Gefährlicher Trend oder Fehlalarm?

WhatsApp: Nach Warnungen vor zwielichtigem Goofy-Account - NDR deckt Wende auf

  • Veronika Arnold
    vonVeronika Arnold
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  • Kai Hartwig
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Bei WhatsApp, Instagram und TikTok sorgte ein angeblicher Horror-Goofy für Aufregung. Besonders Kinder seien in Gefahr warnte ein Kriminologe. Nun gibt es neue Erkenntnisse nach NDR-Recherchen.

  • Im Netz ziehen regelmäßig Challenges die User in ihren Bann.
  • Auf WhatsApp, Instagram, TikTok und anderen sozialen Netzwerken gibt es aktuell einen gefährlichen Trend.
  • Der Horror-Goofy fordert vor allem Kinder zu Mutproben auf - Experten warnen. 

Update vom 17. August 2020: Die „Jonathan Galindo“-Challenge sorgte im Juli für große Aufregung. Fotos und Videos des „Grusel-Goofys“, der in sozialen Netzwerken mit Accounts unter dem Namen "Jonathan Galindo" auftrat, kursierten im Netz. Experten hatten vor allem Eltern gewarnt, da Kinder und Jugendliche über diese Profile angesprochen und unter Druck gesetzt werden könnten, eine Reihe von Aufgaben zu absolvieren. Die Aufgaben könnten „im schlimmsten Fall mit dem Tod der Kinder enden“, wurde der bekannte „Cyberkriminologe“ Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger damals zitiert.

Warnung vor gefährlichem „Goofey-Account“: NDR bringt Wende ans Licht

Recherchen des NDR Medienmagazins „ZAPP“ bringen nun aber neue Erkenntnisse ans Licht: Offenbar gibt es keinen Anlass für die furchteinflößenden Warnungen. Ob tatsächlich Listen mit Aufgaben verschickt wurden und Kinder diese auch absolvierten, sei unklar. Hinweise darauf gebe es bislang nicht. Meldungen über Selbstmorde bezeichnet Enrico Ball von der Polizei Unterfranken als „Hoax“, also Falschmeldungen. Und auch Fälle von Verletzungen oder Unfällen aufgrund einer solchen Challenge seien in Deutschland nicht bekannt. Ähnlich sieht es auch Martin Bregenzer von der EU Medienkompetenz-Initiative „klicksafe“. Sie hält die Warnungen für „überzogen“: „Bislang haben weder wir noch die anderen Netzberatungsstellen auch nur einen einzigen Anruf von Kindern oder Jugendlichen erhalten, die sich wegen einer Challenge gemeldet hätten“.

Nach Recherchen der Datenjournalistinnen und -journalisten von NDR Data kursieren Fotos und Videos des „Grusel-Goofys“, die die Grundlage der Jonathan Galindo Challenge bilden, schon seit 2012 im Internet.

Nach Experten-Appell an Eltern: Cyberkriminologe räumt Schnellschuss ein

Im Interview mit „ZAPP“ räumte „Cyberkriminologe“ Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger, auf den die massiven Warnungen zurückgehen, ein, er habe keine eigenen Recherchen zur „Jonathan Galindo Challenge“ angestellt, sondern „im privaten Gespräch mit einem Kollegen“ davon erfahren. Er habe daraufhin lediglich „ein schnelles Posting“ für seine Follower abgesetzt.

WhatsApp: Zwilichtiger Goofy-Account sieht es auf Kinder ab - Experten alarmiert

München - In sozialen Netzwerken machen immer wieder gefährliche Trends die Runde. Mitunter bringen sie ihre Nachahmer sogar in Lebensgefahr, wie bei der „Kulikitaka“-Challenge auf TikTok.

Aktuell sorgt ein Horror-Goofy bei WhatsApp*, Instagram, TikTok und weiteren Netzwerken für Aufregung. Der hat es offenbar insbesondere auf Kinder abgesehen.

Eigentlich kennt man Goofy als liebenswerten, aber etwas tollpatschigen Kumpel von Mickey Mouse, der berühmtesten Figur aus dem Hause Disney. Doch der Horror-Goofy aus den sozialen Netzwerken hat mit dem herzensguten Hund so gar nichts gemein.

Seine gruselig wirkende Fratze erinnert eher an die Horror-Clowns, mit denen vor einigen Jahren viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt wurden. Der bösartige Goofy von WhatsApp und Co. droht den Empfängern seiner Nachrichten gar mit dem Tod.

Der Horror-Goofy bringt aktuell Kinder mit seinen „Mutproben“ in Gefahr.

Horror-Goofy: Anonymer WhatsApp-Account gefährdet Kinder und Jugendliche

Ein Unbekannter stellt aktuell mit einer Goofy-Maske bekleidet bei WhatsApp, Instagram, TikTok und weiteren sozialen Netzwerken Freundschaftsanfragen. Dabei nimmt er vorwiegend Kontakt mit Kindern und Jugendlichen auf. 

Unter dem Pseudonym „Jonathan Galindo“ werden die Freundschaftsanfragen verschickt. Wenn diese dann bestätigt werden, bekommt das „Opfer“ einen Link mit Aufgaben zugesandt.

Und diese Challenges sollen die Jugendlichen dann erfüllen - andernfalls droht „Jonathan Galindo“ dem Empfänger mit enormen Konsequenzen. So drohe bei Nichterfüllung der Aufgabe im schlimmsten Fall der Tod.

Experten sind durch den höchst gefährlichen Trend längst alarmiert. Der Cyber-Kriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger warnt Eltern ausdrücklich vor Accounts mit dem besagten Namen. Diese riefen auch schon Trittbrettfahrer auf den Plan, die sich einen „Jonathan Galindo“-Account kreierten.

Horror-Goofy bei WhatsApp: Kriminologe warnt Eltern vor fatalen Folgen

Rüdiger bittet Eltern inständig, mit Kindern über die Gefahr zu sprechen: „Der einzig wirkliche Schutz ist auch hier Aufklärung und Vermittlung von Medienkompetenz bei den Kindern“, glaubt der Kriminologe.

Seine Empfehlung: Die Freundschaftsanfrage von Jonathan Galindo und anderen unbekannten Personen nicht annehmen und vor allem auch nicht an Freunde weiterleiten. Eltern sollten zudem das Medienverhalten Ihrer Kinder genau beobachten - und im Zweifel das Gespräch mit dem eigenen Nachwuchs suchen.

Dabei ist Panikmache für Rüdiger der falsche Weg. Allerdings sollten Eltern, wenn sie Veränderungen an Ihrem Kind bemerken, besonders aufmerksam werden. 

Anonyme Nachrichten wie die vom Horror-Goofy können Kinder und Jugendliche psychisch stark Belasten. Der Druck, die verlangte Mutprobe nicht zu bestehen, kann enorm sein. 

Vor allem bei Anzeichen von Selbstverletzungen oder undefinierbare Symbole am Körper von Kindern und Jugendlichen raten Experten wie Rüdiger dazu, zu handeln. Unter Umständen lässt sich das Thema im  offenen Gespräch mit den Kindern klären. 

Wenn Eltern aber den Verdacht haben, dass sich Ihr Kind in Verbindung zu gefährlichen Kontakten befindet und sogar Suizid-Gedanken hat, muss professioneller Rat für die betroffene Familien her. (kh)

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Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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Rubriklistenbild: © Facebook/Screenshot

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