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Nach der Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen waren vier der fünf Angeklagten mit sehr milden Urteilen davon gekommen.

Abscheuliche Tat heute erneut vor Gericht

Sie vergewaltigten eine 14-Jährige und legten sie in der Kälte ab - Täter erneut vor Gericht

Das Landgericht Hamburg verhandelt von Mittwoch (9.30 Uhr) an erneut über eine Gruppenvergewaltigung im Stadtteil Harburg vor fast zwei Jahren.

Knapp zwei Jahre nach der

Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen in Hamburg-Harburg

müssen sich die mutmaßlichen Täter erneut vor Gericht verantworten. Eine Große Strafkammer am Landgericht verhandelt von Mittwoch (9.30 Uhr) an über eine rechtliche Neubewertung der Tat. 

Nach der Feststellung der Personalien der Angeklagten schloss das Landgericht auf Antrag der Opferanwältin und der Verteidiger die Öffentlichkeit von der Verhandlung aus, bis das Urteil verkündet wird.

Der erste Sex war einvernehmlich - der Rest war Missbrauch

Wie das Landgericht im ersten Prozess feststellte, ist der erste Sex des völlig betrunkenen und wehrlosen Opfers mit einem 16-Jährigen noch freiwillig. Dann wird die 14-Jährige von einem 21-Jährigen missbraucht. Drei Jugendliche im Alter von 14 und 16 Jahren quälen sie anschließend sexuell mit Gegenständen. Die Jugendlichen filmen das Geschehen mit ihren Smartphones, ebenso wie eine 15-Jährige, die den Tätern dabei Regieanweisungen gibt.

Täter lassen Opfer leicht bekleidet in der Kälte zurück

Als das Mädchen zu schreien beginnt, schleifen die Peiniger es am frühen Morgen nach draußen und lassen es kaum bekleidet in der Kälte im Hinterhof zurück. Ein Nachbar hört Schreie und ruft die Polizei. Das Mädchen wird wegen Unterkühlung und erheblichen Alkoholkonsums auf eine Intensivstation gebracht.

Proteste gegen die Verurteilung

Am 20. Oktober 2016 verurteilt das Landgericht die vier Jugendlichen zu Haftstrafen von ein bis zwei Jahren auf Bewährung. Sie hätten die Taten gestanden und Reue bekundet, erklärt der Vorsitzende Richter. Ein 21-Jähriger, der den Missbrauch des Mädchens als einvernehmlichen Sex dargestellt hat, erhält eine härtere Strafe: vier Jahre Gefängnis. Freunde und Verwandte der Angeklagten begrüßen die Bewährungsstrafen im Gerichtssaal damals mit Jubel. Auch am Mittwoch gab es für die Angeklagten wieder Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis. Die Mutter eines Angeklagten gab im Gespräch mit Journalisten dem Opfer eine Mitschuld.

Im Internet protestieren nach dem ersten Prozess Zehntausende in einer Online-Petition gegen die Urteile. Staatsanwaltschaft und drei der Angeklagten legen Revision ein. Im Juli 2017 hebt der Bundesgerichtshof in Leipzig die Urteile dann teilweise auf, bestätigt jedoch die Feststellungen des Hamburger Landgerichts zum Tatgeschehen. Nun geht es an sechs Verhandlungstagen vor einer anderen Großen Strafkammer am Landgericht um eine rechtliche Neubewertung des Geschehens.

Der Bundesgerichtshof hat das Landgericht unter anderem aufgefordert, auch den Straftatbestand der Aussetzung zu prüfen. Von Aussetzung spricht man, wenn jemand eine Person in eine hilflose Lage und Lebensgefahr bringt. Sollte die Strafkammer diesen Vorwurf bestätigen, könnten sich die Strafen verschärfen. Außerdem muss das Gericht entscheiden, ob die Angeklagten wegen der Handyaufnahmen auch wegen Herstellens jungendpornografischer Schriften zu belangen sind.

Jugendkammer schloss Öffentlichkeit vom neuen Prozess aus

In erster Linie geht es in dem Verfahren aber um einen schweren sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person. Der Gesetzgeber bezeichnet diese Straftat inzwischen auch als Vergewaltigung. Laut erstem Urteil wurde sie gemeinschaftlich begangen. Ob die Strafen im neuen Prozess härter ausfallen werden, ist fraglich. Ein Gerichtssprecher betonte, dass die Strafkammer auch berücksichtigen müsse, wie sich die Angeklagten in der Zwischenzeit verhalten hätten. Eine Befolgung der Bewährungsauflagen müsste ihnen positiv angerechnet werden. Der erwachsene Angeklagte, inzwischen 24 Jahre alt, befindet sich als einziger nicht auf freiem Fuß. Er sitzt nach eigenen Angaben in der Sozialtherapeutischen Anstalt Hamburg.

Vom Verlauf des neuen Prozesses wird die Öffentlichkeit nur wenig mitbekommen, denn die Jugendkammer schloss Zuschauer und Pressevertreter gleich nach der Personalienfeststellung der Angeklagten von der Verhandlung aus.

Möglicherweise werde auch das Urteil zumindest in Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet werden, sagte die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring. Die öffentliche Berichterstattung könne zur Bloßstellung, Verängstigung und Stigmatisierung der Angeklagten führen, was die erzieherische Einwirkung auf sie erschweren würde. Die Tat sei nicht in der Öffentlichkeit verübt worden und habe die Allgemeinheit nicht gefährdet. Das bloße Bedürfnis an Sensation überwiege darum nicht die schutzwürdigen Interessen der jugendlichen Prozessbeteiligten, erklärte die Richterin.

dpa

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