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Ein Schäfer wartet seit 50 Jahren auf Sizilien auf sein Urteil.

50-jähriges Jubiläum auf der Anklagebank

Cagliari - Endlose Gerichtsprozesse sind in Italien nichts ungewöhnliches. Ein Schäfer sitzt seit 50 Jahren auf der Anklagebank - der zweitlängste Prozess der europäischen Geschichte.  

Giovanni Agostino Chessa und ein paar andere sardische Schäfer sollen an einem Junitag 1961 Schafe geklaut und dann 80 000 italienische Lire als Lösegeld gefordert haben. Alle wurden sie dafür angeklagt und irgendwann entweder verurteilt oder freigesprochen.

Nur Chessa sitzt noch immer auf der Anklagebank, seit nunmehr 50 Jahren. Er hat dadurch auf Sardinien traurige Berühmtheit erlangt, berichtete die Turiner Zeitung “La Stampa“ am Donnerstag. Chessa wird den Berichten zufolge im Schnitt zwei Mal im Jahr zum Gericht bestellt. Doch am Ende eines Verhandlungstages hört er immer nur diesen einen Satz: “Der Angeklagte ist außerstande, mit vollem Bewusstsein am Prozess teilzunehmen.“

Was genau das bedeutet, bleibt unklar. Gutachter bescheinigen Chessa eine psychische Störung, die erst geheilt werden müsse, bevor der Prozess fortgesetzt werden könne. Eine kafkaeske Situation: Denn zu Beginn des Prozesses hatte niemand daran gedacht, prüfen zu lassen, ob der Schäfer überhaupt zur Tatzeit zurechnungsfähig war.

“Das Italien, das nicht funktioniert“, meint “La Stampa“ dazu lakonisch. Das Land ist für lange Prozesse bekannt. Und so bleibt es ein sardischer Prozess ohne Urteil, dafür mit immens hohen Ausgaben an öffentlichen Geldern.

Nur ein anderer Prozess in Europa soll noch länger gedauert haben: Als vor ein paar Monaten im nordfranzösischen Pas de Calais zu Unrecht entlassene Bergarbeiter freigesprochen wurden, waren die meisten von ihnen schon tot. Der Prozess hatte 63 Jahre gedauert.

dpa

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