Absperrungen und Gewalt vor Wahlsonntag im Irak

- Bagdad/Ramadi/Tikrit - In Vorbereitung auf die ersten freien Wahlen im Irak haben irakische Polizisten und Soldaten die Bewachung von Wahllokalen in den Provinzen verstärkt. Zwischen den Städten errichteten die Sicherheitskräfte am Freitag zusätzliche Straßensperren. Auch in der Hauptstadt Bagdad warf der Wahlsonntag seinen Schatten voraus.

Auf den Straßen herrschte deutlich weniger Verkehr als an anderen Tagen. Viele Geschäfte, die sonst auch am islamischen Wochenfeiertag Freitag geöffnet haben, blieben geschlossen. Von Freitagabend bis Dienstagmorgen gilt im Irak eine erweiterte Ausgangssperre, in Bagdad zwischen 19.00 und 6.00 Uhr.

In der westirakischen Stadt Ramadi stieß die Polizei am Freitag auf die Leichen von vier irakischen Soldaten, die offenbar von Aufständischen ermordet worden waren. Sie wiesen Schussverletzungen auf. An den Toten waren Zettel mit der Aufschrift «So ergeht es allen Verrätern» angebracht. In der Nacht zum Freitag griffen Aufständische in Ramadi vier Wahllokale an, die dabei zum Teil zerstört wurden. Während die Einwohner Ramadis von US-Militärfahrzeugen aus per Megafon zur Beteiligung an den Wahlen aufgefordert wurden, tauchten an Häuserwänden Transparente mit Boykottaufrufen auf.

Bei der Explosion einer Autobombe in Bagdad starben am Freitag mindestens vier Iraker. Wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte, detonierte der Sprengsatz nahe einer Autobahnbrücke in der Vorstadt Dora. Gegen wen sich der Anschlag richtete, blieb unklar. Auch in Hit, 160 Kilometer nord-westlich von Bagdad, wurde ein Wahllokal attackiert. Bei einem Angriff auf ein Wahllokal in Kirkuk starb ein Polizist, der das Gebäude bewacht hatte.

In der nordirakischen Provinz Salaheddin, zu der auch Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit gehört, und in der am Mittwoch und Donnerstag drei Autobomben explodiert waren, wird mit einer geringen Wahlbeteiligung gerechnet. Ein Mitglied der Wahlkommission in Tikrit sagte: «Die Beteiligung wird höchstens zwischen 25 und 40 Prozent liegen». Die Zahl der Wahllokale in der Provinz sei von 200 auf 132 reduziert worden. Etwa die Hälfte der Mitglieder der Wahlkommission sei aus Angst vor Attentaten oder aus Überzeugung zurückgetreten.

Der stellvertretende Provinzgouverneur von Salaheddin, Abdullah Hussein Dschabura, erklärte, die Polizei habe inzwischen die Kontrolle über alle Wahllokale übernommen. Um Anschläge zu verhindern, dürfe sich bis zum Urnengang niemand diesen Gebäuden nähern. Augenzeugen sprachen am Freitag von einer beispiellosen Präsenz irakischer Soldaten auf allen Überlandstraßen der Provinz.

Unterdessen haben die Wahlen der Auslands-Iraker in Deutschland mit guter Resonanz und ohne größere Zwischenfälle begonnen. 26 416 Wähler - 47 Prozent der hier lebenden Iraker - haben sich registriert, teilte Herta Eckert, Leiterin des deutschen Auslandswahlprogramms, mit.

«Wir sind sehr zufrieden mit dieser Resonanz.» Sie rechnet damit, dass die Registrierten auch ihre Stimme abgeben werden. Der erste Wähler in der Hauptstadt war der Botschafter Iraks, Alaa Abdul Madschid Hussein al-Haschimi. Noch bis Sonntag können die hiesigen Iraker in Berlin, München, Mannheim und Köln ihre Stimme bei den Wahlen zu einem Verfassung gebenden Übergangsparlament abgeben. In Deutschland sei die Registrierung im Vergleich mit den anderen Ländern hoch, sagte Eckert. Sogar aus Ungarn und Polen seien Iraker angereist, um sich auf die Wählerlisten setzen zu lassen. Die Wahllokale werden streng überwacht und kontrolliert. «Wir haben keine Hinweise auf irgendwelche Störungen», sagte Eckert.

In Köln warteten am frühen Morgen 30 Iraker vor dem Wahllokal, in Berlin gaben in den ersten Stunden 80 Wähler ihre Stimme ab. Zur Wahl stehen neben dem Übergangsparlament auch 18 Provinzversammlungen und ein kurdisches Regionalparlament. Organisiert wird die 92 Millionen Dollar (70,5 Millionen Euro) teure Abstimmung in 14 Ländern von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Im Irak selbst wird am Sonntag gewählt. Die Auslandswahllokale sind von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Gewählt wird am Ort der Registrierung. Eine Briefwahl war aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

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