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Die rasante Ausbreitung des von Moskitos übertragenen Zika-Virus führt in Brasilien nun zu drastischen Maßnahmen. Foto: Gustavo Amador/Archiv

220 000 Soldaten sollen Zika-Mücke in Brasilien bekämpfen

Es ist ein mysteriöses Virus, das besonders Schwangere gefährden kann: Die rasante Ausbreitung des von Moskitos übertragenen Zika-Virus führt in Brasilien nun zu recht drastischen Maßnahmen.

Rio de Janeiro (dpa) - Im Kampf gegen die Ausbreitung des von Mücken übertragenen Zika-Virus will die brasilianische Regierung bis zu 220 000 Soldaten einsetzen.

Wie Gesundheitsminister Marcelo Castro mitteilte, sollen am 13. Februar die Soldaten in betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen, und bei der Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti helfen. "Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren", kritisierte Castro. Die Aedes-Mückenart überträgt auch Dengue und Gelbfieber.

Ebenso wie das Dengue-Virus, wurde auch der Zika-Erreger bereits nach Deutschland eingeschleppt. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete kürzlich von zwei Haiti-Reisenden, bei denen nach der Rückkehr eine Zika-Infektion diagnostiziert wurde. Einzelne Zika-Ansteckungen seien auch hier denkbar, etwa beim Sex oder bei der Geburt von der Mutter auf das Kind. Falls auch die Mücke Aedes albopictus das Virus übertragen sollte, dann sei eine begrenzte Weitergabe der Viren durch sie für Deutschland im Sommer nicht auszuschließen - sie hat sich im südlichen Europa und punktuell bis nach Süddeutschland ausgebreitet.

Für die meisten Menschen sei die Infektion keine große Gefahr. Schwangere Frauen sollten vor der Reise jedoch mit ihrem Hausarzt sprechen oder lieber auf die Reise verzichten. Das zuvor kaum verbreitete Zika-Virus, das binnen weniger Monate in 21 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent aufgetaucht ist, kann zu Fieber und Hautausschlag führen. Vor allem aber steht es im Verdacht, bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei Babys auszulösen.

Daher sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur Agência Brasil rund 400 000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen im Rahmen des Programms "Bolsa Familia" bekommen, kostenlos Moskitoschutzmittel erhalten.

Im am stärksten betroffenen Brasilien wurden bisher 3893 Fälle der sogenannten Mikrozephalie ermittelt, vor allem im Norden des fünftgrößten Landes der Welt. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, geistige Behinderungen sind in der Regel die Folge. In sechs Mikrozephalie-Fällen hatten Schwangere sich zuvor mit Zika infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt inzwischen vor einer Ausbreitung des Zika-Virus auf dem gesamten amerikanischen Kontinent.

Zudem stieg im vergangenen Jahr in Brasilien die Zahl der Dengue-Infektionen auf 1,6 Millionen - ein Anstieg um 178 Prozent im Vergleich zu 2014. Insgesamt 843 Menschen starben an dem Virus - im Jahr davor waren es nur 473. Die Krankheit kann die Gelenke angreifen, Fieber verursachen und führt im schlimmsten Fall zum Tod.

Mit einer Ausweitung des Mückenbekämpfungs-Programm will die Regierung auch Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro schützen, Sportstätten und Unterkünfte sollen regelmäßigen Inspektionen unterzogen werden. Die landesweiten Ausgaben würden 2016 um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Mio. Euro) erhöht, teilte das Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur in Rio de Janeiro mit. Von Vorteil könnte sein, dass die Spiele im brasilianischen Winter stattfinden - damit könnte das Mückenrisiko weit geringer ausfallen. In Rio gibt es bisher keine Verdachtsfälle für eine Mikrozephalie, die möglicherweise vom Zika-Virus ausgelöst wurde.

An 56 000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land wurde zudem ein Maßnahmenkatalog verschickt, um die Moskitoart Aedes aegypti besser zu bekämpfen. Über 550 Tonnen Anti-Moskitomittel und Pestizide sollen in Brasilien eingesetzt werden. Und rund 266 000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen sich verstärkt der Bekämpfung der Mückenart widmen. Einen Impfstoff gegen Zika gibt es bisher nicht. Gegen Dengue ließ die Regierung im Dezember erstmals einen Impfstoff zu, der Menschen im Alter von neun bis 45 Jahren schützen soll.

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