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Enkel-Trick auf WhatsApp nimmt zu: „Menschen sehnen sich nach jemandem, dem sie wichtig sind“

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Von: Stella Henrich

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Achtung vor WhatsApp-Betrügern. Allein in Bayern erbeuteten Betrüger Geld im fünfstelligen Bereich von unschuldigen Opfern mit dem sogenannten Enkel-Trick. Meist fallen Rentner auf diese Masche rein.

München – Wer es nicht selbst schon einmal erlebt hat, kann es kaum glauben. Es ruft eine unbekannte Person an und gibt sich als Enkelkind aus. Der Anrufer erzählt eine schockierende Geschichte. Er habe einen schweren Unfall mit dem Auto verursacht, ein naher Angehöriger benötige nun ganz schnell Bargeld oder eine Kaution. Meist stehen die Betroffenen so unter Schock, denken nicht nach und wollen umgehend helfen. Hin und wieder gibt sich der Anrufer auch als Polizist aus, der von einem Angehörigen beauftragt wurde, Geld vom „Opfer“ zu erbitten.

Weil die Opfer im realen Leben keine oder sehr wenige Kontakte zur Außenwelt haben, sehnen sie sich danach, einen Menschen zu haben, dem sie wichtig sind.

Psychologin Susann Lorenz vom Klinikum Ueckermünde

Immer wieder warnen Verbraucherschützer vor dieser Masche am Telefon. Doch nun suchen sich die Betrüger offenbar neue Wege, um mit ihren vermeintlichen Opfern in Kontakt zu kommen. Der Enkeltrick feiert sein großes Comeback über WhatsApp, schreibt Stern.de. Quer durchs Land meldeten Polizei-Behörden jeden Tag neue Betroffene. Von einem Schaden in Höhe von 500.000 Euro sprechen die Beamten allein in Hamburg in diesem Jahr, so das Magazin weiter. Auch in Bayern soll die Masche in diesem Jahr bereits Schäden im fünfstelligen Bereich verursacht haben. Ein Rentner aus Kaufbeuren hat seinem vermeintlichen Sohn auf diese Weise mehrere Tausend Euro überwiesen.

So gehen die Betrüger über WhatsApp vor:

Die Betrüger geben sich als Kinder, Enkel oder Neffen der Opfer aus und behaupten, nun eine neue Nummer zu haben. Die Anrede ist persönlich, etwa „Hi Papa“, „Hi Opa!“. Namen werden vermieden. Oft sind die Nachrichten mit Emojis gespickt. Nach einer Antwort des Opfers geht es dann schnell ums liebe Geld: Mal wird eine Autopanne vorgetäuscht, mal reicht das Geld nicht für die Miete oder das Online-Banking funktioniert nicht. Die Opfer sollen aushelfen – indem sie ihre Geldbörse öffnen.

Enkeltrick auf WhatsApp: Oftmals fallen isolierte Menschen auf Masche rein

Trotz Warnungen in den Medien funktioniert der Enkeltrick nach wie vor. Eine Psychologin vom Klinikum Ueckermünde erklärt, warum das so ist. Zunächst dürfte bei den meisten Opfern der Familienzusammenhalt auseinander gebrochen sein. In ihrer Isolation und Einsamkeit und mit ihrer Sehnsucht nach Familie würden sie alle Alarmsignale ausschalten. Weil die Opfer im realen Leben keine oder sehr wenige Kontakte zur Außenwelt hätten, sehnten sie sich danach, einen Menschen zu haben, dem sie wichtig seien. Sie sagen sich, wenn ich helfe, habe ich die Chance, dass der auch für mich da ist, erklärt die studierte Psychologin das Phänomen bei Nordkurier.de.

Auch Maria Pavlova, Leiterin des Fachgebiets psychologische Gerontologie an der Universität Vechta, warnt im Gespräch mit der Kreiszeitung.de vor der Betrugsmasche. Die ältere Generation werde zunehmend digitaler, verliere dabei aber den Datenschutz aus dem Blickpunkt. Wichtig sei es, die ältere Generation zu unterstützen. Es müssten vermehrt die familiären Kontakte gestärkt werden. Zudem müsse sehr auf den Datenschutz der Familieninformationen geachtet werden.

Enkel-Trick über WhatsApp: Das rät die Polizei den WhatsApp-Nutzern

Wer dennoch auf den WhatsApp-Betrug reinfällt, sollte sich nicht schämen, sondern dringend Hilfe aufsuchen, raten Experten. Auch das Internet ist voll von Fallen, Tricksern und Betrügern. Jüngst warnte das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen vor einer Mail im Namen der Bundesregierung. Dabei handelte es sich allerdings um eine gefälschte, täuschend echt wirkende Webseite zum Abgreifen von Kreditkartendaten.

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