+
Die 19-Jährige hatte angeboten, auf das Baby aufzupassen, während die Mutter ihre Einkäufe in ihre Wohnung trug. Foto: Lukas Schulze/Symbol

Schock in Potsdam

Frau flüchtet Hunderte Kilometer mit fremdem Baby

Es ist die Horrorvorstellung für Eltern: Eine Frau bietet einer Mutter an, auf ihr Kind aufzupassen und verschwindet mit dem Baby - so geschehen in Potsdam. Stunden später gibt es in Hannover eine Festnahme.

Potsdam/Hannover (dpa) - Eine fremde Frau hat das Baby einer Mutter in Potsdam über Stunden entführt und ist mit dem kleinen Mädchen bis nach Hannover geflohen.

Dort nahmen Beamte die 19-Jährige am Donnerstag in einem Einkaufsmarkt fest, nachdem ihr Handy geortet worden war, wie die Polizeidirektion West in Brandenburg heute mitteilte. Das vier Monate alte Baby war unversehrt und wurde in einem Krankenhaus versorgt.

Das Potsdamer Jugendamt stehe mit der Mutter und der Polizei in Verbindung, teilte die Stadtverwaltung Potsdam mit. Die 35-Jährige sollte ihr Baby noch heute wieder in die Arme schließen.

Warum die 19-Jährige mit dem Kind flüchtete, ist bislang unklar. Dazu wird laut Polizei ermittelt. Nach dpa-Informationen sollte die Tatverdächtige noch am Freitag für weitere Vernehmungen von Hannover nach Potsdam gebracht werden. Nach Polizeiangaben prüft die Staatsanwaltschaft, ob Haftbefehl beantragt wird.

Die 35-Jährige war nach Darstellung der Ermittler am Donnerstagnachmittag mit ihren beiden Söhnen und dem Baby in einer Potsdamer Hochhaussiedlung zum Einkaufen in einem Markt. Dort habe die 19-Jährige die Mutter angesprochen und angeboten, ihr beim Tragen der Einkäufe zu helfen, berichtete die Polizei.

Vor der Wohnung der Mutter bot sie außerdem an, mit dem Baby im Kinderwagen noch spazieren zu gehen, während die 35-Jährige die Einkäufe in die Wohnung tragen und den beiden Söhnen Essen machen könnte. Die Mutter willigte ein. Warum sie auf das Angebot einging, blieb offen.

Etwa 20 Minuten später stellte die Mutter fest, dass die beiden verschwunden waren und suchte den Angaben zufolge etwa eine Stunde lang vergeblich nach ihnen. Dann alarmierte die Mutter die Polizei, die sofort eine groß angelegte Suche mit Rettungshunden, einem Hubschrauber und Bereitschaftspolizisten startete. Nach Hinweisen auf die Handynummer der 19-Jährigen und erfolgreicher Ortung konnten die junge Frau und das Kind schließlich am Donnerstag gegen 20.20 Uhr in einem Hannoveraner Einkaufsmarkt ausfindig gemacht werden. Das Kind verbrachte die Nacht im Krankenhaus.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Täterin um eine Heranwachsende ohne festen Wohnsitz. "Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich die 19-Jährige mal hier und mal dort aufgehalten."

Ähnliche Fälle kamen schon in der Vergangenheit vor. So wurde beispielsweise im Sommer 2015 in Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) eine Frau zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ein Baby aus der Entbindungsstation eines Stuttgarter Krankenhauses entführt hatte. 2013 erhielt in Koblenz ein Paar jeweils viereinhalb Jahre Haft, weil die beiden ein wenige Wochen altes Kind im Sommer 2012 in Tschechien vor den Augen der Mutter aus einem Kinderwagen geholt und mehrere Tage in ihrer Gewalt hatten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Winterwetter Ursache für Absturz von Kleinflugzeug?
Sie wollen von Frankfurt nach Friedrichshafen fliegen. Doch kurz vor dem Ziel stürzt die Cessna mit drei Insassen in einem Waldgebiet ab. Ob den drei Männern das Wetter …
Winterwetter Ursache für Absturz von Kleinflugzeug?
Zehntausende Kinder über Jahrzehnte hinweg in Australien missbraucht
Es geschah in Kirchen, Waisenheimen, Sportclubs, Jugendgruppen oder Schulen in ganz Australien: Überall, wo Kinder eigentlich besonderen Schutz genießen sollten, kam es …
Zehntausende Kinder über Jahrzehnte hinweg in Australien missbraucht
NRW: Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen zur Jahreswende
"Köln ist gezeichnet", sagt der frühere Polizeipräsident Mathies. Das Land hat Lehren gezogen aus der Silvesternacht 2015/2016. Diesmal wird geklotzt: Tausende …
NRW: Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen zur Jahreswende
Bus-Tragödie: Zehn Menschen schweben noch in Lebensgefahr
Beim Zusammenstoß eines Schulbusses mit einem Regionalzug in Südfrankreich sind vier Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche weitere Opfer kämpfen allerdings noch um ihr …
Bus-Tragödie: Zehn Menschen schweben noch in Lebensgefahr

Kommentare