Wirbel um Porsche-Milliardär: 40.000 Euro Ablöse für Privat-Tunnel in Salzburg

Im Salzburger Rathaus hängt der Haussegen schief: Der Industrielle Wolfgang Porsche will dort einen privaten Tunnel und eine Tiefgarage auf städtischem Grund bauen.
Salzburg – Aufregung in der österreichischen Festspiel- und Touristenmetropole Salzburg: Der Industrielle Wolfgang Porsche (81) will unter der ehemaligen Villa des Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) am Kapuzinerberg einen rund 500 Meter langen Tunnel samt Tiefgarage für sich und seine Entourage graben lassen. Die Stadt Salzburg gewährte ihm das Wegerecht und die Bewilligung, unter öffentlichem Grund zu graben. Nur 40.000 Euro sind offenbar dafür geflossen, die Rathaus-Opposition kritisiert die Summe.

Im Oktober 2020 hatte der Enkel von Ferdinand Porsche (1875-1951), der für das Dritte Reich den KDF-Wagen, den Vorläufer des VW Käfer, entwickelt hatte, die Villa für 8,4 Millionen Euro gekauft. Sie wird derzeit renoviert. Das Gesamtvermögen der Familie wird vom SWR auf 22,5 Milliarden Euro geschätzt. Sie hält 53,3 Prozent der Stimmrechte an der Volkswagen AG und 25 Prozent der Stammaktien der Porsche AG, die derzeit in einer Krise steckt. Wolfgang Porsche zeigt sich gerne in Salzburg mit Gabriele Prinzessin von Leiningen, so 2024 Jahr bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele.
Pläne von Porsche-Milliardär: 500 Meter Privattunnel und 1500 Quadratmeter Gesamtfläche für 40.000 Euro
Aus einer Antwort auf eine Rathaus-Anfrage der grünen Bürgerliste geht nun hervor, dass der gesamte 500 Meter lange Tunnel auf städtischem Grund gebaut werden soll – und nicht nur die Einfahrt. Porsche will auch eine Tiefgarage errichten. Bisher war die Rathaus-Opposition davon ausgegangen, dass er sich mit einer einmaligen Zahlung von 40 000 Euro nur das Recht erkauft hatte, auf städtischem Grund eine Einfahrt zu seinem künftigen Privattunnel zu errichten. Alleine das sorgte schon für Wirbel.

Doch mit den 40.000 Euro hat sich Porsche offenbar auch die Erlaubnis erkauft, die gesamte Tunnelanlage auf rund 1500 Quadratmetern städtischem Grund zu errichten. Die grüne Rathausfraktionschefin Ingeborg Haller sagt im ORF: „Wir haben den Tunnel, wir haben aber auch rund 300 Quadratmeter für eine Privatgarage für zehn bis zwölf Autos. Da reden wir – glaube ich – über ganz andere Dimensionen.“ Der Durchschnittspreis für den Quadratmeter Baugrund in Salzburg liegt bei gut 1000 Euro.
Salzburg-Grundstück sorgt für Aufregung: Anwesen schrieb Literaturgeschichte
Die Stadt habe nie durch ein Gutachten prüfen lassen, wie viel sie für die Nutzungsrechte verlangen kann, kritisiert Haller: Der Dienstbarkeitsvertrag mit Porsche wurde vom damaligen Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) am 4. April 2024 unterschrieben. Preuners Nachfolger Bernhard Auinger (SPÖ) wurde am 8. Mai vereidigt. Auch SPÖ-Fraktionschef Vincent Pultar unterschrieb. Gegenüber dem ORF erklärte er, er habe aufgrund des Stadtrechts mit unterschreiben müssen.
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Das Anwesen schrieb einst Literaturgeschichte: Nach den Lebenserinnerungen seiner Frau hatte Stefan Zweig, der aus einer wohlhabenden jüdischen Familie stammte, dort etwa 200.000 Manuskriptseiten verfasst. Die Aussicht vom Kapuzinerberg, wo das Anwesen liegt, ist legendär. Die Stadt an der Salzach lockt viele Touristen für einen Österreich-Urlaub in ihre historischen Mauern. Über drei Millionen Nächtigungen wurden voriges Jahr gezählt.
2027 und 2028 könnte es aber schwierig werden, die Mozart-Stadt zu erreichen, es fahren nach DB-Plänen monatelang keine Züge ab München dorthin. Die österreichische private Westbahn wiederum ist sauer, dass ihre Züge von Wien nach Stuttgart dann nicht über Salzburg fahren dürfen. Gleichzeitig gibt es Ärger über ÖPNV-Tickets für Touristen vor Ort, die günstiger als die für Einheimische sind.



