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Gasumlage: Zahlen sie auch Verbraucher, die Fernwärme beziehen?

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Von: Stella Henrich

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Ab Herbst 2022 müssen viele Menschen für die Gas-Umlage tiefer in die Tasche greifen. Doch wer überhaupt? Tatsächlich nicht die komplette Bevölkerung, sondern bislang offenbar „nur“ alle Gas-Kunden.

München ‒ Zum Kundenkreis von Gas gehören in Deutschland neben Unternehmen rund 50 Prozent aller Privathaushalte. Diese müssen durch die Gas-Umlage 2,419 Cent pro Kilowattstunde auf ihre üblichen Kosten obendrauf zahlen. Angesichts einer Heizkostenrechnung, die hunderte Euro höher als in Vorjahren sein könnte, wollen die meisten Verbraucher hierzulande nun verständlicherweise wissen: Wer muss die Umlage eigentlich bezahlen – und wer nicht?

Von der Gas-Umlage befreit sind derzeit offenbar „noch“ Kunden, die Öl, Flüssiggas oder Fernwärme beziehen. Ob gerecht oder nicht: Im vergangenen Jahr heizten laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen rund 14 Prozent der Haushalte mit Fernwärme - diese entsteht laut Bundeswirtschaftsministerium zu über 46 Prozent aus Gas. Fernwärmekunden sind laut Südwest Presse (SP) von der Umlage bislang „nicht erfasst“. Eine Antwort, ob dies so bleibt, werde aktuell im Bundeswirtschaftsministerium noch geprüft.

Fernwärme: Kunden der Münchner Stadtwerke zahlen eh schon mehr

Dabei müssen Kunden von Fernwärme bereits seit Anfang des Jahres tiefer in die Tasche greifen, wie das Beispiel der Stadtwerke München exemplarisch zeigt.  „Der Preis für Fernwärme ist seit dem ersten Quartal 2021 von rund 54 Euro je Megawattstunde (MWh) auf knapp 119 Euro je MWh gestiegen – das sind fast 120 Prozent“, erläutert Mike Winkler. Er ist Geschäftsführer der Hausverwaltung Winkler & Co., die in München etwa 4500 Wohnungen betreut.

Bild zeigt Heizkraftwerk Nord in München-Unterföhring mit seinen drei Blöcken.
Das Heizkraftwerk der Stadtwerke München. Block 1 und 3 wird mit Restmüll befeuert und dient der Fernwärme-Produktion. © Wolfgang Maria Weber/imago

Pro Haushalt geht es also um mehrere hundert bis über tausend Euro. „Allein die monatlichen Heiznebenkosten betragen nun etwa 2,30 bis 2,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“, so Winkler. Die Preiserhöhung begründeten die Stadtwerke übrigens mit den gestiegenen Rohstoffpreisen an den Märkten.

Gas-Umlage auch für Fernwärme: Kunden zahlen jetzt schon mehr

Fernwärme gilt als verhältnismäßig teuer, weil die Anbieter dieser Technologie meist keinen Wettbewerber haben. Nur das Bundeskartellamt überwacht die Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Ein Beispiel zu den Kosten von Fernwärme vor Beginn der Energiekrise rechnet Stern.de vor: „Nach einer Auswertung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2online aus dem Jahr 2020 schlägt Fernwärme mit Heizkosten von 12,40 Euro pro Quadratmeter und Jahr zu Buche, Erdgas dagegen mit 9,80 Euro. 

Deutschlandweit gibt das Bundeswirtschaftsministerium die Zahl der mittels Fernwärme beheizten Wohnungen mit 5,6 Millionen an. Das entspricht einem Anteil von rund 14 Prozent. Mit Gas heizen dagegen rund 48 Prozent, gefolgt von Öl mit gut 25 Prozent. Die Fernwärme kommt hierzulande meist im städtischen Bereich zum Einsatz. Allein in Berlin werden laut einem Bericht des Magazins Stern mehr als eine Million Haushalte mit Fernwärme versorgt, auch Hamburg gelte als Fernwärme-Hochburg. In der schleswig-holsteinischen Stadt Flensburg seien sogar fast alle Wohngebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Fernwärme-Ausbau: EU-Kommission genehmigt Beihilfen

Die Förderung von Fernwärme ist nicht nur hierzulande erklärtes Ziel, um von fossilen Energieträgern wegzukommen. Inzwischen hat die EU-Kommission Beihilfen von insgesamt 2,98 Milliarden Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren genehmigt, was vonseiten des Wirtschaftsministeriums begrüßt wird. Betreiber können nun direkt Zuschüsse erhalten.

Das Geld soll Anreize dafür schaffen, erneuerbare Energien in der Fernwärmeproduktion zu nutzen und so die Energiewende anzukurbeln, teilte die EU-Kommission mit. Doch bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg. Denn die Bezieher von Fernwärme sind laut Verbraucherzentrale Bundesverband noch mit deutlich steigenden Preisen konfrontiert, was viele Verbraucher von Fernwärme derzeit eher abschrecken dürfte.

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