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Land verbietet Süßigkeiten-Werbung - Unternehmer „überrascht und empört“

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Von: Patrick Freiwah

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Lachendes Kind vor Süßigkeitenregal: Weniger ist mehr, lautet die Devise
Lachendes Kind vor Süßigkeitenregal: Weniger ist mehr, lautet die Devise. © Monkey Business 2/Imago

Spaniens Regierung greift gegen die Süßwarenindustrie durch und möchte Kinder besser schützen. Die Produzenten laufen gegen die Entscheidung Sturm.

Madrid - Viele Millionen Eltern in aller Welt kennen die Herausforderung: Kindern ein annähernd korrektes Essverhalten beibringen, das eine gesunde Lebensweise ermöglicht. Spanien will hinsichtlich dessen einen Beitrag leisten und bringt ein neues Gesetz auf den Weg, das die Werbeaktivitäten der heimischen Lebensmittelindustrie merklich einschränkt.

Alberto Garzón, Verbraucherschutzminister der linken Regierung in Madrid, möchte das Gesetz zur Regulierung der Süßigkeitenwerbung im Jahr 2022 in Kraft treten lassen. Das geplante Verbot von auf Kinder abzielende Werbung für Süßigkeiten* hat daraufhin scharfe Unternehmer-Kritik ausgelöst.

Spanien verbietet Süßigkeiten-Werbung für Kinder - Branche reagiert wütend

Der Spanische Verband der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (FIAB) zeigte sich „überrascht und empört“. Betroffen sind unter anderem Kekse, Bonbons, Eis, Schokolade und Kuchen sowie Softdrinks, Limos und andere zuckerhaltige Getränke. Von einem „unbegründeten und ungerechtfertigten Angriff“ auf einen Sektor, dessen Arbeiter sich während Corona durch Einsatz und Professionalität ausgezeichnet und für die Aufrechterhaltung der Versorgung mit Lebensmitteln gesorgt hätten, sprach dabei Generaldirektor Mauricio García de Quevedo.

Der Mann kritisierte neben dem Verbot auch die „benutzte Sprache“, die aus seiner Sicht einen „ganzen Sektor kriminalisieren“ würde: „Eine Mitteilung, die davon spricht, Kinder vor der Lebensmittelindustrie zu schützen, ist inakzeptabel.“ Dabei empfiehlt sich angesichts der Entwicklung in Spanien ein Handeln: Minister Garzón betonte, dass die Gesundheitslage in Spanien „besorgniserregend“ sei. 23,3 Prozent aller Bürger seien von Übergewicht, 17,3 Prozent sogar von Fettleibigkeit betroffen. „Das sind insgesamt mehr als 40 Prozent. Das ist alarmierend.“ Besonders einkommensschwache Familien seien von dem Problem betroffen.

Süßigkeitenwerbung für Kinder: Auch in Deutschland ein wichtiges Thema

Derartige Regulierungen der Lebensmittelbranche gibt es bereits unter anderem in Ländern wie Großbritannien, Norwegen und Portugal. Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier hatte die Werbewirtschaft kürzlich Verhaltensregeln bezüglich Süßwaren* geändert und die Altersgrenze für bestehende Vorgaben von 12 auf 14 Jahre angehoben. Werbung für Kinder unter 14 darf demnach unter anderem keine direkten Aufforderungen zum Kauf oder Konsum enthalten.

Verbraucherschützer fordern von der künftigen Bundesregierung ein Verbot von Werbung für ungesunde Lebensmittel* gezielt an Kinder. Der Schutz der Kinder müsse wichtiger sein als Gewinninteressen der Süßwaren- und Junkfood-Industrie, ließ Foodwatch-Expertin Saskia Reinbeck wissen. Freiwillige Maßnahmen der Hersteller seien hierzu nicht geeignet. (PF/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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