Twitter-Nutzer erhebt schwere Vorwürfe

Kunden toben wegen Supermarkt-Tafeln: „Stimmt! Es ist eine Schrift! Aber welche?“

  • vonCornelia Schramm
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Schilder im Supermarkt erleichtern dem Kunden den Einkauf. In der Filiale einer großen Supermarktkette setzt ein Betreiber jetzt auf ein ganz besonderes Ladendesign - für die Kunden ein absolutes Unding.

  • Sie sollen dem Kunden einen einfachen und schnellen Einkauf garantieren: Die Schilder im Supermarkt.
  • „Fisch“, „Käse“, "Pizza" steht auf ihnen geschrieben - doch in einer deutschen Edeka-Filiale sorgt die neue Beschilderung jetzt für Aufregung.
  • Auf Twitter erhebt ein User schwere Vorwürfe gegenüber dem Ladenbetreiber in Greifswald*.

Greifswald - Bei dem riesigen Sortiment, das deutsche Supermärkte inzwischen anbieten, kommt es nicht selten vor, dass Kunden länger nach einem bestimmten Produkt suchen müssen, bis es schließlich gefunden ist. Sind bei Edeka und Co. aber die Regale gut beschriftet, kann dies dem Kunden seinen Einkauf deutlich erleichtern. Jeder kennt sie, die großen Tafeln über der Gemüseabteilung, der Fleischtheke und den Süßigkeiten-Regalen - „Fleisch“, „Käse“ und der altbekannte Slogan „Aus Liebe zur Region“ steht unter anderem in deutschen Edeka-Filialen angeschrieben.

Obwohl die Schilder in einer Filiale des Supermarktriesen diesen Zweck nach wie vor erfüllen, sorgt jetzt das neue Konzept eines Betreibers vor Ort für viel Aufregung: „Für alle, die meinen, das wären nur Worte oder eine Schrift. Stimmt! Es ist eine Schrift! Aber welche?“, schreibt Kire Naj deshalb jetzt wutentbrannt auf Twitter. Grund für die erzürnten Reaktionen in den Sozialen Netzwerken ist die Neu-Beschilderung in der Greifswalder Edeka-Filiale. Die gängigen Schilder hat der Betreiber Sven Schneider kürzlich durch neue ersetzen lassen. Ihr Inhalt ist gleich geblieben - doch die Wahl der Schriftart sorgt für Furore.

Edeka: Beschilderung in Greifswald sorgt für Aufregung

„Man hätte viele nehmen können“, schreibt Naj auf Twitter. Aber, dass die Wahl des Greifswalder Edeka-Betreibers auf genau diese Schriftart gefallen ist, sei entweder bewusst so gewählt oder komplett bescheuert, meint er weiter dazu. Entgegen ihres harmlosen Inhalts, beurteilt der Twitter-Nutzer, die Edeka-Beschilderung aufgrund der Art ihrer Beschriftung als rechtsgerichtet*. Bei der Frakturschrift würde es sich nämlich um den Stil „Tannenberg“ handeln, welcher von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken genutzt wurde. Zynisch kommentiert Naj auf Twitter deshalb weiter:

Schöne deutsche Grüße vom Edeka Greifswald. Wir lieben das Reich... ähm... Lebensmittel.

Kire Naj, Twitter-Nutzer

Hinter den Kommentaren steckt der ernste Vorwurf, der Betreiber verbreite in seinem Supermarkt rechtes Gedankengut. Naj hat seinen Tweet inzwischen gelöscht, schlugen ihm doch harsche Anschuldigungen - beispielsweise seitens der AfD - entgegen. Ob es sich nun um die Frakturschrift „Tannenberg“ oder „Potzdam“ handle, sei völlig egal, so Naj abschließend. Fakt sei doch, dass das entsprechende Klientel die Schrift erkenne und sich an „Heimatgefühlen“ erfreuen könne.

Kire Naj postete am 6. September 2020 diesen Tweet auf Twitter.

Geifswald: Edeka reagiert auf die schweren Vorwürfe

Die Art und Weise der neuen Beschriftung sorgt auch bei vielen anderen Kunden in Greifswald für Unmut - ist die Stadt doch ohnehin immer wieder in den deutschen Schlagzeilen zu finden, wenn es um die rechts-sowie linksradikale Szene geht. Während ein Twitter-User argumentiert, ihm gefalle die alte Schrift auch besser, aber man müsse nicht immer aus der Mücke einen Elefanten machen, wird der Fall über die Ortsgrenze hinaus zum Politikum. Auf Twitter meldet sich so auch ein Vertreter der Antifa zu Wort:

Laut Edeka handle es sich dabei nur um ein Missverständnis. Wie das Portal „Der Westen“ meldet, reagierte der Konzern so auf die Vorwürfe: „Mit der ausgewählten Schriftart wollte der Kaufmann niemanden verletzen. Es war vielmehr ein Versuch, den Ladenbau den regionalen Besonderheiten des Gebäudes anzupassen.“

Der Filial-Betreiber Sven Schneider setzt beim Ladendesign auf ein einheitliches Konzept. Auch auf seiner Homepage hat er die Schriftart angepasst.

Die Greifswalder Edeka-Filiale befindet sich nämlich im Einkaufscenter „Gleis 4“ und somit in einem historischen Gebäude, in dem ehemals das Kraftwagen-Ausbesserungswerk im Zentrum der Universitäts- und Hansestadt ansässig war. „Dieses ist als Kulturdenkmal eingestuft. Bei der Marktplanung in dem denkmalgeschützten Gebäude wurde besonderer Wert auf die Erhaltung der Halle als Denkmal sowie auf die Bahnhofsatmosphäre gelegt.“, erklärt Edeka weiter. Der Kaufmann habe mit den Schildern nur daran anknüpfen wollen. Man werde die Hinweise jedoch ernst nehmen und gemeinsam mit dem Kaufmann das Ladendesign „einer ausführlichen Prüfung" unterziehen". (cos)

Mit gutem Beispiel will dagegen jetzt der Discounter Aldi Vorangehen. Hier gibt es jetzt an der Brottheke eine entscheidende Änderung.

Rubriklistenbild: © obs/EDEKA ZENTRALE AG & Co. KG/Christian Schmid/dpa/Picture Alliance

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