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Münsters gute Stube: Noch ist es ruhig am Prinzipalmarkt. Ab diesen Mittwoch werden sich hier die Massen tummeln.

Christen treffen sich in Münster

Auf dem Katholikentag geht es um Söders Kreuz und Islamfeindlichkeit

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Christliche Friedenssuche in der Stadt des westfälischen Friedens: Viele Bayern haben sich auf den Weg nach Münster gemacht, zum 101. Katholikentag. „Suche Frieden“ ist das Motto - und das in einer Zeit, in der innerhalb der Kirche und mit der Politik heftig gestritten wird.

München/Münster - Wenn von Münster die Rede ist, dann denkt man an die kultigste Tatort-Reihe in der ARD mit dem zänkischen Paar Boerne/Thiel, vielleicht auch an den schusseligen Detektiv Wilsberg aus dem ZDF. Wer historisch interessiert ist, dem kommt der Westfälische Frieden in den Sinn, der in Münster und Osnabrück vor nunmehr 370 Jahren den 30-jährigen Krieg beendet hat. Vor einem Monat sorgte Münster für Schlagzeilen, als ein psychisch Kranker in der Altstadt mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge fuhr und drei Menschen in den Tod riss.

Bis kommenden Sonntag nun ist die westfälische Metropole Gastgeber des Katholikentags, zu dem sich allein 50.000 Dauerteilnehmer angesagt haben und der jede Menge Konfliktstoff bereithält. So sorgt seit Ende April die Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), in allen staatlichen Behörden Kreuze aufzuhängen, für leidenschaftliche Debatten. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das den Katholikentag veranstaltet, legte gestern mit seiner Kritik nach: „Ich freue mich über jedes Kreuz im öffentlichen Raum. Aber das Thema gehört nicht in den Wahlkampf“, sagte er. Den Erlass des CSU-Ministerpräsidenten nannte er einen „Wahlkampf-Gag“.

Heikles Thema: Über die Rückkehr des Kreuzes in bayerische Amtsstuben wird wohl auch auf dem Katholikentag gesprochen.

Seehofer und Herrmann müssen sich auf Kruzifix-Thema gefasst machen

Ein Thema, dem keine eigene Veranstaltung gewidmet ist, das aber sicher neben den 1000 Veranstaltungen des Treffens eine große Rolle spielen wird. So wird Söders Vorgänger Horst Seehofer, der als Bundesinnenminister am Donnerstag am Podium „Integriert Euch! Wer eigentlich? Und Wohin?!“ teilnimmt, bestimmt darauf angesprochen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der am Samstag an einer Diskussion über „Nationalismus in Deutschland“ sowie einem Podium über Menschenrechte auftritt, wird der Frage nach dem Kreuz wohl ebenfalls nicht ausweichen können.

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Insgesamt gibt es drei Dutzend große Podien zu politischen und kirchlichen Themen - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Gast. Sie spricht über „Deutschland in einer veränderten Weltlage“. Aus aktuellem Anlass wurde in letzter Minute noch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Keine Toleranz gegen Intoleranz! Gemeinsam gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“ ins Programm aufgenommen. Ausdrücklich ruft das ZdK zu einem stärkeren Zusammenhalt der Religionen und Kulturen in Deutschland auf. „Respekt, Vertrauen und gegenseitige Anerkennung der jeweils Anderen“ seien Grundvoraussetzungen für ein friedliches Miteinander, sagte ZdK-Chef Sternberg am Dienstag.

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Mit der Entscheidung, mit dem kirchenpolitischen Sprecher Volker Münz erstmals einen AfD-Politiker eingeladen zu haben, sorgt das ZdK aber für Unfrieden. Kritiker warnen vor einem Dammbruch, die AfD-Positionen seien „menschenfeindlich, rassistisch und unchristlich“. Das ZdK sieht dem Auftritt des AfDlers indes mit Gelassenheit entgegen. Innerkirchlich wird der Krach über die Zulassung von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion für leidenschaftliche Debatten sorgen. Wie auch immer: Es wird spannend in der Friedensstadt Münster.

Claudia Möllers

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