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Krebsforscher: Vitamin-D-Anreicherung von Lebensmitteln könnte mehr als 100.000 Todesfälle verhindern

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Von: Stella Henrich

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Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums haben herausgefunden, dass eine systematische Vitamin-D-Gabe Hunderttausende Krebstote verhindern könnte.

Bonn/Heidelberg/München – Würden alle Länder Lebensmittel ausreichend mit Vitamin D anreichern, könnte das nach Modellrechnungen von Hermann Brenner rund 130.000 Krebstote in Europa verhindern. „Das entspricht einem Gewinn von fast 1,2 Millionen Lebensjahren“, so Brenner. Der Mann ist kein Prophet oder Wahrsager, Brenner ist Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungsinstitut (DKFZ) der Helmholtz-Gemeinschaft in Heidelberg. Man sollte also meinen, er weiß, wovon er redet.

Im Rahmen einer Studie untersuchten Epidemiologen am DKFZ unter Leitung von Brenner den möglichen Einfluss einer gezielten Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D auf die Krebssterblichkeit in Europa. Die Wissenschaftler sammelten dazu Informationen rund um das Thema Vitamin D in 34 ausgewählten europäischen Staaten, ermittelten krebsbedingte Todesfälle und die Lebenserwartung in den einzelnen Ländern. Danach verknüpften die Wissenschaftler diese Informationen mit den Ergebnissen der Studien zum Einfluss der Vitamin-D-Gabe auf die Krebssterberaten.

Hinweisschild der Universität Heidelberg.
Hinweisschild zum DKFZ der Universität Heidelberg. (Smboldbild) © imago

Krebsforschung: Vitamin-D-Gabe verhindert Tausende Krebstodesfälle pro Jahr

Aus den gewonnenen Informationen und Daten schätzten die Forscher mit statistischen Methoden die Anzahl der krebsbedingten Todesfälle, die in den Ländern mit Lebensmittelanreicherung bereits verhindert werden. Außerdem errechneten sie die Zahl der Todesfälle, die zusätzlich vermieden werden könnten, wenn alle europäischen Länder die Anreicherung von Vitamin D in Lebensmitteln einführen würden. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Vitamin-D-Anreicherung aktuell etwa 27.000 Krebstodesfälle in allen betrachteten europäischen Ländern pro Jahr verhindert.

 Die aktuellen Daten zur Senkung der Krebssterblichkeit zeigen das immense Potenzial, das eine Verbesserung der Vitamin D-Versorgung auch, aber nicht nur für die Krebsprävention, haben könnte.

Hermann Brenner, Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungsinstitut der Helmholtz-Gemeinschaft in Heidelberg

Ergänzend erläutert Tobias Niedermaier, Mitglied des Brenner-Forscherteams, dass Vitamin-D das Krebserkrankungsrisiko zwar nicht senke, „aber es verringert das Risiko, an einer Krebserkrankung zu versterben“, so der Wissenschaftler in einem Interview der hauseigenen Fachpublikation der Helmholtz-Gemeinschaft. Niedermaier spricht sich daher klar für eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D aus. So würden die Menschen fast automatisch aus ihrem Vitamin-D-Mangel herauskommen.

Krebs mit Vitamin-D-Gabe bekämpfen: Orangensaft, Brot, Milch, Joghurt und Haferflocken

Man könnte eine Reihe von Lebensmitteln anreichern, „die absolute Grundnahrungsmittel sind, die jeder konsumiert oder konsumieren sollte“, so Niedermaier. Wie etwa Orangensaft, Brot, Milch, Joghurt, Hafermilch und Zerealien. „Es ist nicht so, dass man alles anreichern kann, weil auch durch die Verarbeitung und Zubereitung Vitamin D verloren geht“. Aber die Spanne geeigneter Lebensmittel sei groß genug, um jede und jeden zu erreichen, so der Forscher.

Neben der Zufuhr von Vitamin D über die Nahrung kann eine ausreichende Versorgung auch durch Sonnenbestrahlung sichergestellt werden: Der Krebsinformationsdienst des DKFZ empfiehlt daher, sich bei Sonnenschein im Freien zwei- bis dreimal pro Woche für etwa zwölf Minuten aufzuhalten. Dabei sollten Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen für diese Zeit unbedeckt und ohne Sonnenschutz sein.

Schon lange warnen Forscher vor der Gefahr einer Krebserkrankung. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 500.000 Menschen nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC an Krebs. Bis zum Jahr 2040 soll es weltweit etwa 29 bis 37 Millionen Menschen geben, die eine neue Krebsdiagnose erhalten, so eine Prognose der Weltgesundheitsorganisation WHO. Bei frühzeitiger Diagnose haben Patienten die größten Heilungschancen.

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