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Der wahre Preis unseres Essens: Warum Supermärkte zwei Preisschilder für ihre Produkte haben

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Penny hat 2020 in Spandau eine „Grüner Weg“ getaufte Filiale eröffnet. (Symbolbild)
Penny hat 2020 in Spandau eine „Grüner Weg“ getaufte Filiale eröffnet. (Symbolbild) © Imago

Die aktuellen Preiserhöhungen beiseite genommen ist Essen oft zu günstig: Supermärkte zeigen durch ein zweites Preisschild, was nachhaltige Produktion kosten würde.

München - Ein Supermarkt in Berlin Spandau, sowie in Amsterdam zeigen Verbrauchern durch doppelte Beschilderung, was der Wert des Produktes bei einer nachhaltigen Produktion wäre. In Amsterdam „dürfen“ Verbraucher diesen Preis dann auch zahlen, einige tun es freiwillig.

Initiative „True Price“: Verbraucher sollen sehen, wie viel nachhaltige Produktion kosten würde

Die Initiative „True Price“ verfolgt das Ziel, nachhaltige Produkte für jedermann zu entwickeln, berichtet das Nachrichtenportal chip.de. Sie ermögliche Verbrauchern in dem Bio-Markt „De Aanzet“ mitten in Amsterdam, auf einem zweiten Preisschild jeweils den „wahren“ Preis der Produkte zu sehen – indem alle Kosten, die bei einer nachhaltigen Produktion entstehen würden, in den Preis einfließen. Und diesen wahren Preis „dürften“ Verbraucher dann auch zahlen. Es gäbe Verbraucher, die das freiwillig tun, wird berichtet.

Die durch die höheren Preise zusätzlich eingenommene Summe beläuft sich momentan auf 17.194,93 Euro. Dieses Geld wurde für wohltätige Zwecke oder Nachhaltigkeitsprojekte gespendet, wie auf der Instagram-Seite von „De Aanzet“ nachzulesen ist: Die Organisation give-directly.org etwa, die arme Haushalte in Afrika und den USA unterstützt oder die Landlife Company (landlifecompany.com), die Reforestierungsprojekte vorantreibt. Es geht aber nicht nur darum, dass die höheren Preise tatsächlich erzielt werden, sondern auch darum, die Verbraucher zu bewussterem Konsum zu erziehen. Wer die höheren Preise schon oft gesehen hat, gewöhnt sich an die Idee, was das Essen - nachhaltig produziert - kosten müsste.

Video: „True Price“ verfolgt ähnliche Ziele wie schon „Fair Trade“

Der Penny-Markt „Grüner Weg“ in Berlin: Schafft Bewusstsein für höhere Preise nachhaltiger Produktion

Um Die Bewusststeinsschärfung geht es auch einem dem 2020 in Berlin Spandau eröffneten Penny-Markt. „Grüner Weg“ wurde die Filiale genannt und soll nachhaltigen Konsum fördern. Bei ausgewählten Produkten werden neben den normalen Ladenpreisen deutlich höhere, sogenannte „wahre Verkaufspreise“ angegeben, berichtet das Nachrichtenportal utopia.de.

Die bei der Penny-Filiale ausgezeichneten, wahren Verkaufspreise berücksichtigten landwirtschaftliche Emissionen, Energieverbrauch und Landnutzungsänderungen, ist auf utopia.de nachzulesen. Schon heute zahlen die Verbraucher übrigens einen Teil der versteckten Kosten: Ein Beispiel dafür sind höhere Wasserpreise, wenn durch die herkömmliche Landwirtschaft belastetes Grundwasser gereinigt werden muss. 

Aber bei den „wahren Verkaufspreisen“ gehe es nicht nur um Naturkapital wie Klima oder Böden, die durch die herkömmlichen landwirtschaftlichen Methoden zu Schaden kommen, sondern auch um den Einsatz von Human- und Sozialkapital. Die Preise berechnen sich auf der Grundlage fairer Löhne für alle Personen in der Produktionskette, außerdem würden andere notwendige Investitionen in das Humankapital, wie etwa Kosten für die Behandlung gesundheitlicher Schäden der Feldarbeiter durch Pestizide und andere Widrigkeiten in der herkömmlichen Produktion einbezogen.

Die Food and Land Use Coalition (FOLU) gehe davon aus, dass die versteckten Lebensmittelkosten weltweit jährlich etwa 12 Billionen US-Dollar betragen, so der Bericht auf utopia.de. Angesichts der seit Corona steigenden Lebensmittelpreisen sind dennoch immer weniger Leute bereit, mehr zu zahlen für fair produzierte Produkte.

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