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Wie viel Tankrabatt wirklich beim Verbraucher ankommt – Kartellamt warnt Konzerne

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Von: Bettina Menzel

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Die Preise an den Tankstellen erreichen Rekordhöhen. Der Tankrabatt soll Abhilfe schaffen, doch was kommt wirklich bei Verbrauchern an?
Die Preise an den Tankstellen erreichen Rekordhöhen. Der Tankrabatt soll Abhilfe schaffen, doch was kommt wirklich bei Verbrauchern an? (Symbolbild). © IMAGO/Frank Sorge

Ab 1. Juni gilt in Deutschland der Tankrabatt. Doch wie viel Geld kommt davon wirklich beim Verbraucher an - und wie viel behalten die Mineralölkonzerne?

Berlin - Den Tankrabatt der Ampel-Koalition halten manche für das falsche Signal. Besser wäre ein Tempolimit gewesen, so die Kritik. Doch das milliardenschwere Entlastungspaket ist beschlossene Sache. Schon jetzt warnen Experten, am 1. Juni besser nicht an die Tankstelle zu fahren, denn es wird ein enormer Ansturm an den Zapfsäulen erwartet - und gleich zu Beginn des Monats nicht unbedingt ein Sinken der Preise. Wie viel der Tankrabatt Verbrauchern wirklich bringt, lässt sich beispielhaft durchrechnen - mit ernüchterndem Ergebnis.

Tankrabatt: So setzen sich Diesel- und Benzinpreise zusammen

Die Energiepreise kletterten aufgrund des Ukraine-Krieges auf Rekordhöhen. Einen Großteil der Diesel- und Benzinpreise machen allerdings Steuern aus. Allein die Energiesteuer beträgt 65,45 Cent pro Liter bei Benzin und 47,05 Cent pro Liter beim Diesel. Um Verbraucher zu entlasten, beschloss die Ampel-Koalition, diese Steuer in den Monaten Juni, Juli und August auf das europäische Mindestmaß zu senken.

Bei Diesel liegt die Entlastung damit bei rund 14 Cent pro Liter (auf den Steuersatz von nun 33 Cent pro Liter), bei Benzin sinkt die Steuer um etwa 30 Cent auf den temporären Steuersatz von 35,9 Cent pro Liter. Zusätzlich entfallen pro Liter Benzin und Diesel etwa 8 Cent CO2-Preis und eine Erdölbevorratungsabgabe von gerundet 0,3 Cent pro Liter. Die Vorratsabgabe dient der Aufstellung einer strategischen Ölreserve von Diesel und Benzin.

Ein weiterer Faktor ist der eigentliche Produktpreis für Diesel und Benzin, dieser hängt vom Rohölpreis ab. Der Börsenpreis von Brent-Öl schwankt anhand der globalen Nachfrage teilweise stark. Die Mineralölkonzerne kalkulieren auch mit dem sogenannten Deckungsbeitrag. Dieser schließt Kosten für Vertrieb, Verwaltung, Transport sowie die Pacht für Tankstellen und Angestellte ein - und enthält auch den Gewinn der Konzerne. Auf diesen Gesamtpreis kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer - das ist der Preis, der an der Zapfsäule steht.

Tankrabatt: So viel Entlastung kommt wirklich beim Verbraucher an

Auf den ersten Blick klingt die Steuerermäßigung von 14 Cent pro Liter bei Diesel und 30 Cent pro Liter bei Benzin gut. Doch ist es auch das, was wirklich bei den Verbrauchern ankommt? Die bisherige Antwort von Experten lautet: eher nicht.

Das Vergleichsportal Vergleich.org etwa hat die Zusammensetzung der Spritpreise genauer unter die Lupe genommen. Es untersuchte den Anteil der Steuer und den Anteil des Deckungsbeitrags der Mineralölkonzerne - in dem sich die Gewinne verstecken - bei unterschiedlichen Preisen an der Zapfsäule. Das Rechenbeispiel zeigt offenbar: Klettert der Preis an der Tankstelle, steigt der Gewinn der Mineralölkonzerne. Die Steuern erhöhen sich hingegen nur geringfügig - anteilig sinken sie sogar.

Rechenbeispiel:

Dieselpreis pro LiterDeckungsbeitrag (inkl. Gewinn)Steuern (Energie + MWSt)*Einkaufspreis Rohöl
1,50 Euro28 Cent/Liter47,02 Prozent (71 Cent/Liter)44 Cent/Liter
1,80 Euro34 Cent/Liter42,10 Prozent (76 Cent/Liter)62 Cent/Liter
2,20 Euro61 Cent/Liter37,49 Prozent (82 Cent/Liter)68 Cent/Liter

*Das Vergleichsportal führte die Rechnung noch nicht mit den reduzierten Steuersätzen des Tankrabatts durch.

Wie hoch der Gewinn genau ausfällt, lässt sich anhand dieser Rechnung nicht sagen, da er sich im Deckungsbeitrag verbirgt. Dieser setzt sich aus der Differenz der erzielten Erlöse und den variablen Kosten zusammen und steht zur Deckung der Fixkosten zur Verfügung. Bei einem angenommenen Dieselpreis von 2,20 Euro pro Liter liegt der Deckungsbeitrag mit 61 Cent pro Liter doppelt so hoch wie bei einem Dieselpreis von 1,50 Euro. Und das, obwohl der variable Kostenfaktor der Rohölpreise hier schon herausgerechnet wurde.

Es bleibt also zu bezweifeln, ob der reduzierte Steuersatz des Tankrabatts von den Mineralölkonzernen direkt an die Verbraucher weitergegeben wird. Auch der Automobilclub ADAC hat diese Befürchtung, denn schon jetzt seien die Preise an Tankstellen zu hoch. Auch der verkehrspolitische Sprecher der Union im Deutschen Bundestag, Thomas Bareiß (CDU), warnte: „Die Gefahr ist groß, dass die längst überfällige Steuerentlastung nicht beim Autofahrer ankommt.“

Spritpreise steigen kurz vor Einführung des Tankrabatts - ADAC sieht darin Kalkül, Kartellamt warnt

Der Automobilclub ADAC vermutet Kalkül hinter steigenden Preisen an den Zapfsäulen kurz vor Einführung des Tankrabatts. Die Mineralölkonzerne wollen sich ein finanzielles Polster schaffen, argwöhnte ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh gegenüber dem Sender RTL. Möglicherweise machten die Mineralölkonzerne den Sprit nun auch deshalb teurer, „weil sie dann die Preise weniger senken müssen“, vermutete die Sprecherin. Zudem weist der Automobilclub darauf hin, dass der Steuerabzug in der Raffinerie stattfinde. „Das heißt alles, was bis 31. Mai geordert wird, ist teurer und erst ab 1. Juni wird’s billiger“, so Randenborgh weiter. Wenn Tankstellen zu Beginn des Monats also noch Vorräte hätten, würden diese wohl zunächst noch zum teuren Preis verkauft.

Das Bundeskartellamt hat indes angekündigt, die Preisentwicklung nach dem Start des Tankrabatts genau im Auge zu behalten. Das sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, den Sendern ntv und RTL. Würden Preissenkungen nicht an die Verbraucher weitergegeben, hätten die Mineralölkonzerne „unangenehme Fragen“ zu befürchten, so Mundt weiter.

Als Alternative bleibt Bahnfahren und der ÖPNV. Dank des Neun-Euro-Tickets ist das im Juni, Juli und August besonders günstig. Allerdings gilt es bei der Auswahl der Nahverkehrszüge ein kleines Detail zu beachten.

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