Kurz zuvor hatte DAZN - das, im Englischen als „The Zone“ ausgesprochen, an die Formulierung „Im Tunnel sein“ angelehnt ist - die User bereits ermahnt, Accounts nicht mit anderen Personen zu teilen. Grund der Erinnerung sei, die Nutzer vor Hackern und Co. zu schützen. Schon damals waren Kunden sich vielfach einig, dass dieser Service eigentlich auf dem Umstand fuße, dass sich wohl diverse Konten an verschiedenen Standorten weltweit eingeloggt hatten - und DAZN Account-Sharing vermutete.

Nach diesem Warnschuss macht DAZN jetzt ernst: Knapp 300.000 Nutzer sind nun gezwungen, sich neu anzumelden - darunter auch einige, die nachweislich ihr Konto nicht geteilt haben. Begeistert von der vordergründigen Fürsorge des Streaming-Dienstes sind allerdings die wenigsten Kunden. Ob DAZN sich mit dieser gelben Karte für Account-Sharer einen Rundensieg gesichert oder nicht am Ende doch ein Eigentor geschossen hat, wird sich zeigen, wenn es bald wieder heißt: „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ (askl)

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