Gesundheitsgefahren

Passierte Tomaten im Vergleich: Öko-Test macht beunruhigenden Fund - gerade Bio-Ware stark betroffen

  • vonJulia Schöneseiffen
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Öko-Test nimmt 50 Marken passierter Tomaten unter die Lupe. Und stellt Erschreckendes fest. Einige Produkte bergen sogar gesundheitliche Gefahren.

Frankfurt - Auf Platz zwei der beliebtesten Gerichte der Deutschen liegen Nudelgerichte wie Spaghetti. Und was passt besser zu Nudeln als Tomatensoße, leicht selbst zusammengerührt mit passierten Tomaten. Öko-Test hat jetzt 50 verschiedene Sorten passierter Tomaten unter die Lupe genommen - und Erschreckendes festgestellt. Im Test wurden bei jedem fünften Produkt Schimmelpilzgifte gefunden. Das heißt, bei der Herstellung sind schimmlige Tomaten in den Packungen gelandet. Das ist nicht nur eklig, sondern kann gesundheitliche Folgen mit sich bringen.

Besonders betroffen von diesem Schimmel-Problem sind Passata von Bio-Marken. Die entdeckten giftigen Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen zählen zu den Alterniatoxinen. Schwärzepilze produzieren diese Gifte und sind auf Pflanzen weit verbreitet. Schimmelpilzgifte können allerdings der Gesundheit abträglich sein, warnt Öko-Test. Zellstudien zeigen, dass das Gift Alternariol (AOH) das Erbgut schädigen kann und eine östrogenähnliche Wirkung hat.

Noch häufiger wurde in den Untersuchungen Tenuazonsäure (TEA) festgestellt. Diese kann die Bildung körpereigener Proteine hemmen. Und das kann zu Organschäden führen, zeigen Tierversuche. Bisher gibt es keine verpflichtenden gesetzlichen Grenzwerte für Alternariatoxine. In einer anderen Untersuchung fand Öko-Test teils bedenkliche Inhaltsstoffe in 20 getesteten Käsespätzle.

Test von passierten Tomaten: Schimmelpilzgifte und Pestizide

Öko-Test berichtet, dass „drei der vier besonders deutlichen Belastungen mit Pilzgiften in Bio-Produkten gefunden“ wurden. Ein Hersteller erklärt dies mit der Schwierigkeit, Schimmelpilzbelastungen zu minimieren. Denn Bio-Landwirte dürfen keine Fungizide spritzen. Allerdings weist Öko-Test auch darauf hin, dass 19 der 27 Bio-Produzenten es auch ohne das Ausbringen von Giften schaffen, Schimmelpilzbelastungen zu vermeiden. Dafür müssen die Tomaten vor dem Verarbeiten per Hand oder elektronisch aussortiert werden.

Öko-Test vergleich 50 Sorten passierte Tomaten. Dabei wurden Schimmelpilzgifte und Pestizide entdeckt. (Symbolbild)

Neben Schimmelpilzgiften konnten auch Pestizide gefunden werden. In einer Passata konnte das - in der EU längst verbotene - Pestizid Chlorfenapyr festgestellt werden. Dabei lag die gefundene Konzentration über dem gesetzlichen Grenzwert. Das Pestizid Chlorfenapyr gilt als besonders gefährlich, da es stark bienengiftig ist.

Des Weiteren wurden auch Spuren von sechs weiteren Pestiziden in der Passata gefunden. In einem Gutachten des Herstellers waren in einem chargengleichen Rückstellmuster keine Pestizide nachweisbar, so Öko-Test. In den anderen passierten Tomaten wurden keine Pestizide entdeckt. Auch wenn in der „Bio Passata Natur“ von dm zwei Pestizide festgestellt wurden, bekam das Produkt die Bewertung „gut“.

Öko-Test Bewertungen: 17 von 50 „sehr gut“

17 der 50 getesteten Passata schnitten mit „sehr gut“ ab. Dabei wurde aber nicht der Geschmack beurteilt, sondern ausschließlich die Inhaltsstoffe. Hier einige Bewertungen:

Ungenügend Sehr gut
Bio Zentrale Tomaten PassataAlnatura Passata fein passiert Natur
Mondo Italiano Passierte Tomaten (Netto)Edeka Tomaten fein passiert
Campo Verde Tomaten passiert (Demeter)Ja! Passierte Tomaten (Rewe)

Öko-Test fragte die verschiedenen Hersteller nach den Lieferketten und dem Anbau von Tomaten. Knapp die Hälfte der Produzenten konnten das Verbrauchermagazin von ihren Bemühungen um faire Arbeitsbedingungen überzeugen. Hierfür wurden Zertifikate und Auditberichte vorgelegt. Diese orientierten sich an internationalen Standards.

Passierte Tomaten: Worauf Sie achten können

Auf die Nachfrage zum Tomaten-Anbau konnten alle Anbieter den Anbau in Italien belegen. Trotzdem kann man als Verbraucher auf Kleinigkeiten bezüglich der Herkunft achten: Ist auf der Verpackung passierter Tomaten das EU-Bio-Logo mit der Bezeichnung „Italienische Landwirtschaft“ abgebildet, hat eine Öko-Kontrollstelle die Verpackungsangaben im Rahmen der jährlichen Bio-Kontrolle mitüberprüft.

Eine Aufschrift wie „IT-BIO-007, EU-Landwirtschaft“ hingegen zeigt nur, dass eine Kontrollstelle in Italien tätig war und Rohwaren aus der EU verarbeitet wurden. Diese Angaben sagen nichts über die Herkunft aus, sondern lediglich über den Ort der Abfüllung.

Zuletzt hatten einige Hersteller durch den Namen oder das Design versucht, ein bestimmtes Herkunftsland zu suggerieren. Dabei muss die Hauptzutat aber nicht aus dem Land stammen und der Anbieter ist auch nicht verpflichtet, dieses anzugeben. In einem Müsli-Produkt wurden gefährliche Rückstände entdeckt. Auch in einer Ikea-Filiale kam es ebenfalls zu einem Ekel-Fund. (jsch)

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