Voller Einkaufswagen: Auch diese nützliche Erfindung bleibt von der Digitalisierung nicht unberührt
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Voller Einkaufswagen: Auch diese nützliche Erfindung bleibt von der Digitalisierung nicht unberührt.

Revolution in Supermärkten

Einkaufswagen ohne Chips und Münze? Große Veränderung steht bevor

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Supermärkte werden sukzessive weiterentwickelt, auch Einkaufswagen funktionieren in der Zukunft anders. Das bekannte Pfandsystem wird durch eine neue Technologie ersetzt.

  • Das Computer-Zeitalter hat längst auch Supermärkte erfasst. Auch dort erhält die Digitalisierung Einzug.
  • So wird auch das Einkaufen in der Zukunft anders aussehen, als wir es bislang gewohnt sind.
  • Bei Einkaufswagen steht das altbekannte Pfandsystem vor der Ablösung. Die neue Technik ist bereits marktreif.
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München - Im Zeitalter der Digitalisierung nimmt Kollege Computer im Alltag der meisten Menschen längst eine wichtige Rolle ein. Von dieser Entwicklung ist auch das Einkaufen für den täglichen Bedarf nicht ausgenommen.

Schon länger kann so ziemlich jedes gewünschte Produkt oder jeder Artikel im Internet bestellt werden und auf Wunsch nach Hause geliefert, sogar Lebensmittel. Gibt es in der Zukunft irgendwann gar keine Supermarkt-Filialen mehr? Einen stationären Handel dürfte es unabhängig von den Auswirkungen der Corona-Pandemie auch in vielen Jahren noch geben.

Supermarkt der Zukunft: Digitalisierung macht auch vor dem Einkaufswagen nicht Halt

Supermärkte versuchen kontinuierlich, flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und das Einkaufen zu vereinfachen. Allerdings finden technische Weiterentwicklungen auch deswegen statt, damit Verbraucher so viel Geld wie möglich ausgeben und so den Umsatz in die Höhe treiben. Das ist keineswegs eine moderne Erscheinung:

Wegweisend in diesem Hinblick ist die Erfindung des Einkaufswagens. In den 30er-Jahren stellte ein gewisser Sylvan Goldman im US-Staat Oklahoma Kunden seines „Humpty-Dumpty“-Supermarktes ein kleines Gefährt zur Verfügung, mit dem sie ihre Einkäufe transportieren konnten. Das diente nicht nur der Bequemlichkeit, sondern es wurde auch noch mehr verkauft, aufgrund der besseren Verstaumöglichkeiten. In Deutschland war es im darauffolgenden Jahrzehnt der Unternehmer Rudolf Wanzl aus Baden-Württemberg, der eine Weiterentwicklung konstruierte, zum Beispiel mit einem festen Korb.

Heute ist jenes Unternehmen im Geschäftsbereich Einkaufswagen ein Global Player. Die nützlichen Utensilien werden in Märkte auf der ganzen Welt exportiert, darunter auch der Handelsriese Walmart in den USA. Hierzulande befinden sich die großen Discounterketten Lidl und Aldi im Kundenkreis.

Eine bahnbrechende Erfindung stellte in diesem Zusammenhang die Einführung des Pfandsystems dar: Seit Mitte der 80er-Jahre können Einkaufswagen nur dann bewegt werden, wenn sie mit einer Münze oder einem Chip losgelöst werden (oder aber man wendet einen perfiden Trick an). So gehen heute viel weniger der Gitterwagen verloren als früher: Vor der Umstellung wurden die Fahrzeuge regelmäßig entwendet und nicht selten in Vorgärten oder öffentlichen Plätzen vorgefunden.

Einkaufswagen: Pfandsystem wird bald abgelöst von einer Smartphone-Anwendung

Doch das aktuell bestehende System wird in Nationen wie Deutschland nicht mehr allzu lange Bestand haben: Hersteller Wanzl entwickelt eine Verknüpfung zwischen Einkaufswagen und Smartphone. Angeblich ist die Technologie zur Entsperrung per Taschencomputer bereits praxistauglich. Weit dürfte der Weg zur Umsetzung dann nicht mehr sein: Eigene Apps besitzen schließlich bereits die meisten größeren Handelsunternehmen, zum Beispiel für Angebote oder um Punkte zu sammeln.

Die konkrete Herausforderung besteht also darin, die Entriegelung eines Einkaufswagens per Smartphone zu ermöglichen. „Smart-Trolley“ heißt der digitale Einkaufswagen der Zukunft, der von Kunden per Smartphone oder Smartwatch entriegelt werden soll. Klassische Münzen oder Chips werden damit nicht mehr benötigt. Wie das Prozedere dann vonstattengeht, erklärt Focus.de: Kunden benötigen die App des Supermarktes/Discounters, halten das mobile Gerät über ein Pfandschloss und entsperren beispielsweise per Bluetooth den Einkaufswagen.

Bei dem Vorhaben stellt sich jedoch eine bedeutende Frage: Was ist mit jenen Personen, die sich nicht mit Smartphones beschäftigen können oder möchten, zum Beispiel aufgrund des Alters? Auch nach der Einführung von „digitalen Einkaufswagen“ sollen die klassischen Varianten für einen längeren Zeitraum nutzbar bleiben. Ein Wanzl-Mitarbeiter schildert gegenüber dem Portal Chip.de: „Wir wollen mit Testphasen erste Markterfahrungen sammeln und schauen, wie das insgesamt ankommt.“ Bis das neue System flächendeckend ausgerollt wird, dürfte es demnach noch das ein oder andere Jahr dauern.

Einkaufen der Zukunft: Corona-Krise beschleunigt den digitalen Wandel

Durch die Corona-Pandemie wird der digitale Wandel in der Branche zwar beschleunigt, angefangen hat er jedoch weit vorher: Schon seit Jahren kann in Supermärkten bargeldlos per Karte bezahlt werden, mancherorts ist dies auch per Smartphone möglich. Außerdem sind elektronische Preiskennzeichnungen nicht mehr nur in Elektrofachmärkten im Einsatz, sondern längst auch bei Discountern wie Edeka.

Beim Kauf von Kleidung könnte in der Zukunft auch ein Besuch in der Umkleidekabine überflüssig werden. Der schwedische Modekonzern H&M arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung einer digitalen Umsetzung anhand eines Avatars:

Wenn man bedenkt, dass sich die Automobilindustrie schon ausgiebig mit dem autonomen Fahren befasst, erscheint auch ein selbst fahrender Einkaufswagen in der Zukunft gar nicht so abwegig. (PF)

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