+
Lehrer und Schüler der Odenwaldschule demonstrieren gegen die Schließung der 105 Jahre alten Reformschule. Foto: Hans-Dieter Erlenbach

Abwicklung der Odenwaldschule beginnt

Schüler der Odenwaldschule demonstrieren für den Erhalt von Schule und Internat, doch beides soll schließen. Die Jugendlichen fragen sich: "Was haben wir Schüler falsch gemacht?"

Heppenheim (dpa) - In der südhessischen Odenwaldschule hat die Abwicklung von Privatschule und Internat begonnen. Auf dem Schulgelände in Ober-Hambach protestierten Schüler, Eltern und Lehrer gegen die Schließung der mehr als 100 Jahre alten Reformschule.

"Die OSO ist unser Zuhause", hieß es auf Plakaten, "Was haben wir Schüler falsch gemacht?" oder "Wir wollen nicht die Letzten sein". Es sei keine Demonstration der Schule, sagte OSO-Sprecher Metz. Schüler und Eltern wollten "ihre Traurigkeit zum Ausdruck bringen, ihrer Erschütterung Luft machen und der Öffentlichkeit mitteilen, was ihnen die Schule bedeutet und was ihnen verloren geht."

In einem Statement der Schülerschaft hieß es: Es gehe nicht um die "Abwicklung" eines insolventen Unternehmens, "sondern auch um die Schicksale, Hoffnungen und Zukunftsperspektiven von 143 Kindern und Jugendlichen". Die Schüler hofften, dass sich jemand finde, der bereit sei, die Schule noch zu retten.

"Wir wollen die Vergangenheit unserer Schule nicht vergessen, denn dies wäre unverzeihlich. Doch warum müssen wir die Leidtragenden für die Fehler anderer in der Vergangenheit sein?", hieß es in der Mitteilung der Schüler.

2010 war ein jahrelang vertuschter sexueller Missbrauch von Lehrern an mindestens 132 Schülern bekanntgeworden. In der Folge sanken die Schülerzahlen, immer mehr Geldgeber zogen sich zurück. Am Wochenende gab der Trägerverein das Aus für die Reformschule bekannt.

Der Vize-Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), sagte, knapp zwei Dutzend Jugendliche seien von Jugendämtern in Obhut genommen und an der OSO untergebracht gewesen. Für sie müsse eine neue Unterkunft gefunden werden. "Wir müssen schauen, dass keiner durchs Netz fällt."

Ab Dienstag bietet der Kreis für alle Eltern und Schüler eine Beratung an. Eltern sollen Hilfe finden bei der Suche nach einer neuen Schule; Schüler sollen "auch seelisch" unterstützt werden, sagte Schimpf. Für die Betroffenen sei das "eine fatale Situation, einfach bitter".

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

16 Tote bei Busunglück in Italien
Sie waren in Frankreich und wollten zurück in ihre Heimat Ungarn, als ihr Bus in Italien in Flammen aufgeht. Bei dem tragischen Unglück nahe Verona sterben zahlreiche …
16 Tote bei Busunglück in Italien
Umfrage: Mehrheit für öffentliches Stillen
Berlin - Die Mehrheit der Menschen in Deutschland findet öffentliches Stillen laut einer Umfrage in Ordnung.
Umfrage: Mehrheit für öffentliches Stillen
Todesfalle: 16 Schüler sterben in brennendem Bus nahe Verona
Verona - Bei einem schweren Busunglück nahe Verona in Italien sind 16 Menschen ums Leben gekommen. 39 Reisende seien verletzt worden. Es handelt sich um Schüler aus …
Todesfalle: 16 Schüler sterben in brennendem Bus nahe Verona
Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet
Am Ort des verschütteten Hotels in Italien ist keine Zeit zu verlieren: Am dritten Tag nach dem schweren Lawinenunglück ziehen Katastrophenhelfer immer noch Überlebende …
Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet

Kommentare